September / Oktober / November 2007

"Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele."
Matthäus 16, 26a, Monatsspruch September

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde,

die Urlaubszeit liegt nun für die meisten von uns wieder hinter uns. Ich hoffe, Sie alle hatten eine gute Urlaubszeit und haben sich gut erholt. Unabhängig davon, ob Sie in weiter Ferne waren, Verwandte oder Freunde besucht haben oder einfach zu Hause geblieben sind.

Die Ansprüche und Erwartungen in unserer heutigen Zeit sind oft sehr hoch. Denken wir etwa an die Anforderungen im Berufsalltag. Die Leistungsgesellschaft fordert viel. Oder die Erwartungen, die in der Familie an einen gestellt werden oder die wir selber stellen - Wünsche von Freunden, Nachbarn und anderen Menschen. Da ist es fast unmöglich, allen diesen Erwartungen zu entsprechen. Man fühlt sich manchmal zwischen den vielen Ansprüchen hin- und hergerissen. Und wenn dann die Urlaubszeit kommt, überträgt man schnell diese Ansprüche auf den Urlaub. Jetzt muss alles perfekt sein. Jetzt darf einen gar nichts mehr stören. Jetzt muss alles harmonisch, einfach wunderbar sein. Die Bilder, die uns im Fernsehen und in der Werbung vermittelt werden, verstärken diesen Druck. Die Werbung verspricht uns einen Traumurlaub - so als könnte man in diesen zwei oder drei Wochen die ganze Welt gewinnen.

Der Traumurlaub bleibt in der Regel ein Traum. Und bei manchem, was zu Beginn berauschend und verlockend erscheint, bleibt nur ein schales Gefühl zurück. Die Urlaubszeit ist nämlich eine ganz normale Zeit - so, wie wir doch dieselben bleiben im Alltag und im Urlaub. Unsere Eigenarten, unsere Stärken und unsere Schwächen, die nehmen wir auch auf die weiteste Reise mit. So hat die eventuelle Enttäuschung über einen Urlaub oft die Ursache in der falschen Erwartung.

Aber sind unsere Wünsche nicht trotzdem berechtigt? Jeder wünscht sich doch, mal auszuspannen, zur Ruhe zu kommen, sich wohl zu fühlen. Und jeder hat Sehnsucht nach einem gelingenden Leben. Wer möchte nicht lieber glücklich sein?

Alles das ist berechtigt und völlig legitim. Und neu ist das Problem übrigens auch nicht. Deshalb stellte Jesus vor bald 2.000 Jahren öffentlich die Frage: "Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?"

Was nützt es, wenn ich so viel verdiene, dass ich alles kaufen könnte, aber innerlich an dem Druck des Arbeitsalltags zerbreche? Was nützt es, wenn ich alles gewinne, wenn ich Neuem nachjage und dabei mich selbst verliere? Was nützen Reichtum und Erfolg, wenn man Gesundheit, Zufriedenheit und ein gelingendes Leben nicht kaufen kann?

Ja, was nützt das? Im Blick auf diese schwierigen Fragen beeindruckt mich immer wieder ein Satz, der in einem katholischen Gottesdienst gesprochen wird. Im Urlaub hatte ich die Gelegenheit, mal wieder eine katholische Messe zu besuchen. Während des Abendmahls gibt es da ein Gebet, das an Gott, an Jesus Christus gerichtet ist mit dem Wortlaut: "Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund."

Die Sehnsucht nach Trost wird hier ganz deutlich ausgesprochen. Und dieser Wunsch wird nicht unbeantwortet bleiben. Auch in unseren Gottesdiensten in Heinersdorf können wir diese Erfahrung machen, auch wenn dieser Satz in unserer evangelischen Liturgie (in der Regel) nicht vorkommt. Wir spüren, wie es unserer Seele gut tut. Wir erleben Gemeinschaft und merken, dass wir uns in der Gemeinde gegenseitig helfen können.

Wir alle sind eingeladen, uns von Gott Kraft geben zu lassen und zu erleben, wie die Gemeinschaft mit Jesus Christus uns in unserem Leben hilft. Wenn wir ein Stück davon erleben, dann scheint mir das noch schöner zu sein als ein gelungener Urlaub.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Zweimal 35 Jahre im Dienst der Kinder

Am 1. August 1972 begann Hildegard Dietrich im Rahmen ihrer Ausbildung zur Erzieherin ihr Anerkennungsjahr im Heinersdorfer Kindergarten. Damals konnte sie ihre frisch erworbenen Kenntnisse gleich in die Praxis umsetzen: Ihr Dienst begann mit einer großen Ferienfahrt, die sie gemeinsam mit einer Kindergruppe für mehrere Wochen an die Ostsee führte.

