Februar / März 2010

Mit der Fastnacht hat sie ihren unvermeidlichen Höhepunkt erreicht – die gern so bezeichnete fünfte Jahreszeit: Der Karneval, in hiesigen Landstrichen auch Fasching genannt. Während der närrischen Tage geht's vielerorten drunter und drüber, lässt sich's bequem dem Alltag ent- und in ungewohnte Rollen hineinschlüpfen, werden unumstößliche Regeln außer Kraft gesetzt. Auch wenn dieses jährliche Ritual kaum an ein christliches Fest erinnern kann, ist es doch eng mit dem kirchlichen Kalender verknüpft. Nicht zufällig finden sich die traditionellen Karnevalshochburgen ja in katholisch geprägten Regionen. Rosenmontag und Fastnacht liegen immer zwischen den Sonntagen Estomihi und Invokavit und damit knapp sieben Wochen vor Ostern. Und am Aschermittwoch ist nicht nur alles vorbei, was mit Fasching zu tun hat. Gleichzeitig beginnt traditionell die Fastenzeit. Um die einstmals entbehrungsreichen Wochen zu überstehen (carne vale = Fleisch, lebe wohl!), wurde vorab noch mal die sprichwörtliche Sau heraus gelassen. Auch wenn das Fasten im traditionellen Sinn dank Reformation in unserer Kirche kaum mehr Bedeutung hat, lädt die vorösterliche Passionszeit auch uns zu Einkehr und Besinnung ein, zum Überprüfen eingespielter Gewohnheiten und Abhängigkeiten. Wer bewusst verzichtet oder entbehrt, übt loslassen, schafft Platz für neues und kann manches im Leben in anderem Licht sehen. Und außerdem ist Fasten eine gute Gelegenheit, sich der eigenen Willensstärke und Selbstbestimmtheit zu vergewissern. Probieren Sie's! --um

Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!
Johannes 14, 1, Jahreslosung 2010

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde,

zu Beginn des neuen Jahres ändert sich jeweils die Jahreszahl, die bei der Datumsangabe hinzugefügt wird. Wie die meisten haben Sie sich sicher schon längst daran gewöhnt. Anders als sonst hat sich aber nicht nur eine Ziffer geändert, sondern zwei Ziffern sind nun neu. Das passiert immer dann, wenn ein neues Jahrzehnt beginnt. Die sogenannten Nuller Jahre haben wir hinter uns gelassen. Zwanzig-zehn hat nun begonnen. Diese Formulierung ist 2003 bekannt geworden als Ausdruck für ein Reformprogramm der damaligen Bundesregierung, was seiner Zeit nicht unumstritten war und worüber auch heute noch diskutiert wird.

Trotzdem wird die Zahl Zwanzig-zehn jetzt, wo wir in diesem Jahr angekommen sind, vermutlich nicht mehr als Symbol für Zukunftskonzepte empfunden.

Die Frage, was das neue Jahrzehnt uns bringen wird, ist dennoch sehr berechtigt. Sind wir eher unsicher oder schauen wir optimistisch auf die Jahre, die vor uns liegen? Die Jahreslosung für 2010 scheint diese Fragen aufzunehmen: "Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!" (Johannes 14, 1)

