September / Oktober / Novermber 2008

Wer im Sommer wandern oder anderweitig unterwegs war, wird sie noch in guter Erinnerung haben: Wegweiser geben in meist sehr anschaulicher Weise Auskunft darüber, in welcher Richtung ein bestimmtes Ziel vom aktuellen Standpunkt aus zu erreichen ist. Sie geben uns auf unbekanntem Terrain Orientierung.

Dieser hier informiert nicht etwa über touristische Reiseziele an fernen Orten. Er stand während des diesjährigen Gemeindefests im Margaretensaal und wies die Richtungen zu den Angeboten, die die unterschiedlichen Gruppen unserer Gemeinde an diesem Tag bereithielten - und natürlich zu den Dingen, die die Gäste leiblich stärken sollten.

Auch wenn die Wegweiser auf dem Bild in ganz unterschiedliche Richtungen zeigen und das Gemeindeleben in Heinersdorf ebenso wie die Angebote der während des Fests vertretenen Gruppen tatsächlich sehr vielfältig sind - als Gemeinde Christi wollen wir daran erinnert sein, dass wir auf einem gemeinsamen Weg des Glaubens sind und zusammen gehören - ganz im Sinne des Apostels Paulus: Viele Gaben - ein Geist, viele Glieder - ein Leib (1. Kor. 12).

Du machst fröhlich, was da lebet im Osten wie im Westen.
Psalm 65, 9, Monatsspruch Oktober 2008

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde!

Gerade im Rückblick auf die Olympischen Spiele in der so genannten Volksrepublik China ist mir persönlich wieder in neuer Weise bewusst geworden, wie wichtig die Menschenrechte sind. Und es ist immer wieder schmerzlich zu erleben, wie weggeschaut wird, wenn Menschen weggesperrt, gefoltert und ermordet werden. Es wird mitgespielt und geschwiegen, aus diplomatischen, wirtschaftlichen und anderen vorgeschobenen Gründen.

So hatten diese Olympischen Spiele, trotz aller Begeisterung und beeindrukkender sportlicher Leistungen, einen Beigeschmack. Mich haben die vielen nachdenklichen und kritischen Stimmen sehr gefreut, die auch aus dem Bereich der Kirchen und unserer Gemeinden kamen. Nicht dazu schweigen, wenn andere leiden, war schon immer der Auftrag, den Gott seit dem Alten und dem Neuen Testament an uns richtet. In der Verfassung unseres Landes ist das eingeflossen, wenn es im Artikel 1 des Grundgesetzes heißt: "Die Würde des Menschen ist unantastbar."

Darüber zu reden, wie das in der Praxis umgesetzt werden kann, ist auch in anderen Bereichen, als dem gerade benannten, wichtig. Denn es ist doch völlig klar, dass jedem Menschen diese Würde zukommt und auch in allen Bereichen seines Lebens und in allen Lebensabschnitten Gültigkeit hat. Diese Menschenwürde hat auch dann Bestand, wenn jemand alt oder krank ist oder im Sterben liegt. Aus diesem Grunde wird ja so intensiv über den Umgang mit dem Sterben und über die Patientenverfügung diskutiert und gestritten. Manchmal sind wir hilflos, wenn wir selbst oder als Angehörige davon betroffen sind.

Leiten sollte uns dabei immer die Frage, wie wird am deutlichsten die Würde dieses Menschen und sein konkretes Leben geachtet.

Dazu möchte ich ein Beispiel erzählen. Es ist ein Gespräch. Das habe ich aber nicht selbst geführt in der Seelsorge, deswegen darf ich auch darüber reden, sondern ich habe es geträumt. Als ich aufwachte dachte ich, das wäre doch etwas für unseren Gemeindebrief:

Eine Frau erzählt aus ihrem Leben. Sie ist sehr alt und es geht ihr gesundheitlich nicht so gut. Wir reden über ihr hohes Alter und das Sterben und plötzlich sagt sie: "Manchmal kommt es mir vor, ich mache Überstunden. Ich lebe immer noch und bin nun 95 Jahre alt." "Aber seien Sie sich sicher, dass ich trotz allem kein einziges Jahr, missen möchte, dass mir Gott geschenkt hat und noch schenken wird."

