März / April 2011

Mal jemand ganz anderes sein, in eine fremde Haut schlüpfen, mal eine neue Rolle ausprobieren – dazu bietet die Karnevalszeit die beste Gelegenheit. Doch auf Dauer können wir uns nicht hinter einer Maske verstecken – nicht vor uns selbst, nicht vor unseren Mitmenschen und auch nicht vor Gott. Wir alle bleiben die, die wir sind. Die Passionszeit gibt uns als Zeit der Besinnung die Möglichkeit, den Weg zu uns selbst zu suchen, unsere Nächsten neu zu entdecken und unser Leben in Bezug auf Gott neu auszurichten – und das mit einem unmaskierten Antlitz. – um

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
Römer 12, 21, Jahreslosung 2011

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde,

gute Vorsätze gehören zum Beginn eines neuen Jahres. In jedem Jahr erleben wir das von neuem. Was bleibt aber übrig, wenn die Zeit ins Land gegangen ist? Es gibt Leitsätze, die an jedem Tag im Jahr und zu jedem Augenblick eine gute Hilfe sind. Diese Vorsätze werden auch in den späteren Monaten eines Jahres nicht unaktuell. Sie bleiben immer wichtig. Ein Beispiel dafür finden wir unter den Worten Jesu. Auf die kritische Frage einer seiner Zuhörer, was denn das wichtigste Gebot ist, antwortete Jesus: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt." Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst."

Jesus hat konkret geantwortet. Aber es ist eben keine Antwort, die Dinge gegeneinander ausspielt. Der Zusammenhang ist wichtig. Mein Verhältnis zu Gott und mein Umgang mit den anderen Menschen stehen in einem Bezug zueinander. Es ist nichts Abstraktes. Es hat jeweils konkrete Konsequenzen.

Wenn ich Gott als Herrn und Schöpfer achte, dann hat das auch positive Auswirkungen darauf, wie ich mit der Schöpfung umgehe und mit den anderen Menschen, die Gottes Geschöpfe sind. Wenn mir Gott wichtig ist, kann mir seine Schöpfung nicht egal sein. Und andererseits ist das Leben dann nicht mehr etwas Abstraktes, keine zufällige Aneinanderreihung von Kohlenwasserstoffverbindungen, sondern ein alles Materielle übersteigendes Wunder. Da beginne ich dann zu staunen und sehe auch mich selbst mit neuen Augen. So hat Martin Luther in seinem Kleinen Katechismus auf die Frage, was der erste Abschnitt im Glaubensbekenntnis ("Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.") bedeutet, geantwortet: (Das meint:) "Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen und Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält ..."

Wenn ich meine Arbeitskollegen, Nachbarn, Bekannte und Unbekannte, als meine Nächsten begreife, dann beginnt sich etwas zu verändern. Dann finden wir zurück zu Werten, zu einer Ethik, die Gutes bewirken kann und bewirkt.

Einfach ist das nicht. Ein hoher Anspruch ist damit verbunden. So ist es auch mit der Jahreslosung. Sie zeigt uns auf, wie es sein sollte. Ein Weg, der ungewöhnlich ist. Ein Weg, der das Ziel hat, den Teufelskreis des Bösen zu durchbrechen. Böses soll nicht mehr mit Bösem beantwortet werden, sondern das Böse soll sich zum Guten wenden.

Dazu gehört zwar auch, dem Bösen, der Gewalt und Zerstörung zu widerstehen, aber die Ehrfurcht vor dem Leben, die Achtung Gottes und seiner Schöpfung darf niemals in Frage gestellt werden.

