April / Mai 2007

"Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn."
Römer 14, 8b, Monatsspruch April

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde,

wir sind es gewohnt, zwei Mal im Jahr die Uhren umzustellen. Zum Beginn der Sommerzeit stellen wir die Uhr eine Stunde vor. Und dann vor dem Winter stellen wir die Uhren wieder eine Stunde zurück. Wir denken da kaum noch darüber nach, so selbstverständlich ist das geworden. Und manch einer überlässt die Umstellung der Automatik einer Funkuhr.

Egal, ob wir Sommerzeit oder Winterzeit haben, finden wir im christlichen Glauben Antworten auf Fragen unseres Lebens. Es macht keinen Unterschied. Wir dürfen immer Gott vertrauen.

Manchmal, so scheint es, ticken die Uhren aber ganz anders. Und zwar, wenn Dinge zusammenfallen, die überhaupt nicht zusammengehören. Leben und Tod zum Beispiel. Ostern, das ist so ein Datum. Da feiern wir, dass alles anders gekommen ist, als wir Menschen uns das so vorstellen. Jesus war an Karfreitag am Kreuz gestorben - ermordet vor den Toren der Stadt. Die Trauer war groß, seine Freunde versteckten sich aus Angst. Die große Hoffnung, die sie auf Jesus gesetzt hatten, schien zu Nichte gemacht worden zu sein.

Dann kam die überraschende Nachricht. Alles dieses Schlimme ist wirklich passiert. Aber Jesus lebt. Er ist auferstanden von den Toten. Frauen waren die ersten, die es mit eigenen Augen gesehen haben. Dann begegneten immer mehr Zeugen Jesus. Es war nicht mehr zu leugnen und ging um wie ein Lauffeuer.

So feiern wir auch in diesem Jahr wieder Ostern. Wir freuen uns an der Tatsache, dass Jesus auferstanden ist.

Dieses Ereignis hat aber auch Auswirkungen auf unseren eigenen Umgang mit dem Tod. Es ist für uns immer noch sehr schmerzlich. Aber der Tod hat nicht mehr das letzte Wort. Es kommt noch etwas danach. Darauf dürfen wir hoffen als Christen. Es gibt ein Leben nach dem Tod. So ist der Monatsspruch für den April gemeint, auch wenn er sich nicht direkt auf Ostern bezieht: "Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn". (Römer 14, 8b).

Wer einmal erlebt hat, oder sich berichten lässt, wie Christen in Afrika auf Friedhöfen Ostern feiern, der spürt etwas von dieser Hoffnung, die stärker ist als der Tod. Und übrigens - es hat einen guten Grund, dass wir den Brauch mit den Ostereiern pflegen. Denn Eier sind nach alter Tradition ein Symbol des Lebens.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein fröhliches Osterfest und eine gesegnete Osterzeit.

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Geh aus, mein Herz ...

Heute kennen wir ihn vor allem als einen der bedeutendsten Dichter deutschsprachiger Kirchenlieder, dessen oft vielstrophige und aussagekräftige Werke Dutzende Seiten unser Gesangbücher füllen und mit ihren bildhaften und anschaulichen Texten in kaum einem sonntäglichen Gottesdienst fehlen. Doch er machte nicht nur als Lyriker von sich reden. Zu seinen Lebzeiten galt er als streitbarer Theologe, dem seine Prinzipien mehr bedeuteten als Ansehen und Karriere. Die Rede ist von Paul Gerhardt, dessen 400. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern.

Wie in jedem Jahr stehen auch 2007 wieder zahlreiche Jubiläen und runde Geburts- und Sterbetage bedeutender Persönlichkeiten aus mehr oder minder grauer Vorzeit an, derer sich zu erinnern, aus diesem Anlass meist eine gute Gelegenheit bietet. So können wir nach dem allgegenwärtigen Mozart-Jahr 2006 nun unter anderem das Haydn-Jahr (275. Geburtstag), das Euler-Jahr (300. Geburtstag), das Buxtehude-Jahr (300. Todestag), das Eichendorff-Jahr (150. Todestag) und das Elisabeth-Jahr (800. Geburtstag) begehen.

