Februar / März 2008

Hans-Hilmar Seel: Last tragen. Bild zum Ökumenischen Jugendkreuzweg 2008

Und als sie ihn abführten, ergriffen sie einen Mann, Simon von Kyrene, der vom Feld kam, und legten das Kreuz auf ihn, dass er's Jesus nachtrüge. Es folgte ihm aber eine große Volksmenge und Frauen, die klagten und beweinten ihn. Jesus aber wandte sich um zu ihnen und sprach: Ihr Töchter von Jerusalem, weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure Kinder. Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in der man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht genährt haben! Dann werden sie anfangen, zu sagen zu den Bergen: Fallt über uns! und zu den Hügeln: Bedeckt uns! Denn wenn man das tut am grünen Holz, was wird am dürren werden?

Lukas 23, 26-31

"Jesus Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben." Johannes 14, 19, Jahreslosung 2008

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde,

wir sind nun wieder in einem neuen Jahr angekommen. Viele Ereignisse und Begegnungen liegen schon wieder hinter uns. Um die Besonderheit eines Jahres auszudrücken, wird in den Medien regelmäßig ein Wort des Jahres ausgesucht. Mir fällt da spontan ein Wort ein, das vermutlich nicht zum Wort des Jahres 2008 gewählt werden wird: Lebenshunger. Es ist ein kräftiges Wort, das unterschiedliche Aspekte in sich trägt. Jedem fällt bei dem Wort Lebenshunger etwas ein.

Es ist zum einen der Wunsch nach einem gelingenden Leben. Der Wunsch, die vielfältigen Möglichkeiten, die das Leben bietet, zu nutzen. Und dann sind da immer auch die Gefährdungen. Dinge, die einem das Leben schwer machen. Und dann sind da die ernsten Bedrohungen wie Krankheiten, Unfälle und schließlich der Tod.

So fiel mir spontan das Wort Lebenshunger ein, als ich davon erfuhr, welche Jahreslosung für dieses Jahr ausgesucht worden ist: Jesus Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben. (Johannes 14, 19).

In welchem Zusammenhang sind diese Worte damals gefallen? Das ist mehr als eine einfache Aufmunterung. Es sind genau genommen Abschiedsworte. Jesus macht den Ernst der Lage deutlich. Seine Freunde, die zwölf Jünger ahnen noch nichts davon. Erst später erinnern sie sich und verstehen, was Jesus gemeint hatte. Die Karwoche steht unmittelbar bevor. Jesus wird von römischen Soldaten gefangen genommen werden und schließlich an Karfreitag am Kreuz sterben. Sie erleben eine gute Zeit, als sie mit Jesus durch die Lande ziehen und erleben, wie er von Gott redet und Menschen gesund macht. Sie wünschen sich vielleicht, dass es immer so weitergeht. Aber dieser wunderbaren Erfahrung wird ein schreckliches Ende gesetzt. Wenn Jesus da war, spürten sie, dass Gott nah bei ihnen ist und nicht in weiter Ferne. Jesus, von dem sie viel gelernt hatten und der als Gottes Sohn erkannt wurde, wurde am Kreuz ermordet. Nach menschlichem Ermessen müsste man nun sagen: Der Traum ist aus! Aber genau dies wäre ein großer Irrtum. Denn nicht nur der Traum geht weiter, der Traum von einem wunderen Leben, sondern das Leben selbst.

Denn nach diesem schrecklichen Karfreitag und nach der Beerdigung am Karsamstag kam der Ostermorgen. Jesus war nicht mehr einer von den Toten, sondern er lebte. Kaum zu glauben. Auferstehung nennt man das. Der Traum war nicht aus, sondern er hatte begonnen Wirklichkeit zu werden. Ein Leben ohne Tod, das wäre doch wunderbar. Jesus Christus hatte den Tod besiegt. Kann das, was uns Angst macht und in so tiefe Trauer stürzt, überwunden werden? Ja, es kann. Und es ist eigentlich schon überwunden, obwohl wir im Leben manchmal schlimme Dinge durchmachen müssen.

Der Tod ist überwunden. Das ist die gute Nachricht des Ostermorgens. In einer neueren, etwas freien Übersetzung heißt es daher: Dann sagte Jesus zu ihnen: Und ihr werdet leben, weil ich lebe.

Mit dieser guten Nachricht wünsche ich Ihnen eine besinnliche Passionszeit und ein gesegnetes Osterfest

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

  Nach mir die Sintflut?

