Oktober / November 2010

Ernten – Danken – Feiern. Diese Wörter stecken im Namen des ersten Sonntags im Oktober, an dem wir traditionell das Erntedankfest begehen. Wer einen eigenen Garten hat oder Bäume, Sträucher oder Felder übers Jahr beobachtet, weiß, dass eine gute Ernte auch bei regelmäßiger Pflege nicht selbstverständlich ist. Dass wir trotzdem genug zu essen haben (auch wenn wir nicht mehr alles selbst ernten), ist ein Grund zur Dankbarkeit, der wir einmal im Jahr mit einem eigenen Fest besonderen Ausdruck verleihen. Dankbarkeit als Geisteshaltung ist auch in anderen Lebenslagen und in zwischenmenschlichen Beziehungen nicht schädlich – nicht nur weil sie unser Gegenüber und dessen Tun würdigt. Sie lässt auch uns selbst bewusster durchs Leben gehen. Zum Erntedankfest können wir Gott für die uns geschenkte Vielfalt und Fülle danken und uns den Wert der Schöpfung und unseren Wohlstand bewusst machen. Grund genug zum Feiern! Und wir können auch an diejenigen denken, denen es nicht gut geht – sei es weil sie unter Missernten oder anderen Naturereignissen wie in Pakistan oder Russland oder unter anderer Not leiden. Wenn wir von dem Überfluss, der uns geschenkt ist, abgeben, wecken wir nicht nur Dankbarkeit. Wir helfen auch mit, das Reich Gottes erblühen und Früchte tragen zu lassen. --um

Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan und niemand kann sie zuschließen.
Offenbarung 3,8, Monatsspruch Oktober

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde,

manchmal geht alles sehr schnell. Man geht aus dem Haus, dreht sich noch einmal um und schlägt die Tür zu. Doch dann bemerkt man, dass der Schlüssel in der Wohnung geblieben ist oder noch in der Tür steckt. Wenn keiner mehr in der Wohnung ist, der öffnen kann, wenn man klingelt, ist das ein Problem. "Die Tür ist zu, da kommt man ohne Schlüssel jetzt nicht mehr rein." Da hilft dann oft nur der Schlüsseldienst oder der Nachbar oder ein guter Freund, bei dem man einen Zweitschlüssel hinterlassen hat.

Viele haben eine solche Situation schon selbst erlebt. Oft haben mir Menschen bei Besuchen davon erzählt. Es fällt aber auch nicht jedem leicht, ein solches Malheur zuzugeben. Wie dem auch sei, (fast) jeder kennt diese Situation entweder aus eigenem Erleben oder weil ihm davon erzählt wurde oder aus einem Sketch aus dem Fernsehen. Es ist nicht schön, (unerwartet) vor einer geschlossenen Tür zu stehen. Auch dann, wenn man die Tür nicht selbst verschlossen hat. Da ist eine Tür ins Schloss gefallen. Der Zutritt wird einem verwehrt. Das alles sind geflügelte Worte. Aber sie klingen negativ.

Ein positives Bild dagegen ist es, von einer geöffneten Tür zu sprechen. Eine Tür wird uns aufgetan. Wir dürfen eintreten. Wir sind eingeladen und dürfen hineingehen. Dieses Bild findet sich in der Offenbarung des Johannes in dem Monatsspruch für den Oktober dieses Jahres: "Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan und niemand kann sie zuschließen." (Offenbarung 3, 8).

Hier wird uns eine Zusage gemacht. Dieser Monatsspruch ist ein Zitat aus den so genannten Sieben Sendschreiben in der Offenbarung. Der hier zitierte Brief richtet sich an die Gemeinde in Philadelphia. Es ist eine kleine Gemeinde. Eine Gemeinde, die vielen Bedrohungen ausgesetzt ist. Von den ersten Christenverfolgungen im antiken Römischen Reich war diese Gemeinde direkt betroffen. Aber sie hat sich nicht verunsichern lassen. Mit ihrer kleinen Kraft hat sie an dem Vertrauen zu Jesus Christus festgehalten. Diese kleine Gemeinde hat die Tür des Glaubens niemals zugeschlagen.