Dass sich ihre Wege mit denen des Heinersdorfer Kindergartens später noch einmal kreuzen und sich gleichsam eng umschlingen sollten, ahnte damals wohl noch niemand: Nachdem Sie in der Zwischenzeit im Seminar für Kirchlichen Dienst im benachbarten Weißensee selbst Erzieherinnen ausgebildet hatte, nahm Hildegard Dietrich, die heute Hildegard Seifert heißt, auf den Tag genau 20 Jahre später, am 1. August 1992, ihren Dienst als Leiterin der Heinersdorfer Kita auf, den sie bis heute mit großem Einsatz und viel Energie versieht.

In diesem Jahr kann Hildegard Seifert, die im September 57 Jahre alt wird, somit gleich zwei große Dienstjubiläen begehen: 15 Jahre als Leiterin unseres Kindergartens und 35 Jahre im Dienst der Evangelischen Kirche und im Dienst der Kinder. Der gute Ruf, den der Evangelische Kindergarten in Heinersdorf heute genießt und die anerkannte Qualität sind vor allem mit ihrem Namen verbunden. Dasselbe gilt für die enge und gute Zusammenarbeit mit anderen Bereichen der Gemeinde, die sich im Konzept der Kita ebenso wiederfindet wie ein konsequenter religionspädagogischer Ansatz und ein ganzheitliches Verständnis, das jedes Kind als vollwertigen Menschen sieht, dem bei allen erzieherischen Ansprüchen mit Respekt und Würde zu begegnen ist.

Noch ein paar Monate eher, am 1. Juni 1972 begann Beate Kolmsee ihren Dienst als Köchin und Wirtschaftskraft im Heinersdorfer Kindergarten. Die heute 58jährige, die seither ununterbrochen hier tätig war, ist somit die dienstälteste Mitarbeiterin der Kita und konnte in diesem Jahr ebenfalls ihr 35jähriges Dienstjubiläum feiern. Wie ein Fels in der Brandung hat sie die vielen personellen Wechsel und die Höhen und Tiefen des Kindergartens überdauert.

Beate Kolmsee hat nicht nur für das leibliche Wohl und das allgemeine Wohlbefinden ganzer Kindergenerationen in Heinersdorf gesorgt. In ihrer Küche bildet sie neben den Erzieherinnen eine ganz eigene Instanz, die sie mit ihrer direkten und verbindlichen Art ausfüllt und die Kindern und wohl auch Eltern und anderen Mitarbeiterinnen in vielen Situationen eine lieb gewonnene Anlaufstelle ist, die niemand missen möchte.

Wir blicken mit großer Dankbarkeit auf die langjährige Tätigkeit dieser beiden Mitarbeiterinnen, die die Heinersdorfer Kita mit ihren unzähligen Kindern auf ihre jeweils ganz eigene Art geprägt haben und noch heute prägen, und bedanken uns für ihr unermüdliches Engagement. Für ihre weitere Tätigkeit wünschen wir beiden viel Kraft und Gottes Segen.

Uwe Müller

Förderverein für die Kantorei

In nahezu jedem Gemeindeblatt werden sie angekündigt: Konzerte, musikalisch ausgestaltete Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen, dazu die wöchentlichen Chorproben, regelmäßige Wochenendfahrten und anderes mehr. Die Heinersdorfer Kantorei, die seit mehr als 46 Jahren durch Kantor Wolfgang Hensel geleitet wird, gehört mit den beiden Kinderchören, dem großen Chor und dem Streichorchester collegium musicum zu den lebendigsten Teilen unserer Gemeinde, die naturgemäß nicht nur für sich selbst lebt, sondern eine große Außenwirkung entfaltet.

Aber die vielen großen und kleinen Aufführungen, die die Kantorei zu Gehör bringt, lassen sich nicht allein mit dem Engagement der vielen Mitwirkenden tragen. Für Honorare, die Beschaffung von Notenmaterial und die Pflege und Wartung von Instrumenten sind finanzielle Aufwendungen notwendig, die sich mit den Jahren noch erhöhen werden, wenn das aktuelle Niveau der Angebote bestehen bleiben soll.

