Juni / Juli / August 2009

"Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht." So sagt es Jesus seinen Jüngern, die ihren Meister vor dem neugierigen, quirligen und vielleicht quengelnden Nachwuchs abschotten wollen. Und so steht es auch auf unserem Taufstein, der seit 1621 zum Inventar der Heinersdorfer Kirche gehört und seither Kinder und natürlich auch Erwachsene zur Taufe einlädt. Die Taufe ist eines von nur zwei Sakramenten, die wir in unserer Kirche kennen, und damit neben dem Abendmahl eine der wichtigsten religiösen Ereignisse überhaupt. In der Konfirmation, die wir in Heinersdorf traditionell am Pfingstsonntag feiern, wird die Taufe bestätigt.

Petrus sagte: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.
Apostelgeschichte 10, 34-35, Monatsspruch Juni

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde,

immer wieder machen wir die Erfahrung, dass Menschen nach dem äuren Erscheinungsbild beurteilt werden. Wenn ein Mann, der in ein Geschäft kommt, einen teuren Anzug trägt mit Krawatte und aufwendigen Schuhen, so wird er ganz anders behandelt als jemand, der sich teure Kleidung nicht leisten kann. Entsprechend ist es, wenn eine Frau den Laden betritt. Auch sie wird nach dem äuren Erscheinungsbild taxiert. "Kleider machen Leute" beschreibt der Volksmund diese Erfahrung.

Auch wenn uns eigentlich klar sein müsste, dass ein Mensch seine Würde völlig unabhängig von seiner Kleidung hat, fällt es uns schwer, uns nicht vom äuren Eindruck leiten zu lassen. Wir spüren Befangenheit, wenn sich neben uns jemand setzt, der wirkt als ob er wohnungslos ist. Das ist sehr bedauerlich. Und wenn plötzlich jemand neben uns steht, den wir als Prominenten aus dem Fernsehen wiedererkennen, dann reagieren wir ebenfalls. Nun aber eher positiv ohne den anderen persönlich zu kennen. Dabei schauen wir in beiden Fällen gar nicht darauf, wer dieser Mensch wirklich ist.

Der äurliche Eindruck hat Einfluss auf unser Verhalten. Bei Gott ist das anders. Er lässt sich nicht täuschen oder blenden. Gott sieht uns, wie wir wirklich sind. Gott schaut nicht auf unsere Fassade, sondern er blickt tiefer. Auch Petrus hat von Jesus gelernt, dass Äurlichkeiten nicht entscheidend sind. Jeder Mensch hat eine Chance. Denn jeder Mensch hat diese Chance verdient. Jeder hat die Möglichkeit, mit dem christlichen Glauben in Berührung zu kommen. Jesus Christus ist ja in unsere Welt gekommen, damit Gottes Zusage begreifbar wird, damit sie salopp gesprochen "Hand und Fuquot; hat. Der Fachbegriff dafür hei Offenbarung. Gott zeigt sich in seinem Sohn Jesus Christus. Alle dürfen das wissen. Das ist nicht ein paar VIPs vorbehalten. Es gibt keine Altersbeschränkung. Jeder – aus welchem Volk auch immer – ist willkommen. Sie werden kommen vom Osten oder Westen, vom Norden oder Süden.

Das war übrigens auch das Wunder an Pfingsten vor fast zweitausend Jahren. Viele kamen zusammen. Sie hatten sogar unterschiedliche Muttersprachen. Und trotzdem verstanden sie sich, weil der Heilige Geist es möglich machte. Sie schauten hinter die Oberfläche hindurch. So sind auch wir eingeladen, neu zu sehen, offen zu sein für andere und auch die Erfahrung zu machen, die Petrus gemacht hat: "Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist."

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe Pfingsten und eine gesegnete Urlaubs- und Ferienzeit.

Ganz herzlich Ihr

Pfarrer Andreas G. Kaehler

Das Gustav-Adolf-Werk – Partner evangelischer Minderheiten in der Welt

"Lasst uns allen Menschen Gutes tun, besonders aber denen, die mit uns im Glauben verbunden sind." (Galater 6,10)

Das Gustav-Adolf-Werk (GAW) ist auf dieser biblischen Grundlage seit 1832 Partner evangelischer Minderheiten in der Welt.

Wir bauen Brücken

  • zu evangelischen Minderheiten in Europa, Südamerika und Zentralasien.

Wir helfen Partnerkirchen

  • beim Gemeindeaufbau, bei Neubau und Instandhaltung von Kirchen, Gemeindezentren und Pfarrhäusern.

Wir fördern

  • soziale Projekte wie z. B. Hilfe für Strankinder, Frauen in Not, alte und kranke Menschen,
  • Aus- und Weiterbildung von Schülern, Theologiestudierenden, Laien,
  • evangelische Schulen in den neuen Bundesländern.

Warum ist die Arbeit des Gustav-Adolf-Werks so unentbehrlich?

