September / Oktober / November 2009

Vor 20 Jahren bekam der eiserne Vorhang, der Deutschland und Europa jahrzehntelang in zwei Blöcke geteilt hatte, Löcher und Risse, bevor im November 1989 die Berliner Mauer fiel. Auch wenn heute selbstverständlich ist, dass wir in einem ungeteilten und freien Land leben: Wer die Wende in der DDR miterlebt hat, weiß um das Wunder dieser fast unglaublichen Geschichte, die sich ebenso unerwartet wie atemberaubend mitten unter uns zugetragen hat. Gerade für Menschen in der Kirche, für die der Alltag in der DDR oft innere Emigration bedeutete, war der Mauerfall ein Befreiungsschlag ohne Gleichen. Und die Kirchen waren es auch, die diese Befreiung wesentlich beförderten, weil sie vor allem in den Wendejahren Raum für freies Denken und Handeln boten und weil viele Christenmenschen selbst gesellschaftliche Verantwortung übernahmen. Damals gelang, was in der Kirche sonst manchmal schwerzufallen scheint – sie entsprach ihrem ursprünglichen, ihrem christlichen Auftrag: Der Befreiung zum Leben. Mauern und Unfreiheit gibt es auch heute noch. Sie werden gehegt und gepflegt oder ganz neu errichtet – weltweit, aber auch um uns und zwischen uns. Wenn wir uns in diesen Tagen an den Fall der Mauer und an die Rolle der Kirche erinnern – und wir tun dies auch in unserer Gemeinde – dann sollten wir diese heutigen Mauern nicht vergessen und uns unserer Rolle und unseres Auftrages vergewissern. --um

Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.
Lukas 12, 34, Monatsspruch September

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde,

erinnern Sie sich an eine spannende Geschichte aus Ihrer Kindheit? An ein Kinderbuch, an ein Märchen oder etwas, das Erwachsene Ihnen vorgelesen haben? Vielleicht haben Sie ja selbst schon Mal – dem Fernsehangebot zum Trotz – Kindern etwas vorgelesen?

Manche Geschichten handeln davon, dass irgendwo ein Schatz vergraben ist. Wer hat eigentlich noch nie davon geträumt, einen Schatz zu finden. Erzählungen, in denen jemand plötzlich vor einer Schatzkiste steht oder unerwartet zu Reichtum kommt, haben einen besonderen Reiz. Immer wieder mache ich die Erfahrung, dass Kinder spannende Geschichten mögen.

In manchen Märchen findet sich am Schluss ein Schatz oder großer Reichtum. Selbst Sterntaler ist am Ende wohlhabend.

Was ist eigentlich Ihre Lieblingsgeschichte? Kommt da auch ein Schatz vor oder winkt am Ende der große Reichtum? Nicht erst seit der großen Bankenkrise haben wir begonnen, solche Erfolgsgeschichten kritischer zu sehen. Ein großes Vermögen kann sich schnell in (fast) nichts auflösen. Und deutlich wird immer wieder, dass mit einem großen Schatzfund längst nicht alle Probleme gelöst sind. Und beständig sind solche Reichtümer auch nicht.

Der Monatsspruch für September will aber nicht allein auf die Vergänglichkeit materieller Dinge hinweisen, sondern auch eine andere Problematik aufnehmen: "Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz." (Lukas 12, 34)

An Schätze hängen wir Menschen schnell unser Herz. Deswegen kommt es darauf an, was wir uns als Schatz aussuchen. Zum Schwerpunkt des Lebens kann sonst schnell die Geldbörse oder der Aktienkurs werden. Gewiss brauchen wir Geld, um leben zu können. Aber der Mensch lebt nicht vom Brot (vom Geld) allein. Den größten Schatz, den wir finden können, finden wir im christlichen Glauben. Jesus Christus lädt uns zu dieser – etwas anderen – Schatzsuche ein. In Märchen und Abenteuergeschichten hört man selten davon, in der Bibel allerdings umso häufiger. Diesen Schatz kann niemand stehlen, Motten können ihn nicht zerfressen und Börsenkurse können ihm auch nichts anhaben. Es lohnt sich deswegen, wenn wir uns auf den Schatz hinweisen lassen, den wir in Jesus Christus finden. Es grüßt Sie ganz herzlich

Pfarrer Andreas G. Kaehler

Weihnachten im Schuhkarton – machen Sie mit!

Bald ist es wieder soweit: Bereits zum vierzehnten Mal will die Aktion Weihnachten im Schuhkarton Not leidenden Kindern in den Krisengebieten dieser Welt ein liebevolles Weihnachtsgeschenk bringen. Im vergangenen Jahr gingen aus dem deutschsprachigen Raum 506.976 Weihnachtspäckchen auf die Reise. 2640 davon kamen aus meiner Sammelstelle in Blankenburg. Machen Sie in diesem Jahr mit! Packen Sie für einen kleinen, bedürftigen Menschen einen schönen Schuhkarton, gefüllt mit nützlichen Geschenken!

