März – April 2013
Titelbild

Abdeckung des Heinersdorfer Taufsteins von 1621, Holz, farblich gefasst, bolusvergoldet. (Detail).

Foto: Rhabanus Kaehler (Februar 2013)

Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden; denn ihm leben sie alle.
Lukas 20,38 (Monatslosung März 2013)

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde,

das Osterfest liegt vor uns. Die Zeit davor, die sieben Wochen vor Ostern, wird Passionszeit genannt. Warum eigentlich? Wir erinnern uns dabei an Jesus Christus und daran, was in seinem Leben vor Ostern passiert ist.

Ist die Frage, warum vor der Osterzeit jedes Jahr wieder die Passionszeit liegt, mit dieser Antwort schon umfassend beantwortet?

„Nicht ganz“, denken Sie vielleicht im Stillen. Das erinnert mich an eine Begebenheit in unserer Gemeinde. Als ich mit einer Gruppe von Kindern aus unserer Kita in der Heinersdorfer Kirche war, da fragte ich als wir vorne im Altarraum waren: „Was seht Ihr?“ Als Antwort auf diese Frage rechnet man damit, dass zum Beispiel der Altar, die Kerzen, das große Altarkreuz, der Taufstein, die Kanzel oder die bunten Glasfenster genannt werden. Plötzlich sagte ein Kind ganz laut: „Monster!“ Als ich merkte, wie einer der Erwachsenen erstaunt wirkte, überlegte ich kurz und sagte: „Gut, dass du so genau hingeschaut hast.“ „Richtig!“ Man kann, wenn man möchte, Monster oder („Meeres-“)Ungeheuer sehen. Der vermutlich aus der Barockzeit stammende aus Holz geschnitzte Deckel des Taufsteins ist mit Drachenfiguren verziert, so wie früher dieses Motiv auf alten Karten benutzt wurde, um das Meer darzustellen. Das Ende der aufbrausenden Wellen wurde von den Zeichnern und Graphikern damals manchmal so dargestellt. Die Bildhauer konnten dieses Motiv übernehmen. Auf diese Art ist die kunstvolle Abdeckung unseres Heinersdorfer Taufsteins von 1621 verziert. Es sind genau acht Wellenreihen, die mit einem monsterähnlichen Kopf enden. Einer von diesen 8 „Monstern“ ist auf der Titelseite dieses Gemeindebriefes zu sehen.

Diese Köpfe mit ihrem großen Maul haben in der Tat etwas Bedrohliches. Und dass vom Meer eine tödliche Gefahr ausgehen kann, wissen wir, wenn wir an den letzten Tsunami, an Sturmfluten, Stürme und Hochwasserkatastrophen denken. Zu der Zeit, als der Taufsteindeckel geschnitzt wurde, konnten die meisten Menschen gar nicht schwimmen, was das Wasser noch mal bedrohlicher erscheinen lässt. Und trotzdem ist das Wasser ein Segen, weil es dem Leben dient. Wir brauchen Wasser. Ohne Wasser können wir nicht leben.

Wenn ein Kind oder ein Erwachsener getauft wird, dann geschieht das mit Wasser. Das Wasser dient hier dem Leben. Der Taufsteindeckel dagegen erinnert daran, dass es Bedrohliches und Gefährliches in der Welt gibt. In der Taufe wird im Gegensatz dazu sichtbar, dass Gott uns bewahren und schützen und uns ein Leben schenken möchte, das selbst vom Tod nicht zerstört werden kann.

Es gibt Dinge, die uns Angst machen. Sachen, die überwunden werden müssen. Wenn etwas am Ende gut ausgeht, dann war es vorher doch manchmal ziemlich schlimm. Das sind Erfahrungen, die wir alle in der einen oder anderen Weise kennen oder auch selbst gemacht haben. Wenn wir an Ostern feiern, dass Jesus den Tod besiegt hat und alles das überwunden hat, was uns jetzt noch Angst macht, dann gehört dazu, sich auch daran zu erinnern, was vorher war. Jesus ist von den Toten auferstanden. Aber vorher ist er wirklich gestorben und wurde sogar begraben. Jesus hat Schlimmes durchgemacht auf seinem Weg, bis er an Karfreitag am Kreuz gestorben ist. Aber der Tod hatte nicht das letzte Wort. Jesus stand aus dem Grab wieder auf. Jesus lebt. Darüber dürfen wir uns freuen. Der Tod war nicht das Ende. Und das betrifft auch uns. Der Tod ist nicht das Ende. Als Christen dürfen wir auf ein Leben hoffen, das selbst durch den Tod nicht zerstört werden kann. Denn Gott ist ein Gott des Lebens.