Dann bin ich aufgewacht und habe über diesen Traum nachgedacht. Diese positive Lebenseinstellung der Frau aus dem Traum hatte für mich jedenfalls etwas Ansteckendes. Positiv über das Leben zu denken - auch wenn es Leid gibt. Dieser Mut machenden Lebenseinstellung begegnen wir auch immer wieder in der Bibel. So auch in dem Monatsspruch aus Psalm 65, 9: "Du machst fröhlich, was da lebet im Osten wie im Westen."

Das gilt genauso auch im Norden und im Süden. Überall auf der Erde und auch in allen Bereichen und Zeiten unseres Lebens will Gott uns Freude schenken. In Jesus Christus dürfen wir das immer wieder erfahren und erleben.

Es ist eine Freude, die bleibt, auch in schwierigen Situationen - und auch wenn man nicht auf dem Treppchen der Sieger steht mit einer Goldmedaille um den Hals.

Ich wünsche uns allen, dass wir diese gute Erfahrung immer wieder machen ganz herzlich.

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

  Drei Kreuze

Drei Kreuze machen - diese Redewendung ist wohl jedem schon einmal begegnet. Wir verwenden sie meist, wenn wir über das Ende einer schwierigen Zeit sprechen: "Dann mach ich drei Kreuze ". Drei Kreuze im Kalender: Ein großer, ein wichtiger Tag! Die Sorgen, die Ängste, der Ärger vielleicht - sie sind vorbei. Drei Kreuze!

Drei Kreuze standen damals auf Golgatha, der Hinrichtungsstätte vor den Toren Jerusalems. An einem dieser Kreuze hing Jesus Christus, Gottes Mensch gewordener Sohn. Dort an diesem Kreuz und in seinem Sterben trug er die Schuld für all unser Tun von Bösem und unser Unterlassen von Gutem. Das ist schon ein gewaltiger und eigentlich unbegreiflicher Vorgang: Dieser Jesus trägt unsere Schuld! Auch meine, der ich damals ja noch gar nicht geboren war ...

Oft schon wurde dieses eine der drei Kreuze, dieses Kreuz an dem Jesus hing, als ein einprägsames Bild verwendet: Der Querbalken als der tiefe Abgrund der Trennung zwischen Gott und uns Menschen und der Längsbalken als die Brücke, die der Herr über diesen unendlichen Abgrund für uns gebaut hat.

"Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben", sagt der Herr Jesus zu uns, "niemand kommt zum Vater außer nur durch mich" (Johannes 14,6).

Der Weg zu Gott, der Weg in den Himmel, führt nur über dieses Kreuz von Golgatha, an dem Christus unsere Schuldenrechnung vollständig beglichen hat. Das einzige was wir noch tun müssen, ist von Herzen Ja! zu sagen zu diesem Jesus. Sein Geschenk der Vergebung anzunehmen und damit den Weg zurück zu Gott gehen.

Winston Churchill sagte einmal: "Man kann einen Abgrund nicht mit zwei Sprüngen überwinden." So gilt es auch hier: Der Weg ist frei. Und Jesus ist der Weg. Gehen wir ihn? Nehmen wir sein unendlich wertvolles und kostbares Geschenk an? Lassen wir uns ein auf eine lebendige Beziehung zum lebendigen Gott? Eine Beziehung, die das ganze Herz erfüllt? Denn jede Beziehung ist ja mehr, als nur rein vom Verstand her geprägt. Es ist immer auch etwas Gefühlsmäßiges dabei. So ist es auch bei unserer Beziehung zu Gott: Natürlich können wir von Verstand her zu der Einsicht gelangen, dass Gott der Schöpfer dieser Welt ist. Dass er existiert und "die Macht in Händen hält". Aber das allein ist es noch nicht, was diese Beziehung zu unserem himmlischen Vater ausmacht. Erst, wenn wir auch unsere Gefühle mit hinein nehmen spüren wir: Ja! Gott ist für uns da und liebt uns!