Aufgrund strenger Einfuhr- und Zollbestimmungen der Empfängerländer dürfen nur neue Waren und keine gelatinehaltigen Süßigkeiten wie Gummibärchen importiert werden, auch keine Lebensmittel (z. B. Kekse, Kuchen, Nudeln). Trotzdem ist Schenken ganz einfach: Nehmen Sie einen leeren Schuhkarton – bitte keinen Stiefelkarton. Sie können ihn mit Geschenkpapier bekleben, aber bitte Schachtel und Deckel getrennt. Legen Sie Spielsachen, Bekleidung, Schulsachen, Hygieneartikel (aber bitte keine flüssigen oder parfümierten Artikel, wie Seife, Shampoo, Duschbad) und Süßigkeiten (z. B. Bonbons, Lutscher, Kaugummis, Traubenzucker, Pfefferminz oder ausschließlich Vollmilchschokolade) in das Päckchen! Verschließen Sie bitte Ihren Schuhkarton mit einem Gummiband und geben ihn bis zum 15. November im Pfarramt der Heinersdorfer Gemeinde ab.

Anita Bernhard

Verwandtschaft – Zum Thema des Heinersdorfer Vortrags vom 9. September

Auch die Wissenschaft hat festgestellt, dass die heutige Menschheit von einem Menschenpaar abstammt. Über diese Urahnen sind wir alle miteinander verwandt bei gleichem Genbestand. Gene aber sind veränderlich, indem sie unterschiedliche Zustände annehmen können. Zum Beispiel kann das Blutgruppengen bei unterschiedlichen Menschen die Blutgruppe A, B oder 0 bewirken. Da diese Veränderungen (Mutationen) häufig eintreten und erblich sind, hat sich die Menschheit auseinanderentwickelt.

So erklärt sich die genetische und äußerliche Unterschiedlichkeit – aber auch die familiäre Ähnlichkeit der Menschen. Am meisten gleichen sie sich innerhalb einer Familie – besonders Eltern und Kinder oder Geschwister.

Aber nur wenige Mutationen bringen Vorteile für ihre Träger und deren Nachkommen. Sie haben meistens negative Auswirkungen auf Lebens- und Fortpflanzungsfähigkeit. Etwa 70 % der beim Menschen zustande kommenden Embryonen können sich infolge einer genetischen Veränderung nicht weiterentwickeln und sterben ab. Je nach betroffenem Gen wird bei den anderen die Geburt, ein fortpflanzungsfähiges Alter und schließlich ein unauffälliges Leben erreicht.

Letzteres bedeutet aber nicht, dass alle Gene im Normalzustand sind. Jeder Mensch hat potentiell schwer schädigende Gene unterschiedlich von einem Elternteil geerbt, die aber in ihrer Wirkung durch das Normalgen vom anderen Elternteil jeweils verdeckt (rezessiv) sind. Erst wenn die selbe Mutation sowohl vom Vater als auch von der Mutter geerbt wird, kommt es zu häufig schweren Schäden und Behinderungen. Solche bei den Eltern identische Genveränderungen gehen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen gemeinsamen Vorfahren zurück und weisen auf Verwandtschaft hin – möglicherweise auch über viele vorangegangene Generationen.

Verbindungen enger Verwandter, z. B. Cousin und Cousine, bedeuten deshalb ein leicht erhöhtes genetisches Risiko für Kinder, und Inzest ist deshalb nach unserer Gesetzgebung verboten. Warum er in biblischen Zeit bereits tabuisiert war, werden wir von Herrn Dr. Müller erfahren. Fazit: Die Gefahr genetischer Schäden ist geringer, je unterschiedlicher die Herkunft der Eltern ist.

Es ist aber auch vorgekommen, dass Genveränderungen positive Auswirkungen hatten, indem sie die Anpassungsfähigkeit an die Umwelt und damit die Überlebensfähigkeit eines Menschen oder eines Stammes verbessern.

So war beispielsweise die Besiedlung Europas ursprünglich nur durch den Pigmentverlust der Haut und damit eine verbesserte Ausnutzung des Sonnenlichtes durch die weitgehend in Höhlen lebenden Menschen sowie durch die Verwertbarkeit von Milch und Milchprodukten im Erwachsenenalter durch eine entsprechende Genveränderung möglich, die in weiten Teilen der asiatischen Völker und auch in der europäischen Urbevölkerung noch fehlte.

Regine Witkowski

Partnerschaftswochenende und Gemeindeausflug

Im September ist es wieder so weit: Gemeinsam mit der Wicherngemeinde in Bad Oeynhausen feiern wir unser traditionelles Partnerschaftswochenende – vom 18. bis 20. September in Heinersdorf. Die Partnerschaft zwischen unseren Gemeinden gibt es zwar schon seit 1961 – sie wurde aus Anlass des Mauerbaus ins Leben gerufen, um die Verbindung zwischen Christen in West und Ost nicht abbrechen zu lassen. Die jährlichen Treffen, wie wir sie heute kennen, gibts aus naheliegendem Grund erst seit 20 Jahren.