So wurde die Gemeinde in Philadelphia zum Vorbild für andere Gemeinden Jahrhunderte und Jahrtausende später. So lesen wir von ihr in der Offenbarung. Denn durch den Glauben öffnet Gott uns eine Tür für die Zukunft. Niemand kann diese Tür zumachen. Gott lädt uns ein als einzelne und als Gemeinde. So wie es in dem schönen Lied von Klaus Peter Hertzsch heißt: "Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit."

Ganz herzlich

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Rückblick auf gemeinsames Schauen im Margaretensaal

Für viele bleibt es ein Fremdwort: public viewing – gemeinsames Schauen. Gemeint ist damit, wenn in unserem Gemeindebrief davon die Rede ist, die Möglichkeit, Spiele der Fußball-WM in Kirchengemeinden auf einer großen Leinwand zu zeigen. Zum ersten Mal hatte die EKD das 2006 möglich gemacht. Danach wurden die Übertragungsrechte den Kirchengemeinden auch zur EM 2008 zur Verfügung gestellt. Beide Gelegenheiten hatten wir in Heinersdorf genutzt und die Spiele im Margaretensaal gezeigt.

Nun blicken wir auf die Übertragung der WM im letzten Sommer zurück. Inzwischen wird an vielen Orten eine Leinwand aufgestellt.

Die Konkurrenz ist also größer geworden. Es bleibt aber etwas Besonderes, Fußballspiele in einer Kirchengemeinde zu sehen. Kinder sind hier gerne willkommen. Es werden keine blöden Parolen gebrüllt, die den Gegner niedermachen.

Fussball im Margaretensaal
Fußball im Margaretensaal: Das entscheidende Gruppenspiel am 23. Juni
kurz bevor Mesut Özil mit seinem Siegtreffer das deutsche Team ins Achtelfinale schoss

Es ist die Gelegenheit zu Gesprächen da, und es bleibt die Einsicht, dass Fußball – bei aller Begeisterung – doch nur eine Nebensache ist. Es war eine schöne Zeit im Margaretensaal. Es bleibt mir, allen zu danken, die zum Gelingen beigetragen haben. Besonders erwähnen möchte ich hier Familie Formum, Familie Mike Wittstock, Herrn Steinbrück und Herrn Frank Röder, der uns bereits 2006 eine Leinwand zur Verfügung gestellt hatte.

So freuen wir uns auf die nächsten Gelegenheiten zum public viewing. Die nächste EM oder WM kommt bestimmt, und es wäre schön, wenn sich dann wieder so viele einladen lassen.

Andreas G. Kaehler

Seligpreisungen

Wir kennen alle die Seligpreisungen Jesu aus der Bergpredigt. "Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen", um nur eine herauszunehmen. Eine moderne Meditation nach einer Vorlage von M. Bender hat uns während der Fußballweltmeisterschaft begleitet.

Selig sind; glücklich,
   wer seinen Sieg dankbar feiert,
   ihn annimmt wie ein Geschenk.

Selig sind; glücklich,
   wer verlieren kann,
   ohne den Kopf zu verlieren.

Selig sind; glücklich,
   wer im Sport und Spiel
   und im Leben
   Freiheit spürt.

Selig sind; glücklich,
   wer sich ganz einsetzen kann,
   ohne sich in Ehrgeiz zu verzehren.

Selig sind; glücklich,
   wer ein gutes Team erlebt
   beim Spiel und im Leben.

Selig sind; glücklich,
   wer im anderen immer den Menschen sieht,
   den Bruder, die Schwester,
   nicht (nur) den Gegner oder Konkurrenten.

Selig sind; glücklich,
   wer sich erholen kann bei Sport und Spiel
   und Zeit zur Ruhe findet.

Selig sind; glücklich,
   wer beim Training des Körpers
   und beim Lernen
   die Seele nicht vergisst.