Mitglieder der Kantorei und des Gemeindekirchenrates planen daher, noch im Herbst 2007 einen Förderverein zu gründen, mit dem die Aktivitäten der Heinersdorfer Kantorei finanziell unterstützt werden können. Als Fördermitglieder sollen Menschen gewonnen werden, denen der Fortbestand der musikalischen Arbeit in Heinersdorf ein wichtiges Anliegen ist. Mitgliedsbeiträge und Spenden werden aufgrund der angestrebten Gemeinnützigkeit des Vereins steuerlich absetzbar sein.

Wenn Sie Interesse daran haben, mit der Unterstützung des Vereins ein wichtiges kulturelles und soziales Zentrum in Heinersdorf sichern zu helfen oder sich mit eigenen Ideen einbringen möchten, wenden Sie sich bitte an uns.

Uwe Müller

GKR-Wahl am 4. November

Am Sonntag, dem 4. November finden in Heinersdorf Wahlen zum Gemeindekirchenrat (GKR) statt. Der GKR, der in unserer Gemeinde aus sieben gewählten Mitgliedern (so genannten Ältesten), dem Pfarrer sowie ggf. weiteren berufenen Mitgliedern besteht, ist für die Leitung der Gemeinde verantwortlich und entscheidet unter anderem über den Haushaltsplan - also die Verwendung der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel für die Gemeindearbeit. Er beschäftigt sich aber vor allem auch mit inhaltlichen Themenfeldern - etwa der Durchführung von Gemeindeveranstaltungen, der Unterstützung einzelner Kreise und Arbeitsbereiche, der Gewinnung, Unterstützung und Begeleitung ehrenamtlicher Mitarbeiter oder der Gestaltung der gottesdienstlichen Liturgie. Daneben sind Grundstücks- und Baufragen, die Trägerschaft der Kita und viele weitere Themen Gegenstand der monatlich stattfindenden Beratungen. Außerdem vertritt der GKR die Gemeinde nach außen.

Alle drei Jahre wird jeweils die Hälfte der Ältesten durch Gemeindewahl neu bestimmt und für die Dauer von sechs Jahren gewählt. In diesem Jahr sind drei Älteste und zusätzlich vier Stellvertreter zu wählen. Die Wahl findet am 4. November in der Zeit von 9 bis 14 Uhr im Gemeinderaum hinter der Kirche statt. Die Briefwahl ist möglich und muss bis spätestens 31. Oktober beantragt werden. Wahlberechtigt sind alle Gemeindeglieder, die das 14. Lebensjahr vollendet haben. Sie erhalten bis Ende Oktober individuelle Wahlbenachrichtigungen. Das Wahlberechtigtenverzeichnis liegt in der Zeit vom 20. bis 30. Oktober im Pfarramt zur Einsicht aus.

Einige bisherige Älteste bzw. Stellvertreter stellen sich in diesem Jahr nicht wieder zur Wahl. Gesucht werden daher noch geeignete Kandidatinnen und Kandidaten für die GKR-Wahl. Entsprechende Vorschläge können dem amtierenden GKR bzw. der Wahlkommission noch bis zum 10. September zugeleitet werden. Die Liste mit allen Kandidierenden wird Anfang Oktober veröffentlicht - unter anderem im Schaukasten vor der Kirche. Dann wird es im Rahmen eines Gottesdienstes auch eine Kandidatenvorstellung geben.

Bei Fragen rund um die GKR-Wahl (Vorschlagen von Kandidaten, Antrag auf Briefwahl, Beschwerde bei Nichteintragung ins Wahlberechtigtenverzeichnis usw.) wenden Sie sich bitte an die Wahlkommission, die aus folgenden Personen besteht: Sebastian Hein (Vorsitzender), Dr. Hermann Linsel, Gerd Müller, Pfarrer Andreas G. Kaehler.

Uwe Müller

Baugrundstücke in der Ingeborgstraße

Eine ganze Zeit nachdem die Gemeinde Heinersdorf 1909 wieder eine eigenständige Kirchengemeinde geworden war, wurde ein Grundstück erworben, um dort die Möglichkeit zu haben, eventuell eine zweite Heinersdorfer Kirche zu bauen. Das Vorbild dafür war die Kirchengemeinde Weißensee.

Aber eine zweite Heinersdorfer Kirche wurde dann doch nicht benötigt, so dass man das Grundstück in kleinere Gartenstücke aufteilte. Nach der Wende sind daraus dann Baugrundstücke geworden.

