Juli / August / September 2010

Sie sind die krönende Zierde fast jedes Kirchengebäudes, oftmals hoch oben in Türmen angebracht, von wo aus sie weithin hörbar ertönen: Glocken. Seit jeher haben sie regelmäßige wie besondere Ereignisse verkündet, haben die Stunde geschlagen, zum Gebet und zur Arbeit gerufen, das Tagwerk beendet, Freud und Leid bezeugt, vor drohender Gefahr gewarnt. Sie zu läuten, war mit körperlicher Arbeit verbunden, ihre Herstellung ist eine geachtete Kunst. Vielfach wurden sie mit großen Umzügen an ihren Bestimmungsort gebracht, bevor sie feierlich geweiht wurden. Auch wenn sie als Zeitgeber nicht mehr notwendig sind, gehören Glocken noch heute zum Leben dazu.

So laden die drei Heinersdorfer Glocken nicht nur zum sonntäglichen Gottesdienst ein. Die Stundenglocke schlägt zu jeder vollen und halben Stunde, und dank automatischer Steuerung ist seit einigen Jahren mittags und abends auch das Angelusläuten wieder zu hören. Doch auch Glocken leben nicht ewig. Schon ein einziger Sprung verdirbt ihren Klang. Und in der Vergangenheit wurden viele Glocken zur Waffenherstellung eingeschmolzen. Die Heinersdorfer Glocken sind diesem Schicksal in beiden Weltkriegen entgangen. Wie zur Mahnung steht dieses unbrauchbare Exemplar auf dem Pfarrhof hinter der Kirche. --um

So bekehre dich zu deinem Gott, halte fest an Barmherzigkeit und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!
Hosea 12,7, Monatsspruch Juli

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde,

zu Beginn eines neuen Jahres sind wir gewohnt, von guten Vorsätzen zu reden. Was soll anders werden im neuen Jahr? Was wünsche ich mir? Für mich selbst, für die Familie, für den Beruf, für meine Freunde, für meine Nachbarn?

Auf den ersten Blick klingen solche Fragen mitten im Sommer merkwürdig. Aber sind das nicht genau die richtigen Fragen für die Urlaubszeit? Wenn Zeit ist durchzuatmen, Pause zu machen und sich zu erholen. Wenn man den Alltagsstress zurücklassen kann, dann könnte man die Gelegenheit dazu nutzen, über grundsätzliche Dinge nachzudenken. Dazu gehört auch der christliche Glaube. Sich Zeit zu nehmen, mal die Bibel aufzuschlagen, eine Kirche am Urlaubsort zu besuchen und über Fragen des Lebens nachzudenken. So wie schon der Sonntag zu Hause Gelegenheit bietet zu Ruhe, Stille, gemeinsame Zeit mit der Familie und auch den Besuch des Gottesdienstes, sind auch die Urlaubstage eine besondere Einladung.

Mir ist bewusst, dass dies selbst im Urlaub nicht leicht ist. Deswegen gibt es die Initiative, dieses Jahr 2010 als Jahr der Stille zu begehen. Wer gerne einen Computer benutzt, kann dazu im Internet auf der Seite www.jahrderstille.de hereinschauen.

Aber um zur Ruhe zu kommen, braucht man natürlich keinen Computer. Anregungen können aber eine Hilfe sein. In folgenden Formulierungen drückt sich die Schwierigkeit aus: "Stille ist etwas Gutes. Aber wir kommen so selten dazu." Oder: "Eigentlich sind wir dafür. Aber insgeheim laufen wir davor weg." Sich neu erinnern lassen kann man auch durch Bibelverse, wie zum Beispiel den Monatsspruch für den Juli dieses Jahres: "So bekehre dich zu deinem Gott, halte fest an Barmherzigkeit und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!" (Hosea 12,7). Eine Interessante Ermunterung, die Gutes bewirken kann.