Selig sind; glücklich,
   wer mit Körper und Geist,
   wer mit Leib und Seele
   Gott, den Schöpfer lobt.

Mit Liebe schenken, Freude bereiten! Durch die Aktion "Weihnachten im Schuhkarton"

"Weihnachten im Schuhkarton" ist ein Projekt des Vereins "Geschenke der Hoffnung e. V.", der in Berlin seinen Sitz hat. Diese internationale Aktion will Kindern in schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen eine Weihnachtsfreude bringen. Sie leben in Heimen, Krankenhäusern, Flüchtlingslagern, Slums oder in sozial schwachen Familien. Daran beteiligen sich neben Deutschland, Österreich und der Schweiz auch Großbritannien, Irland, die Niederlande, Finnland, die USA, Kanada und Australien. Um Transportwege möglichst kurz zu halten, gehen die Weihnachtspäckchen aus dem deutschsprachigen Raum vor allem nach Ost- und Südosteuropa.

Bald ist es wieder soweit: Bereits zum fünfzehnten Mal bringt "Weihnachten im Schuhkarton" in diesem Jahr Not leidenden Kindern ein liebevolles Weihnachtsgeschenk. Im vergangenen Jahr gingen aus Deutschland 501.645 Weihnachtspäckchen auf die Reise. 2.731 davon kamen aus meiner Sammelstelle, die diesmal bereits zum zwölften Mal in meinem Wohnhaus eingerichtet sein wird. Machen Sie in diesem Jahr mit! Packen Sie für einen kleinen, bedürftigen Menschen einen schönen Schuhkarton, gefüllt mit nützlichen Geschenken! Aufgrund strenger Einfuhr- und Zollbestimmungen der Empfängerländer dürfen nur neue Waren und keine geliermittelhaltigen Süßigkeiten wie Gummibärchen importiert werden, auch keine Lebensmittel (z. B. Kekse, Kuchen, Nudeln). Trotzdem ist Schenken ganz einfach: Nehmen Sie einen leeren Schuhkarton – bitte keinen Stiefelkarton. Sie können ihn mit Geschenkpapier bekleben, Schachtel und Deckel getrennt. Legen Sie Spielsachen, Bekleidung, Schulsachen, Hygieneartikel (r bitte keine flüssigen oder parfümierten Artikel wie Seife, Shampoo, Duschbad) und Süßigkeiten (z. B. Bonbons, Lutscher, Kaugummis, Traubenzucker, Pfefferminz oder Vollmilchschokolade) in das Päckchen! Verschließen Sie bitte Ihren Schuhkarton mit einem Gummiband und geben ihn bis zum 15. 11. 2010 im Pfarramt Heinersdorf oder direkt in meiner Sammelstelle in Blankenburg ab (Mittelstraße 30, 13129 Berlin, Tel. 47 43 531, Öffnungszeiten im November: Mo, Mi, Fr 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung).

Mit freundlichen Grüßen aus Ihrer Sammelstelle

Anita Bernhard

Heinersdorfer Vorträge

Auch im Oktober und November laden wir wieder herzlich zu zwei Heinersdorfer Vorträgen ein.

Am Dienstag, dem 12. Oktober, spricht Frau Professor Dr. Claudia Näser über das Thema Aktuelle archäologische Forschung im Sudan: Funde am Nil von der Steinzeit bis in die Moderne.

"Adam kam aus Afrika". Tatsächlich gilt die Herkunft der Menschheit aus Nordostafrika als wissenschaftlich belegt. Frau Professor Näser wird in Wort und Bild berichten, was sie, ihre Mitarbeiter und Kollegen am Nil im Sudan, von dem in den letzten Jahren eher aus anderen Gründen häufig die Rede war, ausgegraben und gefunden haben: Von der Steinzeit vor 300.000 Jahren über die ägyptische und phönizische Epoche, die Spätantike und das christliche Mittelalter bis in die islamische Zeit.

Vier Wochen später, am Dienstag, dem 9. November, referiert Frau Dipl.-Phil. Brigitte Schrade über Georgien: Architektur, Malerei und Musik aus zwei Jahrtausenden.