So denken wir in der Passionszeit an den Weg Jesu bis zu seinem Tod am Kreuz und an das, was er damit an Bedrohlichem überwunden hat. An Ostern feiern wir dann, dass Jesus auferstanden ist. Das Leben hat gewonnen!

So wünsche ich Ihnen eine gesegnete Zeit vor Ostern (Passionszeit) und dann ein fröhliches Osterfest

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Weltgebetstag 2013

Ich war fremd – ihr habt mich aufgenommen
Zum Weltgebetstag aus Frankreich am 1. März 2013

La France – ein Land von rund 62 Mio. elegant gekleideten, freiheitsliebenden Lebenskünstlerinnen und -künstlern, die ihr „vie en rose“ bei Akkordeonmusik unterm Eiffelturm genießen. Soweit das Klischee. Dass Frankreich allerdings sehr viel mehr ist als Paris, Haute Couture, Rotwein und Baguette, das wissen alle, die sich einmal näher mit unserem Nachbarland befasst haben. Die Reisemöglichkeiten seit der Wende und Städte- und Gemeindepartnerschaften bieten Gelegenheiten dazu. Gemeinsam spielen beide Länder in der EU Vorreiterrollen und Frankreich ist heute der wichtigste Markt für deutsche Produkte. Im Jahr 2013 kommt der Weltgebetstag (WGT) von Christinnen aus unserem Nachbarland, mit dem uns viel verbindet und wo es doch Neues zu entdecken gibt.

Frankreich ist mit seinen mehr als 540.000 km² eines der größten Länder Europas. Seine landschaftliche Vielfalt reicht von hohen Gebirgsketten und dem Mont Blanc über sanfte Hügellandschaften und Flusstäler von Seine, Loire und Rhône bis zur Küste – sei sie wild wie in der Bretagne oder mondän wie an der Côte d ’Azur.

In Frankreich, wo zwischen 50 und 88 % der Bevölkerung römisch-katholisch sind, ist die strikte Trennung zwischen Staat und Religion in der Verfassung verankert. Das Land, dessen Kirche sich einst stolz als „älteste Tochter Roms“ pries, gilt seit 1905 als Modell für einen laizistischen Staat. Sehnsüchtig blickt manche Frau aus anderen Ländern auf die Französinnen, die dank gut ausgebauter staatlicher Kinderbetreuung scheinbar mühelos Familie und Berufstätigkeit vereinbaren. Dennoch bleiben Frauen in Frankreich, die durchschnittlich 18 % weniger verdienen als die Männer, wirkliche Führungsposten in Politik und Wirtschaft oft verwehrt.

Motiv des Weltgebetstags 2013

Bild: Anne-Lise Hammann Jeannot, © WGT e.V.

Schwer haben es häufig auch die Zugezogenen, meist aus den ehemaligen frz. Kolonien in Nord- und Westafrika stammend, von denen viele am Rande der Großstädte, in der sog. banlieue, leben. Ihr Anteil an der Bevölkerung lag 2005 bei 8,1 %.

Geschätzte 200.000 bis 400.000 sogenannte Illegale leben in Frankreich. Spätestens seit in Paris zwei Kirchen von „sans-papiers“ (Menschen „ohne Papiere“) besetzt wurden, ist ihre Situation in der französischen Öffentlichkeit Thema.

Was bedeutet es, Vertrautes zu verlassen und plötzlich „fremd“ zu sein? Diese Frage stellten sich 12 Französinnen aus 6 christlichen Konfessionen. Ihr Gottesdienst zum WGT 2013, überschrieben mit dem Bibelzitat „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25,35), fragt: Wie können wir „Fremde“ bei uns willkommen heißen? In der Bibel, einem Buch der Migration, ist die Frage der Gastfreundschaft immer auch Glaubensfrage: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25, 40) Mutig konfrontiert uns dieser Weltgebetstag so auch mit den gesellschaftlichen Bedingungen in unserer „Festung Europa“, in der oft nicht gilt, wozu Jesus Christus aufruft: „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“.

Die weltweiten Gottesdienste am Freitag, dem 1. März 2013, können dazu ein Gegengewicht sein: Die WGT-Bewegung ist solidarisch und heißt jede und jeden willkommen! Ein spürbares Zeichen dafür wird auch mit der Kollekte gesetzt, die Frauen- und Mädchenprojekte auf der ganzen Welt unterstützt. In Frankreich und Deutschland werden so Projekte für Frauen mit „Migrationshintergrund“ gefördert, z.B. Flüchtlinge und Asylbewerberinnen.