Wir kennen sie alle, die Geschichte von der "Arche Noah": "Und der Herr sah, dass die Bosheit des Menschen auf der Erde groß war und alles Sinnen der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag" (1. Mose 6,5). "Sie aßen und tranken, sie heirateten und wurden verheiratet, sie kauften und verkauften, sie pflanzten und bauten." Alles ging seinen gewohnten Gang. Und Gott beschloss: "Ich will den Menschen, den ich geschaffen habe, von der Fläche des Erdbodens auslöschen." Doch Gott gab Noah eine Verheißung: "Mit dir aber schließe ich meinen Bund und verspreche dir, du sollst gerettet werden Baue dir ein Schiff aus Holz "

Glaube und Leben bildeten bei Noah eine Einheit. Er lebte mit Gott. Und so nahm Noah das Reden Gottes ernst, obwohl die Wetterzeichen in keiner Weise auf Sturmflut standen. Sein Glaube ließ ihn aktiv werden: Er predigte und baute zugleich die Arche. Alles, was Noah im Blick auf die angedrohte Flut unternahm, zeigte seinen Gehorsam und Vertrauen Gottes Wort gegenüber. Er hatte Gnade gefunden vor Gott.

Während dieser langen Zeit waren die Menschen um ihn nicht untätig. Vermutlich taten sie alles, um ihm zu beweisen, dass eine solche Flut ganz unmöglich kommen könne. Sie konnten Noahs Glauben und Handeln nicht nachvollziehen. Sie schlossen sich selbst von Gottes Gnade aus, indem sie Gottes Verheißung nicht glaubten und Noah verlachten. Sie hielten Noah für einen Fanatiker, einen Schwärmer. Zuviel sprach doch dagegen! Aber Noah ließ sich nicht täuschen, er hatte offene Augen, er sah die Bosheit seiner Umgebung. Die Gemeinschaft mit Gott ließ ihn das Böse schmerzlich empfinden, aber sie gab ihm auch die Kraft, als Einzelner für die Ehre Gottes dazustehen. Täglich war Noahs Gottvertrauen gefragt, seine Geradlinigkeit und Geduld.

Der biblische Bericht legt darauf Wert, festzuhalten, dass Noahs Familie mit ihm gerettet wurde. Vielleicht hatte es manche Zweifelsfragen gegeben: Sollten sie Gott gehorchen? Oder sollten sie doch mehr auf die Menschen mit ihren Argumenten hören? Die Gefahr des Abdriftens war sehr groß. Noah und seine Söhne werden sich gegenseitig im Vertrauen auf Gott und sein Wort gestärkt haben. Der Glaube befähigte dazu, die Atmosphäre in seinem Haus zu bestimmen anstatt im allgemeinen Trend unterzugehen. Gottes Wort gab Durchhaltekraft. Die Menschen in Noahs Umgebung sollten an seinem Leben ablesen können, dass Gott jeden Menschen in die herzliche Freundschaft mit sich einlädt.

Jesus hat in Gesprächen mit seinen Jüngern die Zeit vor seiner erneuten Wiederkunft, die Zeit vor dem Weltgericht, mit der Zeit Noahs verglichen und dabei seine Jünger zur Wachsamkeit ermahnt (Matthäus 24,36-39.42. 44). Er weiß, was alles uns in Zweifel bringen, müde und matt, verzagt und nachlässig machen kann. Es kann eine lange Krisenzeit sein, Ängste, Sorgen, Krankheit, der Druck einer harten Leistungsgesellschaft, Zwänge, Rastlosigkeit, Schuld. Immer wird in diesen Zeiten unsere Vertrauensbeziehung zu Gott angegriffen, blockiert oder gar zerstört. Doch stärker als jeder Angriff an sich es je sein kann, ist der Herr selbst (1. Johannes 3,8b). Er lässt seine Leute nicht untergehen, er hat ihnen den geborgenen Schutzraum gegeben. "Niemand wird sie aus meiner Hand reißen", sagt er. Gott bekennt sich zu denen, die ihm vertrauen!

Noah kannte Jesus Christus und sein tröstendes Heilsangebot noch nicht. Heute kennen wir es. Und doch leben viele Menschen wie zu Noahs Zeiten so fern von Gott und ungetröstet. Darum ist heute der wichtigste Auftrag für Christen, die rettende und tröstende Botschaft Gottes weiterzusagen. "Sagt den verzagten Herzen: Seid getrost, fürchtet euch nicht. Seht, da ist euer Gott!" (Psalm 103,8-13; 2. Könige 6,16; Offenbarung 1,17). - Noch ist nicht alles aus und vorbei. Unser Vater im Himmel hat auch für uns einen Heilsplan, er ist uns gnädig, wenn wir unser Vertrauen auf ihn setzen. Aber wie zu Noahs Zeiten gibt es ein Heute und es gibt ein Zuspät (Psalm 95,6-9; Hebräer.3,7.8.13; Lukas 19,5.6.9).