Wenn man sich Gott zuwendet, hat das auch Auswirkungen auf den Umgang mit anderen Menschen. Sich barmherziger gegenüber seinen Mitmenschen zu verhalten, verbessert das Miteinander. Man entdeckt vielleicht eine neue Gelassenheit. Und mit dieser neu entdeckten Milde ist es dann auch ein Gewinn, sich für Gerechtigkeit einzusetzen. Und von der christlichen Hoffnung dürfen wir uns im Alltag und im Urlaub getragen wissen.

So gibt es viel zu entdecken in der Sommerzeit. Denn nicht nur für 2010 gilt: "Arbeit und Stille gehören zusammen. Aber oft regieren nur Hektik und Stress." So wünscht Ihnen eine erholsame und gesegnete Sommer- und Urlaubszeit

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Philipp Melanchton

Am 19. April 2010 gedenken wir des 450. Todestages des Reformators Philipp Melanchthon, der am 16. Februar 1497 als Philipp Schwartzerdt in Bretten bei Karlsruhe geboren wird. Sein Vater und sein Großvater sterben 1508. Philipp wird daraufhin als Elfjähriger in das Haus seiner Großmutter Elisabeth Reuchlin nach Pforzheim gebracht. Dort besucht er die Lateinschule.

Johann Reuchlin – der Bruder seiner Großmutter – förderte Philipp und verleiht ihm den Humanistennamen "Melanchthon" – eine griechische Umsetzung des Geburtsnamens Schwartzerdt.

Zwölfjährig bezieht Philipp Melanchthon bereits die Universität in Heidelberg und ab 1512 die Universität Tübingen.

Melanchton

Er studiert Griechisch, Hebräisch, Latein, Astronomie, Musik, Arithmetik und Geometrie. In Tübingen promoviert er mit 21 Jahren zum "Doktor der Philosophie". 1518 geht er nach Wittenberg. In seiner Antrittsrede als Universitätslehrer spricht er sich für eine Universitäts- und Bildungsreform aus. Ab 1523/24 führt er als Rektor der Universität eine neue Studienordnung ein.

Sein bedeutendes Wissen ermöglicht es ihm, Vorlesungen auf vielen Wissensgebieten zu halten. Er schreibt wichtige Lehrbücher über die Grammatik der lateinischen und griechischen Sprache sowie Abhandlungen über Ethik, Physik, Geschichte und Geographie. Schon zu Lebzeiten wird er als Praeceptor Germaniae (Lehrer der Deutschen) gepriesen. Melanchthon beteiligt sich an der Gründung von Schulen in Magdeburg, Eisleben und Nürnberg. Im Auftrage seines Kurfürsten kontrolliert er die Schulsituation und erarbeitet Vorschläge zum Abbau der Missstände.

In Wittenberg trifft er mit Martin Luther zusammen, der ihn für die beginnende Reformation der Kirche begeistert. Luther erkennt die Persönlichkeit Melanchthons für die Erneuerung der Kirche. In ihrer völlig unterschiedlichen Art zu arbeiten, zu sprechen und zu lehren ergänzen sich beide in ihren Stärken. 1529 übernimmt Melanchthon die Funktion des Verhandlungsführers der Reformation auf dem Reichstag zu Speyer, da Luther aus Sicherheitsgründen nicht persönlich teilnehmen kann.

Mit seinem Auftreten in den Religionsgesprächen in Marburg, Worms und Regensburg und seiner Haltung auf dem Augsburger Reichstag prägt Melanchthon entscheidend den Verlauf der Reformation.

Melanchthon verfasst ein umfangreiches Werk darunter insbesondere die "Leipziger Artikel".

Melanchthons Auftreten ist durch diplomatisches Geschick geprägt, dass er bei der Abfassung der "Torgauer Artikel", der Confessio Augustana (Augsburger Glaubensbekenntnis) sowie des Traktates über die "Gewalt und dem Primat des Papstes" beweist. Diese zählen zu den grundlegenden evangelischen Bekenntnisschriften, die maßgeblich zum Erfolg der Reformation beitragen.