Drei bzw. vier Grundstücke, die noch nicht vergeben sind, kann die Kirchengemeinde nun auf Erbbaurechtsbasis anbieten. So besteht die Möglichkeit, auf einem günstigen Grundstück ein Einfamilienhaus oder Zweifamilienhaus zu errichten. Damit unsere Gemeindeglieder von diesem Angebot als erste erfahren, geben wir dies in unserem Gemeindebrief bekannt. Die Grundstücke liegen in der Ingeborgstraße 9.

Die beiden ersten Grundstücke haben jeweils eine Größe von etwa 780 m˛. Diese könnten unter Umständen auf drei Erbbaurechte aufgeteilt werden. Das dritte Grundstück mit einer Größe von 781 m˛ könnte auch in zwei Grundstücke bzw. Erbbaurechte aufgeteilt werden (Doppelhaus).

Wir haben uns entschieden, diese Grundstücke nicht als Paket einem Investor anzubieten, sondern an Privatleute in Form von Erbbaurechten abzugeben, die sie dann selbst bebauen. Dies kann aber nur dann gelingen, wenn sich für alle Grundstücke Interessenten finden.

Für nähere Auskünfte wenden Sie sich bitte an Pfarrer Kaehler (Tel. 472 40 35).

Pfarrer Andreas G. Kaehler

andere achten: Friedensdekade 2007

In der Zeit vom 11. bis 21. November 2007 findet die diesjährige Ökumenische Friedensdekade statt, die unter dem Motto andere achten steht. Mit der Friedensdekade, die es in (Ost- und West-)Deutschland seit 1980 gibt, wird das Ziel verfolgt, das Engagement von Christen in Friedensfragen zu stärken.

Hintergrund des diesjährigen Mottos ist die Idee, Anerkennung, Achtung, Rücksicht und Wertschätzung im Umgang mit anderen Menschen, unabhängig von Alter, Religionszugehörigkeit‚ sozialer oder ethnischer Herkunft zu fördern.

Auch in Heinersdorf gibt es seit vielen Jahren Andachten und Veranstaltungen anlässlich der Ökumenischen Friedensdekade.

Eine detaillierte Planung für die zehn Tage im November gibt es bisher noch nicht. Dafür sind wir für Anregungen, Ideen und Vorschläge zur Umsetzung offen und dankbar und laden Sie schon jetzt herzlich zu allen Veranstaltungen im Rahmen der Friedensdekade 2007 ein.

Uwe Müller

Kindergottesdienst

Liebe Eltern, liebe Kinder,

in Heinersdorf gibt es wieder eine Neuigkeit: Es gibt nun wieder an jedem Sonntag während des Gottesdienstes auch einen Kindergottesdienst - sogar in den Ferien.

Die Kinder sind wie gewohnt am Beginn des Gottesdienstes mit in der Kirche, hören dann während der Predigt separat eine Geschichte, spielen, singen und basteln und kommen dann zum Abendmahl wieder herein.

Wir freuen uns, wenn möglichst viele Kinder zum Gottesdienst kommen. Also, nächsten Sonntag um 10 Uhr schon etwas vor? Vielleicht sehen wir uns.

Eure Michaela Kaehler, Manja Christiansen, Sebastian Hein und Doreen Kohlstock

   Was bedeutet "Gottes Segen"?

"An Gottes Segen ist alles gelegen" - so heißt es in einem alten Sprichwort. Aber was genau bedeutet Gottes Segen, und können wir ganz persönlich eigentlich immer mit dem Segen Gottes rechnen?

Segen - das hat zunächst sehr viel mit Liebe zu tun: Es ist ein Segen, wenn es nach langer Trockenheit endlich regnet oder auch, wenn nach vielen Regentagen wieder die Sonne scheint. Ein Mensch mit Herz und Verstand ist ein Segen inmitten seiner Umwelt. Ein Segen ist es, wenn wir Menschen um uns haben, die uns lieben. Es ist auch ein Segen, wenn wir nach der Mühe des Tages in ein sicheres, gemütliches Zuhause zurückkehren können. Das sind nur einige Beispiele von vielen, die zeigen, dass Segen und Segnen immer etwas Gutes ist. Das heißt aber nicht unbedingt, dass Gott alle Schwierigkeiten an uns vorübergehen lässt. Auch Gesegnete kennen Schwierigkeiten! Es bedeutet aber, dass wir mit Gottes Hilfe alle Schwierigkeiten durchstehen, dass wir in den Kämpfen des Lebens in Gott geborgen bleiben.