Auch uns bleibt nicht x-beliebig viel Zeit, in Gottes Rettungsraum einzutreten: Kein Mensch weiß, wie lange die Tür in unsere Rettungsarche Jesus Christus noch offen ist. Wir wissen nur, dass es eine begrenzte Zeit ist. Jetzt ist die Zeit, umzukehren und Jesus den Platz in unserem Leben einzuräumen, der ihm zusteht: Der Mittelpunkt. ... "Noch sieben Tage, dann lasse ich auf die Erde regnen."

Wie war das Ende? Noah wurde gerettet. Seine Familie wurde gerettet. Gott sprach ihn um seines Glaubens Willen gerecht (1.Mose 7,1; 2. Petrus 3,1-9).

Und so dürfen auch wir Rettung erleben, wenn wir im Vertrauen auf Gottes Wort Schritte wagen, die vielleicht nicht gerade zeitgemäß erscheinen, uns aber letztlich doch zum Heil führen.

Manja und Mathias Christiansen

Gemeindekirchgeld 2008

Auch in diesem Jahr ist die Heinersdorfer Gemeinde auf die finanzielle Unterstützung ihrer Gemeindeglieder angewiesen. Die Gemeindearbeit muss finanziert, Kirche und Pfarrhaus müssen instandgehalten, die Personalkosten gezahlt werden. Die Einnahmen, die die Gemeinde aus den Kirchensteuern von der Landeskirche erhält, reichen dafür bei weitem nicht aus.

Daher ist die Gemeinde auf Spenden und Kollekten und auf das so genannte Kirchgeld angewiesen: Von denjenigen, die keine Kirchensteuern zahlen, aber trotzdem über ein Einkommen verfügen (z. B. Rentner und Selbstständige) erbitten wir jährlich dieses Gemeindekirchgeld. Wie hoch das Kirchgeld ausfallen soll, ist natürlich jedem frei gestellt. Es gibt aber einen unverbindlichen Richtwert für den jährlichen Betrag, und der beträgt 5 bis 10 Prozent eines Monatseinkommens.

Das Kirchgeld kann im Pfarramt oder bei einer oder einem Ältesten eingezahlt oder auf das Gemeindekonto (Kontonummer 18 27 02, BLZ 100 602 37, Stichwort "Kirchgeld") überwiesen werden. Egal, ob Sie die Gemeinde oder einzelne Arbeitsbereiche durch Spenden unterstützen oder Kirchgeld zahlen - die Beträge sind (genau wie die Kirchensteuer selbst) steuerlich absetzbar, auf Wunsch erhalten Sie dafür eine entsprechende Bescheinigung.

Für die bisherige Unterstützung, die Gemeinde auch im vergangenen Jahr wieder erhalten hat, möchten wir allen herzlich danken!

Uwe Müller

Ökumenischer Jugendkreuzweg: Menschensohn

Wie in jedem Jahr, sind in den Kirchengemeinden Deutschlands am Freitag vor Palmsonntag aufgerufen, den Ökumenischen Kreuzweg der Jugend mitzugehen. In den Kirchenkreisen Pankow und Weißensee hat dieser Jugendkreuzweg eine lange Tradition. Und so werden auch in diesem Jahr wieder viele Jugendliche eine ganze Nacht von Kirche zu Kirche ziehen, wo jeweils eine der insgesamt sieben Stationen durch eine Junge Gemeinde gestaltet wird.

Die Überschrift unter der der Kreuzweg in diesem Jahr steht, heißt Menschensohn. Mit diesem alten biblischen Titel für den Retter, den Messias knüpft der Kreuzweg an die Hoffnungen des Volkes Israel auf Gerechtigkeit und Frieden an - Hoffnungen, die auch für uns lebendig sind. Illustriert wird der Kreuzweg in diesem Jahr durch den Künstler Hans-Hilmar Seel.

Der Kreuzweg in unseren Kirchenkreisen beginnt am 14. März, um 23.45 Uhr in der Hoffnungsgemeimde in Pankow und führt dann über Heinersdorf, Blankenburg, die katholische und die evangelische Kirche in Buchholz, die Kirche Alt-Karow bis zum Gemeindezentrum in Karow-Nord, wo es für alle, die durchgehalten haben, gegen Morgen auch wieder ein Frühstück geben wird.

Die Junge Gemeinde Heinersdorf gestaltet die zweite Station mit dem Titel Last tragen (siehe Foto auf der Titelseite).

Ines Frentz und Uwe Müller