Drei Kreuze standen damals auf Golgatha. An zweien von ihnen hingen Verbrecher. Zwei Männer, die üble Taten begangen hatten. Einer der Beiden verspottet und beleidigt Jesus bis zum Schluss. Der andere aber erkennt: Die Geschichte ist wahr! Dieser Jesus ist wirklich Gottes Sohn! Und diese Erkenntnis spricht er aus: "Gedenke meiner, Herr, wenn du in dein Reich kommst." Und Jesus sagt ihm zu: "Heute wirst du mit mir im Paradies sein" (Lukas 23,42-43).

Zwei Männer, zwei Entscheidungen, zwei Wege ... Heute erleben wir es leider sehr oft, dass die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes Ziellos durchs Leben und durch die Weltgeschichte laufen und nach einem Sinn hinter ihrer Existenz fragen: "Verzeihung, können Sie mir sagen, wo ich eigentlich hin will?" - "Der Weg ist das Ziel" heißt dann manchmal die Antwort, aber wenn das stimmt, dann sähe es arm aus um uns Menschen und um unser Leben. Der Weg ist das Ziel? Was sagt der Arbeitslose, der Sozialhilfeempfänger dazu, dessen Weg vielleicht hart und arm und kärglich ist? Was sagt der Behinderte, der Geächtete, der wegen seiner Rasse, Herkunft, seines Glauben verfolgte und eingesperrte? Der Weg ist das Ziel - würden wir das jemandem sagen, der uns in der Wüste nach der nächsten Wasserstelle fragt? Wie unbarmherzig wäre das! Nein, der Weg ist nicht das Ziel. Das Ziel ist die Gemeinschaft mit unserem Schöpfer, der uns auf dieses Ziel hin geschaffen hat. Ohne Gott wird immer eine leere Stelle in uns bleiben, eine unausgefüllte Sehnsucht. Eine Sehnsucht, die mit keinem Geld, mit keinem anderen Menschen, mit keinem weltlichen Glück dauerhaft und nachhaltig ausgefüllt werden kann. Unser Ziel ist die Gemeinschaft mit Gott. Und der Weg dahin heißt Jesus Christus.

Darum laden wir Sie heute ganz herzlich dazu ein: Machen Sie drei Kreuze in ihren Kalender und markieren Sie sich den heutigen Tag. Folgen Sie der Einladung von Jesus und machen Sie sich auf einen spannenden Weg. Wir sind ganz sicher, dass Sie diese Entscheidung nicht bereuen werden.

Und denken Sie immer daran: Christen sehen sich nie zum letzen Mal!

Manja und Mathias Christiansen

Frieden riskieren - Ökumenische Friedensdekade 2008

Jedes Jahr im November, kurz vor dem Ende des Kirchenjahres, rückt für zehn Tage das Thema Frieden in unser Blickfeld - anlässlich der ökumenischen Friedensdekade, die im Jahr 2008 vom 9. bis 19. November dauert und unter der Überschrift "Frieden riskieren" steht. Frieden riskieren? Wer miteinander Frieden schließen möchte - sei es im Großen oder im Kleinen - muss auf sein Gegenüber zugehen, ihm Vertrauen entgegen bringen und ein Stück die eigene schützende Rüstung ablegen, sich öffnen, eigene Schuld eingestehen, einen Neuanfang wagen. Das macht verletzlich und verwundbar. Vielleicht nutzt der andere gerade in diesem Moment die Schwäche aus und schlägt zu. Und dennoch sehnen wir Menschen und nach Frieden, überall auf der Welt: Frieden als Balanceakt - so wie es auch auf dem Plakat zu sehen ist.