Dieses Jubiläum gibt auch den Anlass für das Thema unseres gemeinsamen Wochenendes: Wir wollen während eines gemeinsamen Ausflugs am Sonnabend, dem 19. September, der Zeit des Mauerfalls und der friedlichen Revolution in der DDR nachspüren und dabei auch darauf schauen, was in und um die Kirche damals geschah. Und wir laden alle Gemeindeglieder herzlich ein, mit dabei zu sein!

Wir treffen uns um 9 Uhr auf dem Pfarrhof in Heinersdorf, werden dann die Kapelle der Versöhnung in der Bernauer Straße besichtigen. Sie wurde vor zehn Jahren an der Stelle auf dem ehemaligen Mauerstreifen errichtet, an der noch 1985 die Versöhnungskirche im Auftrag der DDR-Führung gesprengt wurde. Nach einer Führung mit geschichtlichen und aktuellen Informationen nehmen wir an der Mittagsandacht teil und können das benachbarte Dokumentationszentrum samt Aussichtsturm besuchen, bevor ein gemeinsames Mittagessen folgt. Anschließend besichtigen wir die Open-Air-Ausstellung Friedliche Revolution 1989/90 der Robert-Havemann-Gesellschaft auf dem Alexanderplatz. Der Alex kann dann auch Ausgangspunkt für individuelles Sightseeing von Gästen und Gastgebern sein.

Um 19.30 Uhr treffen wir uns zum gemeinsamen Abendessen im Gemeinderaum – auch dazu sind alle herzlich eingeladen. Wir hören einen Vortrag von Stephan Neuß, dem heutigen Geschäftsführer des Spik e.V. in Hohenschönhausen. Neuß war in der Wendezeit in der kirchlichen Oppositionsbewegung aktiv und wird uns als Zeitzeuge von seinen Erlebnissen berichten. Und sicher bleibt auch genügend Gelegenheit, unsere Gemeindepartnerschaft Revue passieren zu lassen und gemeinsam in die Zukunft zu blicken.

Den Abschluss des Wochenendes bildet der Gottesdienst am Sonntag, in dem Pfarrer Christian Lassen aus der Wicherngemeinde die Predigt halten wird.

Uwe Müller

Liebe Heinersdorfer Gemeinde,

wer mich von Ihnen noch aus meinem Gemeindevikariat kennt, das ich 2004/2005 in Heinersdorf absolvierte, der hat hin und wieder verfolgt, wie es mir in der Zwischenzeit ergangen ist.

Im November 2006 schloss ich mein Vikariat mit dem Zweiten Theologischen Examen ab. Im sich anschließenden Aufnahmeverfahren, das über eine Pfarrstelle entscheidet, hatte ich weniger Glück. So brach zumindest beruflich für mich eine unsichere Zeit an. Ich lotete einige Perspektiven und Möglichkeiten aus, um mich auf dem Arbeitsmarkt als Theologin zu orientieren.

Doch immer wieder regte sich in mir der Wunsch, in den Pfarrdienst zu gehen. So beschloss ich, einen zweiten Versuch hinsichtlich der Aufnahmeprüfung zu wagen. Und? Es klappte. Eine Menge Segen lag auf diesem entscheidenden Tag am 3. Juli 2009.

Mit einigen von Ihnen, die am 16. August den Heinersdorfer Gottesdienst besuchten, durfte ich meine Freude schon teilen. Nun also werde ich ab 1. Oktober 2009 in den Entsendungsdienst gehen.

Wohin werde ich entsendet? In den Kirchenkreis Barnim, also gar nicht so weit weg von Berlin. Ganz genau in die schönen Dörfer Ruhlsdorf, Sophienstädt und Marienwerder. Dort werde ich mit einer halben Stelle in der Gemeinde tätig sein. Eine weitere halbe Stelle trete ich in der Krankenhausseelsorge in der Brandenburgklinik in Wandlitz an.

Wie Sie ja wissen, liegt mir die Seelsorge sehr am Herzen. In den letzten Jahren habe ich mich auf diesem Gebiet stetig weitergebildet. So schloss ich die Grundausbildung zur Klinischen Seelsorgerin ab und machte eine Ausbildung zur Systemischen Beraterin/Sozialtherapeutin. Darüber hinaus engagierte ich mich ehrenamtlich: in der Seelsorge im Maßregelvollzug Berlin und als Sterbebegleiterin im Hospizdienst des Unionhilfswerkes. So konnte ich eine Menge ganz praktischer Erfahrungen sammeln, die ich nun an einem neuen Ort einbringen kann.

Ich freue mich auf die Herausforderungen, die in der Gemeinde und in der Krankenhausseelsorge auf mich warten. Zu meiner Ordination am 8. November 2009 seien Sie schon jetzt ganz herzlich eingeladen. Ort und Zeit des Ordinationsgottesdienstes sind mir im Moment selbst noch unbekannt. Ich werde es Sie rechtzeitig wissen lassen.

Mit Gottes Segen für Sie und vielen Grüßen von

Karina Nippe