Lisa Schürmann,
Deutsches WGT-Komitee e.V.
(leicht gekürzt)

„Karfreitag ist bei uns ein großes Fest.
Ostern sind wir besonders fröhlich.“

Das sagt Stefanka. Sie ist zehn Jahre alt und wohnt in Sofia, in Bulgarien. Von ihr erfahren wir etwas darüber, wie dort die Christen Karfreitag und Ostern feiern.

Über zwei Monate liege ich schon im Bett. Der Arzt sagt, ich muss noch etwas warten, bis ich wieder ganz gesund bin.

Deshalb kann ich heute, am Karfreitag, nicht mit in die Kirche gehen. Vater und Mutter sind in die Kirche gegangen, Großmutter ist zu Hause geblieben. Sie wollte mich nicht allein lassen.

Vom Fenster aus kann ich unsere Kirche sehen. Großmutter und ich beobachten, was dort geschieht. Immer noch gehen Menschen in die Kirche.

Heute läuten die Glocken nicht.

Großmutter sagt, dass die Menschen gleich aus der Kirche herauskommen und dann dreimal um sie herumgehen werden.

Ich erinnere mich, wie es im vergangenen Jahr war. Da war ich dabei. Das war sehr feierlich.

Da kommen sie schon.

Zuerst kommt der Priester. Hinter ihm gehen die Sänger vom Chor, und dann kommen alle anderen.

Da sind Vater und Mutter. Viele Menschen kommen aus der Kirche heraus. Sie tragen eine brennende Kerze. Jeder hat eine brennende Kerze. Das sieht schön aus.

Großmutter erzählt mir, wie Jesus gefangen genommen wurde, wie die Leute ihn geschlagen und verspottet und dann ans Kreuz geschlagen haben. Großmutter sagt, Jesus hat das alles für uns getan.

Wenn jemand einen anderen sehr gern hat, dann tut er alles für ihn.

Ich glaube, Großmutter wäre jetzt lieber mit den anderen dort zusammen. Aber mir tut es auch leid, dass ich nicht dabei sein kann. Als die Menschen wieder in der Kirche sind, sagt Großmutter zu mir: „Stefanka, morgen Nacht, wenn wir den Ostermorgen erwarten, werde ich auch mit zur Kirche gehen. Um Mitternacht werden die Glocken läuten. Sie wollen uns sagen: ´ Jesus ist nicht tot. Er lebt. Er ist immer bei uns. Jeden Tag.`

Dann werden wir beten: ` Lieber Herr Jesus. Bleibe bei uns, an jedem Tag, und hilf uns. Lass uns gut sein, wie du gut zu uns bist.’“

Ich freue mich auf Ostern, auch wenn ich krank bin und nicht mit in die Kirche gehen kann.

Am nächsten Abend ist Großmutter auch in die Kirche gegangen. Ich schlafe ein.

Dann wache ich auf, weil die Glocken läuten. Alle Glocken in der Stadt läuten. Ich höre den tiefen Ton von der ganz großen Kirche, der Kathedrale. Und besonders deutlich höre ich die Glocken unserer Kirche.

Ich denke an das, was mir Großmutter gestern Abend erzählt hat. Jetzt beten sie dort in der Kirche.

Ich bete auch.

Die Glocken läuten immer noch.

Ich höre die Eltern und die Großmutter kommen.

Gleich werden sie bei mir im Zimmer sein.

Da sind sie schon. Jeder hat ein rotes Ei. Das haben sie aus der Kirche mitgebracht. Für mich haben sie auch eins. Wir stoßen die Spitzen der Eier aneinander und sagen: „Fröhliche Ostern! Jesus ist auferstanden!“

Dann gehen wir zu Bett.

Nacherzählt von Eckart Schwerin nach einem Brief.
Aus: Wir sind nicht allein. Evangelisch Verlagsanstalt GmbH Berlin 1981
Mit freundlicher Genehmigung des Verlages

Unter unserem Dach

wurde in den letzten Monaten gebaut und gebaut und gebaut. Aber auch die längste Wartezeit hat einmal ein Ende. Alle Räume bekamen ein „neues Kleid“. Die obere Etage erstrahlt im hellen Glanz- mit zwei Wohnungen für die Jüngsten, einem Wickelraum mit Toiletten und endlich auch einem kleinen Raum für uns Mitarbeiterrinnen. Der Kreativraum bekam ein Waschbecken, die Küche neues Mobiliar und der Spielplatz den Zaun. So sind wir nun rundherum gut „umgürtet“.