So ist die Jahreslosung: "Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem." (Römer 12, 21) mehr als nur ein guter Vorsatz. Es ist auch ein sehnlicher Wunsch, dass dies gelingt. Dass es das Böse in der Welt gibt, merken wir ja nicht erst, wenn wir schreckliche Bilder in Fernsehberichten und in den Nachrichten sehen. Es gibt Leid in dieser Welt. In der Passionszeit, in der Zeit vor Ostern, denken wir daran. Wir denken an den schweren Weg, den Jesus Christus ging, bis er schließlich an Karfreitag am Kreuz starb. Aber wir wissen, der Tod Jesu war nicht das Ende. Es gab den Ostermorgen. Jesus hat den Tod überwunden. Jesus, der auf brutalste Weise ermordet worden war, war auferstanden. Jesus lebt. Er hat das Böse überwunden. Ohne jegliche Gewalt. So ist das Kreuz zu einem Hoffnungszeichen geworden. Das Böse kann überwunden werden, Gewalt und Leid werden ein Ende haben. So wünsche ich Ihnen eine nachdenkliche Passionszeit und schließlich ein gesegnetes und frohes Osterfest, ganz herzlich

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Aus dem Gemeindekirchenrat (GKR)

Der Gemeindekirchenrat informiert:

Im Dezember fand die Neukonstituierung des neu gewählten Gemeindekirchenrates mit Berufung von Ältesten nach 18 der Grundordnung statt. Entsprechend den Wahlergebnissen kam zu den Wiedergewählten ein neues GKR-Mitglied hinzu. Außerdem wird anstelle von Frau Roszka in Zukunft Frau Seifert als Vertreterin des Kindergartens in den GKR kooptiert. Der Haushalt 2011 wurde beschlossen. Pfarrer Kaehler informierte über Einbeziehung des Kirchengebäudes in Google Street View. Zu Weihnachten versagte die Orgel. Die Konzeption zur Orgelsanierung liegt vor, mit den Arbeiten (1. Bauabschnitt) soll begonnen werden mit Schwerpunkt Winderzeugung und Windbevorratung im Dachstuhl. Frau Schröter wurde zum Ansprechpartner und Beauftragten für Pflanzenschutzfragen ernannt. Die Weihnachtskollekten wurden gesichtet. Konzerte und Gottesdienste erfuhren rückblickend eine positive Beurteilung, sowohl was den Inhalt als auch die Besucherzahlen angeht.

Liebe Kinder,

bald ist es wieder soweit: Wir feiern Ostern! Dann werdet ihr bestimmt Ostereier suchen – und sicher auch welche finden, vielleicht auch noch andere schöne Dinge ...

Aber wisst ihr, warum wir dieses Fest eigentlich feiern? Richtig, weil an diesem Sonntag im Frühling vor sehr langer Zeit Jesus auferstanden ist: Er war schon tot und ist zu den Lebenden zurück gekommen. Die Menschen damals konnten das erst gar nicht glauben und auch nicht verstehen. Einige hatten sogar Angst, weil ihnen die Sache so unheimlich erschien.

Denn zwei Tage vorher war Jesus am Kreuz gestorben. Er wurde grausam getötet und später dann auch begraben. Das war allen Menschen noch genau in Erinnerung. Für seine Freunde war das ein großer Schock. Niemand hatte damit gerechnet, dass Jesus sterben müsste. Schließlich war er doch Gottes Sohn!

Als er eine Woche zuvor in Jerusalem ankam, wurde er wie ein König empfangen: Die Menschen jubelten ihm zu, als er auf einem Esel in die Stadt geritten kam. Sie haben ihn mit Palmenzweigen fröhlich begrüßt. Deswegen heißt der Sonntag vor Ostern übrigens noch heute Palmsonntag.

Keiner ahnte, wie diese Woche enden würde, die so fröhlich begonnen hatte. Nur Jesus wusste, was ihm bevorstand. Und deshalb verabschiedete er sich von seinen Freunden, seinen Jüngern.

Das war am Abend, bevor er gekreuzigt wurde. Er lud sie alle zum Essen ein und feierte mit ihnen das Abendmahl. Wisst ihr, wie viele Jünger es waren?

Er brach mit ihnen das Brot und teilte Wein aus. Und er sagte ihnen, dass sie später auch gemeinsam das Abendmahl feiern sollten, um sich an Jesus zu erinnern. Deswegen feiern wir auch heute noch das Abendmahl – sonntags im Gottesdienst, aber auch am Gründonnerstag, dem letzten Donnerstag vor Ostern.

Aber Jesus sagte seinen Jüngern am Tisch noch etwas anderes: Er sagte zu ihnen: "Einer von euch wird mich verraten." Wer von den Jüngern könnte es sein? Das haben sich die Jünger natürlich auch gefragt. Nur Jesus wusste Bescheid – und Judas. Er hat Jesus dann wirklich verraten und den Hohepriestern gesagt, wo er ist. Er hat sie direkt zu Jesus in den Garten Gethsemane geführt.