Viele evangelische Kirchengemeinden unterhalten partnerschaftliche Beziehungen zu Gemeinden rund um die Welt. Das GAW pflegt Beziehungen zu evangelischen Christen in extremer Minderheit. Es ist ein "global player" der Diaspora und ihr Anwalt. In besonderen Notfällen hilft das GAW auch Christen anderer Konfession.

Was unterscheidet nun die Arbeit des GAW von der gewohnten Gemeindepartnerschaft?

Gemeindepartnerschaften erwachsen in der Regel aus persönlichen Kontakten, die nicht unbedingt unter dem Vorzeichen der Hilfe für Diasporagemeinden entstanden sind. Das GAW wendet sich solchen Gemeinden und Projekten zu, die von den einheimischen Kirchenleitungen als vorrangig bezeichnet werden, weil in ihnen z. B. eine lebendige Kinder- und Jugendarbeit stattfindet. Das hebt die gemeindliche und zugleich gesamtkirchliche Ausrichtung der Hilfe hervor.

Bauhilfen werden immer mehr zum Alleinstellungsmerkmal des Gustav-Adolf-Werks.

Das Gustav-Adolf-Werk fördert auch den Neubau und die Sanierung von kirchlichen Gebäuden. Nicht nur in der Diaspora, aber besonders dort ist das Kirchgebäude oder das Gemeindehaus Herzstück der Gemeinde und hat für Identität und Repräsentation einer Minderheitskirche höchste Bedeutung, ganz abgesehen davon, dass diese in jedem Fall ein Dach braucht, unter dem sie sich versammeln und Gottesdienst feiern kann. Nur wenn Räume vorhanden sind, wird die evangelische Kirche in der Diaspora als Kirche wahrgenommen, nur mit Räumen kann lebendige Gemeinde entstehen und sich weiter entwickeln. Keine andere kirchliche Hilfsorganisation übernimmt Kirchbauförderung in dieser gezielten Form.

Diasporagemeinden brauchen Dächer und Begegnungen.

In den letzten Jahren hat das Gustav-Adolf-Werk den Bau eines Kirchen-, Gemeinde- und Sozialzentrums in Köslin/Koszalin in Polen gefördert. Das Zentrum ist für die flächenmäg gröe Gemeinde Polens besonders wichtig. Im vergangenen Jahr ist es eingeweiht worden. Räume im Erdeschoss werden auch an nichtkirchliche Institutionen vermietet, um Gemeindearbeit und kirchliches Leben zu finanzieren. Mit Wochenendrüsten für Jung und Alt versucht die evangelisch-augsburgische Gemeinde, der Zerstreuung und Vereinzelung zu begegnen. Im Dachgeschoss gibt es deshalb Übernachtungsmöglichkeiten in Zwei- oder Mehrbettzimmern. Jugendgruppen können preisgünstig unterkommen. Bis zur Ostsee ist es nicht weit. Es gibt eine gute öffentliche Verkehrsanbindung zur Ostsee oder auch nach Berlin. Gäste sind herzlich willkommen.
Telefon: +48 94 34 54 670
Email: koszalin@luteranie.pl

Gemeinde- und Sozialzentrum in Koszalin

Das Gustav-Adolf-Werk ist als Hilfswerk auf Spenden angewiesen.

Die Mittel aus den Kollekten sind neben Einzelspenden und Mitgliedsbeiträgen die entscheidende Quelle dafür, dass die Arbeit des Werks auch in Zukunft in segensreicher Weise fortgesetzt werden kann. Die Kollekten und Spenden werden zu 100 Prozent weitergeleitet.

Woher hat das Gustav-Adolf-Werk seinen Namen?

Gustav II. Adolf war ein schwedischer König. Er kämpfte im Dreigjährigen Krieg (1618-1648) an der Seite evangelischer Christen und verhinderte durch sein Eingreifen die Vernichtung des deutschen Protestantismus. 1632 fiel er in der Schlacht bei Lützen (in der Nähe von Leipzig). Zu seinem 200. Todestag, im Jahre 1832, beschlossen evangelische Christen in Deutschland, ihm ein "lebendiges" Denkmal zu setzen und ein Hilfswerk für evangelische Minderheiten zu gründen.

König Gustav II. Adolf

Ehrenamt

In unserem Werk geschieht sehr, sehr viel ehrenamtlich – von der Mitarbeit im Vorstand und in der Frauenarbeit über die Unterstützung der hauptamtlichen Geschäftsführerin beim Versand des Mitteilungsblattes "Brücken bauen" bis hin zur Mitwirkung bei Veranstaltungen, Basaren, Benefizkonzerten und Vorträgen. Nur mit Hilfe dieses ehrenamtlichen Engagements kann das Hilfswerk seine umfangreiche Tätigkeit fortsetzen.

Wir freuen uns auf das gemeinsame Fest am 21. Juni in der Kirchengemeinde Heinersdorf.

Ihre Cornelia Boschan
Geschäftsführerin

Gustav-Adolf-Werk der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V. (GAW der EKBO), 10623 Berlin, Jebensstra 3 Telefon: +49 (0)30 31001-1100, Fax: +49 (0)30 31001-1600, Email: office@gaw-berlin.de, Internet: http://www.gaw-berlin.de.