Im Heinersdorfer Vortrag vom Februar war die Rede von der Geschichte des Christentums in Georgien, das zwei Jahre nach dem Konzil von Nicäa 327 zur Staatsreligion und Ausgangspunkt für die Autocephale Orthodoxe Georgische Apostelkirche wurde. Nach Armenien ist Georgien somit der zweitälteste christliche Staat, der heute noch existiert. Ausgespart wurde im Februar, was diese lange Geschichte mit frühzeitiger Bibelübersetzung und eigenem Alphabet für die Kunstgeschichte bedeutet. Das Ehepaar Schrade ist dabei, die Schätze an alter Malerei und Architektur und der mit dem Titel Weltkulturerbe UNO versehenen uralten Musik- und Tanztradition des Landes zu heben und Interessierten zugängig zu machen. Wir werden also nicht nur spannende Fotos sehen, sondern auch Proben der bis in die vorrömische Zeit zurückgehenden Gesangs- und Instrumentalkunst Georgiens zu hören bekommen.

Die Vorträge beginnen jeweils um 19.30 Uhr und finden im Margaretensaal statt. Der Eintritt ist frei.

Regine Witkowski

Aus dem Gemeindeleben

Beginnend mit diesem Heft sollen einzelne Veranstaltungen bzw. Kreise der Gemeinde dargestellt werden, um damit potentiell Interessierte zu informieren und auch einzuladen.

Frauenkreis

Jeweils am 1. und 3. Donnerstag um 14 Uhr gesellige Zusammenkunft älterer Frauen bei Gesprächen, Kaffee/Tee und Kuchen mit Herrn Pfarrer Kaehler und/oder Frau Döhle. Es gibt die Behandlung eines Textes und gegenseitigen Austausch über Alltagsfragen. Die Teilnehmerinnen, vor allem auch solche, die wegen nachlassendem Hörvermögen und Beschwerlichkeit des Weges nur noch selten zum Gottesdienst kommen können, haben auf diese Weise Gelegenheit, am Leben der Gemeinde teilzunehmen, sich gegenseitig bzw. alte Bekannte aller zwei Wochen wiederzusehen und miteinander zu plaudern. Sie werden mit dem Auto von zu Hause abgeholt und wieder nach Hause gebracht. Herzliche Einladung an alle. Weitere Informationen gibt es bei Frau Döhle.

Partnerschaftswochenende

Seit fast 50 Jahren besteht die Gemeindepartnerschaft zwischen der Wicherngemeinde in Bad Oeynhausen und unserer Heinersdorfer Gemeinde. Und seit vor mehr als 20 Jahren die Mauer fiel, gibt es jährlich ein Partnerschaftswochenende, zu dem sich Gemeindeglieder beider Seiten gegenseitig besuchen.

Nachdem die Oeynhauser 2009 mit einer Gruppe in Berlin waren, dürfen wir nun vom 12. bis 14. November wieder Gäste der Wicherngemeinde sein. Dazu laden wir herzlich ein – gerade auch all jene, die bisher nicht mit dabei waren. Uns erwartet ein spannendes Programm mit einem Besuch im Herzzentrum und vielen interessanten Begegnungen. Wir fahren mit dem Zug und übernachten in Privatquartieren. Wer mitkommen möchte, melde sich bitte bis spätestens 20. Oktober im Pfarramt oder direkt bei Uwe Müller an.

Partnerschaften zwischen Gemeinden in Ost und West wurden nach dem Mauerbau 1961 mit dem Ziel geschlossen, den Kontakt der getrennten Kirchen aufrechtzuerhalten und die östlichen Gemeinden zu unterstützen. Vor der Wende gelang das ziemlich ungleichgewichtig. Besuche konnten nur von West nach Ost erfolgen. Unsere Partnergemeinde nahm diese Möglichkeiten von Anfang an wahr, getragen zunächst vor allem durch die Chöre auf beiden Seiten. Auch brachte sie regelmäßig hilfreiche Geld- und andere Spenden auf.