Die Confession Augustana (CA) wird zur wichtigsten Bekenntnisschrift des Protestantismus. Sie hat eine große Bedeutung für das innerkirchliche und ökumenische Gespräch.

Mit Martin Luthers Tod fällt Melanchthon eine Führungsrolle im Protestantismus zu. Sein Anliegen ist es immer, die Reformation ohne Gewalt durchzusetzen, um die Einheit der Kirche zu ringen und das evangelische Erbe zu bewahren.

Nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 können die Auseinandersetzungen unter den unterschiedlichen Anhängern der Reformation nicht vollständig beseitigt werden, obwohl sich Melanchthon stets um Ausgleich bemüht. Mit 63 Jahren stirbt Philipp Melanchthon 1560, zermürbt von den langjährigen Kämpfen und ungerechten Anfeindungen. Sein Grab befindet sich in der Schlosskirche zu Wittenberg.

Gerhard Schröter

Kinderrüstzeit und Kinderkirchentag

Unsere Kinderrüstzeit fand dieses Jahr vom 11. bis 14. März in Ruhlsdorf statt. Das Thema lautete Vom Fremdsein und Vertrautwerden – Die Geschichte einer ausländischen Frau namens Rut.

Trotz des weniger schönen Wetters verbrachten 21 Kinder und drei Erwachsene gemeinsam mit sechs- bis zwölfjährigen Christenlehrekindern aus Blumberg und Ahrensfelde vier schöne Tage in dem kleinen Dorf.

Nach einer kleinen Einstiegs- und Ankommrunde beschäftigten wir uns von Donnerstag bis Samstag mit dem Thema. Dias zur Geschichte über Rut, Gespräche, Filme, Vertrauensspiele, Lieder ... All das und vieles mehr konnte man in unseren Räumen sehen und finden.

Den Höhepunkt gab es dann am Sonntag in der kleinen Dorfkirche. Wir bereicherten den Gottesdienst mit unseren Gitarren und dem Vor- bzw. Mitsingen unsere Rüstzeit-Lieder. Unsere ehemalige Vikarin, Karina Nippe, arbeitet nun als Pfarrerin, u. a. in Ruhlsdorf, und wir nahmen Kontakt zu ihr auf, was jedoch sehr spontan ablief. Ein Mitwirken im Gottesdienst entstammte einer Unterhaltung...

Leider vergingen die Tage wie im Flug, aber ich freue mich schon auf die Rüstzeit im nächsten Jahr!

Am Mittwoch, dem 19. Mai, luden die Katechetinnen und Katecheten des ehemalige Kirchenkreises Weißensee zum gemeinsamen Kinderkirchentag nach Weißensee ein. Das Thema in diesem Jahr lautete Wo sich Himmel und Erde berühren.

Zu 13.30 Uhr trafen sich etwa 50 bis 60 Christenlehrekinder aus Weißensee, Blumberg, Ahrensfelde, Hohenschönhausen, Wartenberg, Malchow und Heinersdorf in der kleinen Pfarrkirche an der Berliner Allee. Nach einem kleinen Mittagessen im Freien begann der Nachmittag in der Kirche.

Unsere Kreiskatechetin Frau Guhl begrüßte zunächst alle Kinder, anschließend hatte unser Kirchenclown Leo seinen großen Auftritt. Er schaffte dann den Übergang zu den Angeboten, an welchen die Kinder dann freiwillig teilnehmen konnten: Musikinstrumente (Harfen) und Flugzeuge basteln, Malen, Entspannungsübungen erlernen, Sportspiele, ein Himmel-Quiz und einiges mehr waren zu finden. Gegen 17 Uhr endete der Nachmittag mit allen Eltern, Großeltern und Kindern in der Pfarrkirche.

Unter Gottes Segen gingen alle glücklich und reich an Gebasteltem wieder nach Hause.

Doreen Kohlstock