Dann ging alles ziemlich schnell: Jesus wurde gefangen genommen, verhört und verurteilt. Die Leute verspotteten ihn. Er musste das Kreuz allein nach Golgatha tragen, auf den Berg, auf dem er zwischen zwei Mördern dann gekreuzigt wurde.

Nun war Jesus also tot. Seine Freunde waren traurig und verzweifelt. Denn das Leben hatte für sie plötzlich gar keinen Sinn mehr. Gerade noch hatte Jesus mit ihnen das Brot geteilt – und nun war er tot!

Kein Wunder, dass es die meisten von ihnen nicht glauben konnten, dass Jesus am Ostersonntag wieder lebte. Doch als ihn einige von ihnen mit eigenen Augen gesehen hatten, verbreitete sich die freudige Nachricht rasend schnell: Jesus lebt! "Er ist wahrhaftig auferstanden!" Deswegen feiern wir Ostern auch heute noch – fast 2.000 Jahre später und auf der ganzen Welt – sogar hier in Heinersdorf. Und wir alle dürfen mitfeiern!

Uwe Müller

Ungewohnte Klänge auf einer kaputten Orgel

OTON-Festival für zeitgenössische Orgelmusik: 24. März, 19.30 Uhr

Im Rahmen eines Festivals für Neue und Neueste Musik (www.otonfestival.org), das der Organist und Musiker Florian Nadvornik begründet hat und organisiert, wird auch ein Konzert in unserer Heinersdorfer Kirche stattfinden.

Die große Heinersdorfer Orgel kann seit dem 4. Advent letzten Jahres auch wegen des Kälteeinbruches nicht mehr für die Liedbegleitung im Gottesdienst gespielt werden. Eine Restaurierung ist also dringend notwendig, auch wenn für die Gottesdienste noch die kleine Schuke-Orgel im Altarraum zur Verfügung steht.

Die große Schuke-Orgel ist aber nicht stumm. Auch in dem kaputten Zustand vermag sie erstaunliche Töne hervorzubringen. Plötzliche Heuler. Der Ton hört nicht auf, wenn die Taste nicht mehr gedrückt ist. Pfeifen klingen, die gar nicht angespielt wurden, und vieles mehr. Ein beeindruckender Raumklang, der mich an Neue und Aktuelle Musik erinnerte.

So entstand mir die Idee, einen Organisten und Komponisten Neuer Musik einzuladen, an einem Abend mit diesem Instrument zu arbeiten, um uns ganz neue Klangerfahrungen zu vermitteln und auch dadurch in dem Entschluss zu bestärken, dieses wunderbare historische Instrument zu restaurieren. Herr Nadvornik hat möglich gemacht, dass der unter Kennern Neuer Musik bekannte Komponist und Organist Dominik Susteck zu uns kommt.

Wir freuen uns darüber und sind dafür dankbar. Wir wollen diesen Abend auch als Benefizkonzert für die Restaurierung unserer Orgel verstehen. Es wird sicher ein ungewöhnlicher Abend, der wohl ganz andere Klänge zu hören bringt als man es normalerweise bei einem Orgelkonzert und bei einem Konzert klassischer Musik gewohnt ist. Alle, die sich auf diese Hörerfahrung Neuer Musik einlassen möchten, laden wir ganz herzlich ein am Donnerstag, den 24. März 2011 um 19.30 Uhr. Auch wer nicht an diesem Abend kommt, kann die Restaurierung unserer Schuke-Orgel durch eine Spende unterstützen.

Pfarrer Andreas G. Kaehler

Aus dem Gemeindeleben

In loser Abfolge werden im Gemeindeblatt einzelne Veranstaltungen bzw. Kreise der Gemeinde vorgestellt. Damit soll nicht nur über das Gemeindeleben informiert, sondern gleichzeitig auch eingeladen werden. Schauen Sie doch mal vorbei!