Dass das Jahr 2007 in kirchlichen Kreisen vornehmlich als Paul-Gerhardt-Jahr begangen wird, hängt wohl vor allem damit zusammen, dass die Lieder des vor 400 Jahren im sächsischen Gräfenhainichen geborenen Theologen noch aus heutigen Gottesdiensten nicht wegzudenken sind und trotz ihres Alters an Aussagekraft, Bildhaftigkeit und Aktualität kaum etwas eingebüßt haben.

Paul Gerhardt, der in Wittenberg Theologie studierte, kam bereits 1643 zum ersten Mal in das vom Dreißigjährigen Krieg und den großen Pest- und Pockenepedemien gezeichnete Berlin, wo er zunächst als Hauslehrer arbeitete. Die Kirchenlieder, die in dieser Zeit entstanden, flossen in das von Johann Crüger, Kantor an der Nikolaikirche, herausgegebene Gesangbuch ein. 1651 trat Gerhardt in Mittenwalde seine erste Pfarrstelle an und übernahm dort wenig später auch das Amt des Propstes. In dieser Zeit heiratete er die 15 Jahre jüngere Anna Maria Berthold, mit der er fünf Kinder hatte - vier von ihnen starben noch im Kindesalter.


Paul-Gerhardt-Denkmal vor der nach ihm benannten Kirche in Lübben

Wenig später kehrte Gerhardt nach Berlin zurück, wo er 1657 zweiter Diakon der Nikolaikirche wurde. Dort war er aufseiten der Lutheraner an Auseinandersetzungen mit den Reformierten beteiligt, deren Bekenntnis 1613 zur brandenburgischen Hof- und Beamtenreligion erhoben worden war. Neun Jahre später weigerte er sich, ein durch den Kurfürsten erlassenes Toleranzedikt zu unterschreiben, das die Duldung der evangelischen Konfessionen untereinander vorsah, und nahm seine Entlassung aus dem Pfarrdienst in Kauf. Obwohl diese nach Protesten des Berliner Magistrats und der märkischen Landstände rückgängig gemacht worden war, verzichtete Gerhardt auf seine Rehabilitation und zog 1669 nach Lübben, wo er bis zu seinem Tode im Jahr 1676 die Pfarrstelle inne hatte.

Die zahlreichen von ihm geschriebenen Liedtexte und Gedichte sind, obwohl vielfach unter dem Eindruck großer persönlicher und gesellschaftlicher Not entstanden, von Zuversicht und Geduld, Gottvertrauen und tief empfundener Freude geprägt. Wie wichtig ihm dabei die persönliche und emotionale religiöse Erfahrung ist, mag an der Häufigkeit von Personalpronomen in der 1. Person oder auch des Wortes Herz in den Liedtiteln ermessen werden ("Geh aus mein Herz ...", "Ich singe dir mit Herz und Mund", "Fröhlich soll mein Herze springen ", "Auf, auf, mein Herz mit Freuden" ...). Auch die Schönheit der Schöpfung beschreibt er auf unvergleichliche Art und Weise immer wieder.

Viele Liedstrophen haben Eingang in Oratorien und Kantaten gefunden und weit über den Kreis regelmäßiger Gottesdienstbesucher Bekanntheit erlangt. So bedient sich Bach in seiner Matthäus-Passion der ersten Strophen aus "O Haupt voll Blut und Wunden" und "Befiehl du deine Wege" - einem in genialer Weise an den 37. Psalm angelehnten Lied: Jedes Wort aus dessen Vers 5 ist der Beginn einer der zwölf Liedstrophen. Das Passionslied "O Haupt voll Blut und Wunden" wird heute zum Weltkulturerbe gezählt. Und auch sonst hat Paul Gerhardts Vermächtnis inzwischen viele sprachliche und konfessionelle Grenzen überschritten.