Es ist so - in einem Beispiel gesagt - wie wenn ein Soldat in den Krieg ziehen müsste und von vorne herein wüsste, dass er zwar Schweres wird durchleben müssen, dass er aber lebend und ohne Schaden zu nehmen, wiederkommen würde. David, der Hirte und spätere König von Israel, hat darum gewusst und bezeugt in Psalm 23: "Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück! Denn Du - mein Gott - bist bei mir!" Wenn wir das für unsere Zukunft sicher wissen - Gott ist bei mir - dann ist das mehr als nur ein Trost, dann ist das eine Kraftquelle, die uns Mut gibt weiterzumachen wenn es schwierig wird und durchzuhalten, wenn die Kräfte schwinden wollen.

Und wie ist es mit den "Voraussetzungen" für den Segen Gottes? Gibt es denn überhaupt solche Voraussetzungen? Vielleicht kann man es so sagen: Damit wir gesegnet werden können, müssen wir eine bestimmte Einstellung haben. Das kann man an einem kleinen Beispiel deutlich machen: Ich sitze auf einer Parkbank - um mich herum Blumen, Schmetterlinge, Vogelgezwitscher - alles, was ich schön finde. Die Sonne wärmt angenehm - und ich bin in all der Pracht todtraurig und verzweifelt, ohne Hoffnung. Ich weiß nicht, wozu ich eigentlich unterwegs bin. Es hat alles keinen Sinn. Niemand wartet auf mich. Wenige Wochen später ist äußerlich alles genau so wie eben beschrieben. Doch ich sehe jetzt die Schönheit um mich herum, freue mich über die wärmende Sonne und bin überglücklich. Dabei bin ich allein. Aber ich habe etwas gefunden. Ich habe ein Buch in der Hand und lese gierig darin - ein Buch von meinem neu gefundenen Freund. Er spricht durch dieses Buch zu mir, als säße er neben mir auf der Bank.

Ich habe verstanden und erlebt, dass er mich sehr liebt. Es ist Jesus, der Lebendige, der Auferstandene und Gegenwärtige. Ich hatte von ihm gehört und konnte glauben. Endlich: Das erste Mal im Leben jemand, der mir gehört und ich ihm.

Dankbarkeit erfüllt mich - und das ist das Geheimnis, durch das man gesegnet wird von dem lebendigen Gott. Zum Segnen gehören ja immer zwei - der eine hat eine Gabe, die er in liebevoller Gesinnung schenken will. Der andere ist arm und braucht diese Gabe dringend und verlangt danach. Er wird mit dieser guten Gabe - was es auch sei - gesegnet werden, wenn er eine "herzliche Beziehung" zum Geber hat. Er wird die Gabe nicht bekommen, wenn er drohend fordert oder heimtückisch schmeichelt.

Segen von Gott ist immer eine freiwillige Gabe der Liebe an einen Menschen, der mit aufrichtigem Herzen danach verlangt. Gott möchte uns übermäßig beschenken, um uns seine Liebe zu erweisen und seine Menschen zu fördern. Die sichtbare Spitze dieses "Eisberges" der Liebe Gottes ist das größte Geschenk von allen: "Gott, der sogar seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken?" (Römer 8,32) Bei seiner Himmelfahrt führte der Herr Jesus seine Jünger hinaus bis nach Bethanien und hob die Hände auf und segnete sie (Lukas 24,50). Und so dürfen auch wir uns immer wieder daran erinnern, dass dieser Segen auch uns gilt. Aber er gilt uns ganz persönlich nur dann, wenn wir wirklich sagen können, dass wir Jünger Jesu sind. Ein Jünger Jesu ist der, der seine Sünde unter das Kreuz Jesu brachte und sein Leben ihm ganz bewusst ausgeliefert hat. Wenn das so ist, dann ist keine Macht der Welt fähig, aufzuhalten oder zu verhindern, was unter Gottes Segen steht.

Denn das ist das Großartige am Segen Gottes: er nutzt nicht nur uns, sondern macht uns fähig, Segen weiterzugeben. Und was wäre angebrachter als mit einem Segenswunsch zu schließen, denn auch wir, die Gesegneten des Herrn, dürfen in seinem Namen segnen: "Und der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden" (4. Mose 6,24 - 26).

Manja und Mathias Christiansen