Bibelkreis, Bibelstunde

Wer stieße nicht beim gelegentlichen oder täglichen Bibellesen mehr oder weniger häufig auf Stellen oder Verse, die ihm unbekannt, die im Sechsjahresrhythmus der Predigtexte nicht enthalten oder unverständlich sind. Man kann die häufig aus dem Zusammenhang gerissenen Stellen, wie z. B. bei Losungen, überlesen oder schriftliche Hilfsmittel zur Hand nehmen. In Gemeinschaft, unter Beteiligung eines Fachmannes, jedoch darüber zu sprechen ist nicht nur spannend, sondern vermittelt so manches Aha-Erlebnis. Auch Bibelstellen, die man seit vielen Jahren kennt und zu verstehen meint, können sich dabei als Fundgruben mit ganz neuen Aspekten des Glaubens erweisen und im Zusammenhang mit anderen Texten zum allgemeinen Verständnis beitragen.

Themen in den letzten Jahren waren neben aktuellen Fragen der Römerbrief, andere Paulusbriefe, Gleichnisse und Erzählungen Jesu und die Jona-Geschichte aus dem Alten Testament. Jeder der Beteiligten ist bemüht, keine der Stunden zu verpassen, um den Zusammenhang nicht zu verlieren, aber auch Quereinsteiger können sich gut in die Themen "einschwingen". Jeden 1.und 3. Dienstag im Monat, 19.30 Uhr, im kleinen Gemeindesaal.

Regine Witkowski

Weltgebetstag 2011

Am Freitag dem 4. März feiern wir um 19.30 Uhr im Heinersdorfer Gemeindesaal den Weltgebetstag.

Lieder und Gebete diese Gottesdienstes haben Frauen aus Chile vorbereitet. Wir hören von der überwältigenden landschaftlichen Schönheit Chiles mit fruchtbaren Böden und reichen Wäldern, aber auch von der ungleichen Verteilung der Güter und der wachsenden materiellen Gier.

Das Motto der diesjährigen Weltgebetstagsordnung ist die Frage Jesu: "Wie viele Brote habt ihr?", und sie richtet sich heute an uns. Alle Menschen dieser Erde sollen menschenwürdig und gut miteinander leben können.

Zu dem Gottesdienst, der wieder von Frauen aus der Gemeinde vorbereitet und gestaltet wird, laden wir herzlich ein.

Gisela Nowitzki

Das gestickte Titelbild für den Weltgebetstag 2011 wurde in der
Kunsthandwerkgemeinschaft im chilenischen Dorf Copiulemu hergestellt.

Neuer Kirchenführer erschienen

Hans-Joachim Beeskow
Die Kirchen im Evangelischen Kirchenkreis Berlin Nord-Ost,
mit einem Geleitwort von Superintendent Martin Kirchner
Heimatverlag Lübben 2010, broschiert, 309 Seiten

Erfahrungsgemäß erschließt sich dem Betrachter ein Bauwerk bzw. ein Kunstwerk erst richtig, wenn er geleitet und auf Besonderheiten hingewiesen wird. In diesem Sinne kann das vom Kirchenkreis herausgegebene Büchlein ein Begleiter sein und zu manchen Überraschungen und Schätzen führen. Der 2008 durch Fusion aus den Kirchenkreisen Pankow, Wedding und Weißensee entstandene Kirchenkreis Berlin Nord-Ost umfasst 44 Kirchgemeinden mit 60 Kirchenbauten.

Da die nördlichen Kirchenkreise über die Berliner Stadtgrenzen hinausreichen, sind auch Brandenburger Kirchen einbezogen Alle Epochen sind vertreten von der z. T. nur in Resten erhaltenen Romanik bis zur Moderne dieses und des vorigen Jahrhunderts. Natürlich ist auch Heinersdorf auf sechs Seiten beschrieben mit Erläuterungen zu Baugeschichte, Ausstattung, Orgel, Fenstern und Margaretensaal. Wussten alte Heinersdorfer das alles so genau?

Das Werk in seiner Ausführlichkeit, Vollständigkeit und Handlichkeit ist geeignet, auf Spaziergängen und Ausflügen in der Handtasche mitgenommen und bei Auftauchen eines Kirchengebäudes gezückt zu werden.

Regine Witkowski