In unseren Gottesdiensten werden sie viel zu selten bis zum Ende gesungen. Wer sich dennoch einmal die Mühe macht, auch die letzten Strophen der langen Paul-Gerhardt-Lieder zu lesen oder zu singen, wird dabei so manchen unverhofften Schatz heben. Viel Freude dabei!

Uwe Müller

   Was ist der Himmel?

Was ist der Himmel - das ist in diesem Zusammenhang eigentlich falsch gefragt, denn richtig müsste es heißen die Himmel, weil das entsprechende hebräische Wort in der Bibel grammatikalisch im Plural steht. Es bedeutet also die Himmel und nicht der Himmel. So lesen wir am Anfang der Bibel auch: "Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde" (1. Mose 1,1). Aber wie das? Gibt es denn mehrere Himmel? Und wenn ja - in welchen Himmel ist Jesus denn dann gefahren, nach seiner leiblichen Auferstehung?

Im Deutschen gibt es nur das eine Wort Himmel. Aber in der englische Sprache beispielsweise gibt es für diesen Begriff zwei ganz verschiedene Wörter: Heaven und Sky. Sky meint den sichtbaren, physischen Himmel die mal blaue, mal wolkenverhangene Luftschicht über uns. Diesen Himmel können wir sehen; ihn mit einem Fernglas beobachten und mit dem Flugzeug oder (sofern wir Astronauten sind) auch mit einem Raumschiff bereisen.

Aber das, was im englischen Heaven heißt - jener "andere Himmel" - das ist der Himmel als die Wirklichkeit Gottes. Von diesem Himmel kann man nicht sagen, dass er über uns sei oder fern von uns oder mit dem Fernglas beobachtbar. Dieser Himmel ist überall da, wo Gott ist. Wenn wir also sagen: Jesus ist "in den Himmel gefahren", dann meinen wir natürlich nicht den sichtbaren Himmel. Denn Jesus kehrte zurück in die lebendige Wirklichkeit Gottes! Er sitzt "zur Rechten Gottes".

Wenn Jesus nur in den sichtbaren Himmel aufgefahren wäre, dann wäre er wohl endgültig weg von uns. Weil er aber in den Heaven zurückgekehrt ist, nämlich zu Gott, ist er uns ganz nahe. Er ist uns nahe, weil Gott uns ganz nahe ist. Der Apostel Paulus sagte auf dem Areopag sogar: "In Gott leben wir, bewegen wir uns und sind wir!" (Apostelgeschichte Kapitel 17 Vers 28).

Gott wohnt nicht irgendwo hinter den Sternen, fern von uns und unerreichbar für uns, sondern er ist ganz nah bei uns. Und er ist überall dort, wo Menschen beten und leben, sich versöhnen und Frieden stiften, sein Wort hören (und in der Bibel lesen!) und Gemeinde im Glauben werden. Wo sie sich der Armen annehmen und die Hungernden speisen. Und wo sie Gott in ihr eigenes Leben aufnehmen. Man könnte es vielleicht auch so ausdrücken: Gott ist überall da, wo man ihn einlädt. Deshalb auch geht der Auftrag Jesu an die Menschen, hier "unten" seine Gegenwart zu erfahren und in seinem Sinn zu handeln. Ihm nachzufolgen, sein Leben mit ihm zu gehen und so seine Nähe zu erfahren.

Man kann also sagen: Der Himmel, den wir über uns sehen, dieser Himmel ist offen für die Forschung der Astronomen und Astronauten.

Der Himmel aber, in den Jesus zum Vater zurückgekehrt ist und aus dem er wiederkommen wird - dieser Himmel kann nur durch die Begegnung mit Gott im Vertrauen auf Gott erlebt und erfahren werden. Und wenn wir an den Himmel denken, der uns für die Ewigkeit verheißen ist, dann ist das ganz sicher nicht der Sky der Weltraumfahrer, sondern der Heaven Gottes. Dort, wo Jesus bereits als erster vorausgegangen ist, um uns die Wohnungen zu bereiten.

Manja und Mathias Christiansen