Auch in diesem Jahr wird es während der Friedensdekade mehrere Andachten geben, zu denen wir herzlich einladen: morgens im Gemeinderaum und mit einem gemeinsamen Frühstück und abends in der Kirche (siehe unten). Am Sonntag, dem 9. November wird die Friedensdekade mit einem Gottesdienst eröffnet. Er ist besonders der Reichspogromnacht gewidmet, die genau vor 70 Jahren stattfand und symbolhaft für den beginnenden Holocaust steht, dem sechs Millionen Juden zum Opfer fielen. Der Gottesdienst wird von der Jungen Gemeinde mitgestaltet. Mit einem Abendmahlsgottesdienst am Buß- und Bettag geht die Friedensdekade zu Ende.

Uwe Müller

Termine während der Friedensdekade:

So, 9. November, 10.00 Uhr
Gottesdienst zu Beginn derFriedensdekade mit einem Gedenken an die Reichspogromnacht vor 70 Jahren
Mo, 10. November, 6.30 Uhr
Morgenandacht mit Frühstück im Gemeinderaum
Do, 13. November, 19.30 Uhr
Abendandacht in der Kirche
Mo, 17. November, 6.30 Uhr
Morgenandacht mit Frühstück im Gemeinderaum
Di, 18. November, 19.30 Uhr
Abendandacht in der Kirche
Mi, 19. November, 19.30 Uhr
Abendmahlsgottesdienst zum Buß- und Bettag

Volksbegehren "Pro Reli" - Ihre Unterstützung zählt!

Vor zwei Jahren hat der Berliner Senat gegen den Willen vieler Eltern und der Kirchen Ethik als Pflichtfach eingeführt. Der Religionsunterricht kann nun nur noch zusätzlich freiwillig und ohne jede Benotung auf dem Zeugnis besucht werden. Doch wegen der hohen Zahl an anderen Unterrichtsfächern haben sich viele Kinder und Jugendliche vom Religionsunterricht abgemeldet.

Der Verein "Pro Reli" setzt sich dafür ein, dass Schüler frei wählen dürfen, ob sie Religions- oder Ethikunterricht besuchen wollen.

34.472 gültige Unterschriften haben die Unterstützer von "Pro Reli" in der ersten Stufe des Volksbegehrens für ein Wahlpflichtfach Ethik/Religion an Berliner Schulen gesammelt, rund 14.000 Unterschriften mehr als für die erste Stufe des Volksbegehrens erforderlich waren.

Die zweite Stufe des Volksbegehrens beginnt nun am 22. September. Dann werden die Unterstützer von "Pro Reli" auch auf Straßen, bei Gemeindefesten und verschiedenen Veranstaltungen Unterschriften sammeln können, da die Unterzeichner nicht mehr wie beim Volksbegehren um den Flughafen Tempelhof ins Bürgeramt gehen müssen. Rund vier Monate wird die zweite Stufe des Volksbegehrens dauern. Mindestens 170.000 gültige Unterschriften muss "Pro Reli" dann sammeln.

Da auch unsere Gemeinde die Initiative "Pro Reli" für außerordentlich wichtig hält und unterstützt, werden ab Ende September Unterschriftsbögen in Kirche und Gemeinderaum bereit liegen. Ich bitte Sie sehr herzlich, mitzuhelfen, dass Religionsunterricht in Berlin bald wieder in der gewohnten Form gegeben werden kann. Sagen auch Sie JA zur Wahlfreiheit und unterschreiben Sie für den Volksentscheid!

Wenn Sie Fragen haben, weitere Unterschriftsbögen benötigen oder vielleicht selbst Unterschriften sammeln möchten, dann melden Sie sich bei mir unter pro-reli@gemeinde-heinersdorf.de oder unter der speziell dafür geschalteten Telefonnummer 0175 / 9 44 54 49. Für Rückfragen stehen Ihnen außerdem Frau Daniela Glaser, Religionslehrerin an der Heinersdorfer Grundschule, sowie Pfarrer Andreas G. Kaehler, zur Verfügung.

Mathias Christiansen
Pro-Reli-Beauftragter der
Evangelischen Kirchengemeinde Heinersdorf