Das ist ein schönes Motto für ein neues Jahrzehnt. Die Angst, die wir manchmal vor der Zukunft haben, wird ernst genommen. Jesus tröstet uns. Euer Herz erschrecke nicht! Wir brauchen keine Angst zu haben. Zuversichtlich können wir in die Zukunft blicken. Aus der Erfahrung wissen wir allerdings, dass es gar nicht so leicht ist, in brenzligen Situationen, nicht zu erschrecken. Manchmal haben wir einfach Angst. Trotz der vielen Ratgeber auf dem Büchermarkt stoßen wir selten auf Patentrezepte, die wirklich funktionieren. Jesus zeigt aber einen Weg auf, der erfolgversprechend ist. Durch Glauben kann das gelingen. Jesus wird hier konkreter. Der Glaube bleibt hier nicht im Ungewissen und Ungefähren. Glaubt an Gott und glaubt an ihn. Beides gehört zusammen und kann nicht voneinander getrennt werden. Denn in Jesus erkennen wir, wie gut Gott es mit uns meint. Jesus ist in unsere Welt gekommen. An Weihnachten haben wir das ja gefeiert. Gott lässt uns nicht allein in dieser Welt. Darauf dürfen wir uns verlassen. Und so dürfen wir zuversichtlich durch das neue Jahrzehnt gehen, das nun begonnen hat. So wünsche Ihnen allen auch ein gesegnetes Jahr 2010.

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Georgien und seine wiedererstandene evangelisch-lutherische Kirche
Zum Heinersdorfer Vortrag am 9. Februar 2010

"Heute verabschiede ich mich, wir werden uns hier nicht mehr treffen, meine Frau und ich haben unser Haus und alles verkauft und werden von dem Geld in Georgien eine Kirche bauen und eine Gemeinde gründen und ich werde ihr Pfarrer sein." Mit diesen Worten verblüffte mich ein Theologie-Professor aus Saarbrücken, den ich jährlich auf einer Sitzung traf und der immer geduldig meine Fragen zur Frühgeschichte beantwortet hatte. Das klang aufregend frühchristlich-paulinisch und auch ein wenig nach Albert Schweitzer, nur dass hier vordergründig auch die Frau erwähnt wurde. Georgien oder russisch Grusinien, ein Land, das schon die Phantasie der alten Griechen und Römer erregt hatte, von dem die Deutschen – vor allem die Ostdeutschen – nur die Sonnenseite in Form der sowjetischen Ferienorte Sotschi und Batumi am Schwarzen Meer kennen, aus dem Stalin kam und auch Schewardnadze, über das im Laufe der Geschichte aus allen Himmelsrichtungen Heerscharen gezogen sind. Das alles einschließlich der letzten Kriege hat furchtbare Spuren hinterlassen, was ein Kollege, der im vorigen Jahr als Ornithologe in das zudem noch weitgehend isolierte Kaukasusland fuhr erschüttert schreibt "... Man möchte manchmal heulen vor lauter Elend. Hier leben viele Menschen ich weiß nicht von was. Die staatliche Rente beträgt 18 €. Überall kleine gebeugte Mütterchen, die einem Taschentücher, Zigaretten Sonnenblumenkerne oder alte sowjetische Schulbücher auf einem Pappkarton vor sich zu verkaufen suchen, ein Müll überall und die zertrümmerten Häuser... Diesen Teil der Welt hat der liebe Gott wohl schon lange vergessen... Wer immer dieses Land besucht, muss Russisch können, die Sprache des verhassten großen Nachbarn ist hier fast der einzige Draht zu Menschen außerhalb des Landes. Man kann es sich kaum erklären, aber die Menschen hier sind wohl schon seit Jahrzehnten auch um jedes kleine bisschen Glück und Zuversicht gebracht worden..." Seit dem Abschied 1995 hatte ich kaum etwas hören können über das, was damals mit so viel Enthusiasmus und Hoffnung begonnen wurde – bis zu unserem gemeinsamen Gemeindefest mit dem Gustav-Adolf-Werk. Herr Pfarrer von Löwenich half mir mit Adressen weiter, so konnte ich mit Freude erfahren, was aus den damaligen Kirchenbauplänen und der Gemeindegründung geworden ist. Das und der historische Hintergrund dazu in einem Land, das noch bis 2006 auf der internationalen Liste der Länder, in denen Religionsfreiheit am wenigsten gewährleistet ist, stand, sollen in dem Heinersdorfer Vortrag im Februar berichtet und mit Bildmaterial belegt werden.

Regine Witkowski