Am 17. Dezember 2012 öffneten sich wieder für alle die Türen unseres Kindergartens. Dafür sorgten in den Vortagen viele fleißige Hände. Immer wieder nahmen Eltern und Anwohner sich Zeit, um Türen und Geländer zu streichen, Balken zu reinigen, Garderoben zu kürzen, zu sortieren und zu räumen. Allein hätten wir bei dem laufenden Betrieb diese Situation niemals bewältigt.

Wir sind froh und zufrieden, nach einer so langen Zeit wieder unter normalen Bedingungen arbeiten zu können. Es ging an die Grenze unserer Belastbarkeit, zumal es immer wieder Gerede, Kritiken und Missverständnisse gab, sich Überstunden häuften, Dienstbesprechungen länger dauerten und Ausschüsse nicht mehr in gewohnter Weise stattfanden. Es wird noch eine Weile dauern, ehe wir im alltäglichen Geleise fahren.

Inzwischen sind die Elternvertreter gewählt, der Kitaausschuss kann seine Arbeit wieder aufnehmen und die Stolpersteine bearbeiten.

Nun werden wir ein großes Fest vorbereiten. Jeder Leser, jede Leserin ist herzlich eingeladen, die Freude mit uns zu teilen (siehe Rückseite). Kommen Sie und schauen Sie.

Unsere Kinder fühlten sich sofort wieder zu Hause. Blitzschnell eroberten sie jedes Plätzchen und genießen die vielen Möglichkeiten. Ja, auch die längste Wartezeit hat einmal ein Ende.

Diakonin Hildegard Seifert

Roland Formum wurde mit der Berliner Ehrennadel ausgezeichnet

Am 03. Dezember des vergangenen Jahres fuhren Herr Formum, seine Frau Susanne und ich zu einer Veranstaltung der besonderen Art. Im Roten Rathaus wurde die Berliner Ehrennadel für besonderes soziales Engagement verliehen.

Herrn Formum im schwarzen Anzug zu sehen, war schon ein paar Blicke wert und der Saal des Rathauses ebenfalls. Wir nahmen an einem Tisch Platz, der mit unseren Namensschildern versehen war und studierten das Programm. Inzwischen hatten sich die zahlreichen Tische gefüllt und ein junger Pianist stimmte uns mit der Rigoletto- Paraphrase von Lizst festlich ein.

Nach dem Grußwort und dem 2. Satz aus einer Flötensonate in g-moll trat der Staatssekretär für Soziales an das Pult. Die feierliche Verleihung der Berliner Ehrennadel begann, die an 30 vorwiegend ältere Menschen verliehen wurde, denn mindestens 10 Jahre ehrenamtliches Engagement war eine Voraussetzung. Herr Büge, der Staatssekretär fand zu jeder und jedem recht persönliche Worte, ehe er aus dem Begründungstext zitierte. Der Aufruf seines Namens brachte Herrn Formum schon ein Stück Herzklopfen mit, als er zum Pult schritt. In der Zeitschrift des Diakonischen Werkes ist zu lesen:

„Er ist im wahrsten Sinne des Wortes vor Ort, wenn es brennt. Hauptberuflich ist Roland Formum Feuerwehrmann, seit 10 Jahren unterstützt der 45jährige außerdem ehrenamtlich die Evangelische Kindertagesstätte Berlin- Heinersdorf. Herr Formum ist der gute Geist des Hauses mit zwei rechten Händen. Er hat stets eine offene Tür, ein offenes Ohr und ein offenes Herz…

In Zeiten, in denen alles immer schneller gehen muss, in der der Erfolg immer mehr zählt, treten stille Helden aktiv für ein anderes Lebensmodell ein. Menschen wie Roland Formum machen unsere Welt Schritt für Schritt ein kleines bisschen besser…“

Roland Formum

Es dauerte so seine Zeit, bis alle Ehrennadeln vergeben waren. Dort standen Menschen, die in beeindruckender Art und Weise andere Werte in die Waagschale des Lebens werfen. Ihr Auftreten war keine Selbstdarstellung, keine Inszenierung des eigenen Wirkens; sie handeln einfach und halten das für eine Selbstverständlichkeit, für ihren Beitrag in einer oft so unmenschlichen Welt. Mögen unsere Kinder mit ihnen im wahrsten Sinne des Wortes in Berührung kommen.

Viele Worte erzeugen Appetit und so nahmen wir mit Vergnügen das Anrichten des Buffets wahr. Die Schüler der Catering- Schülerfirma KuliMax stellten uns die Köstlichkeiten vor, die dann auch so schmeckten. Möge dieser Geschmack des Nachmittags nachwirken und das Ehrenamt immer wieder auf der gesellschaftlichen und politischen „Speisekarte“ stehen!

Diakonin Hildegard Seifert