Februar / März 2007

"Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll."
Römer 8, 18, Monatsspruch März

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde,

"Es wird schon nicht so schlimm kommen." Wir alle kennen dieses tröstende Wort. Wir haben es vielleicht sogar einmal selbst zugesagt bekommen oder anderen damit Mut zugesprochen. Meistens ist es ja wirklich so, wie es das tröstende Wort sagt. Es hat sich alles im Nachhinein als nicht so schlimm herausgestellt oder wurde doch noch zum Guten gewendet. Wenn wir auf unser Leben zurückblicken, dann können wir unzählige Augenblicke und Situationen finden, in denen es so war: Gott hat seine Hand über uns gehalten. Ein Ausspruch wie "Gott sei Dank" wäre da die angemessene Antwort. Aber oft vergessen wir diese Ereignisse, und manchmal haben wir gar nicht bemerkt, wie bedroht wir waren. Bei einem großen Sturm wie gerade am 18. und 19. Januar wird uns das deutlicher vor Augen geführt.

Es ist der Normalfall, dass alles gut geht. So müsste es eigentlich immer sein. Aber "die Welt ist nicht, wie sie sein sollte", wie der Schriftsteller Ödön von HorvŠth einmal festgestellt hat. Es gibt das Böse in der Welt. Seit dem Sündenfall ist das so. Und trotzdem bleiben die schlimmen Ereignisse die Ausnahme. Um so härter trifft uns das dann. Wir sehnen uns nach einer heilen Welt.

Manche behaupten sogar, dass alles immer schlimmer wird. Aber das glaube ich nicht. Leid, das ertragen werden musste, war zu allen Zeiten schlimm - nicht erst in der Neuzeit mit entsetzlichen Kriegen und Krankheiten, die neu entdeckt werden.

Dem Apostel Paulus war das vor fast zweitausend Jahren genau so geläufig wie uns heute. Er denkt darüber nach, was ist, wenn es ganz schlimm kommen sollte. Obwohl die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass das Schlimme wirklich eintritt, gibt es trotzdem etwas, das uns tröstet: Ein Leben nach dem Tod. Wenn alles aus zu sein scheint, dann ist es noch längst nicht aus. Als Christen haben wir eine ganz besondere Hoffnung.

Das drückt der Monatsspruch für den März so aus: "Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll." (Römer 8, 18)

Es wird nicht verschwiegen, dass es Probleme gibt. Aber die Hoffnung, die wir dagegensetzen können ist größer. Diese Hoffnung trägt gerade dann, wenn sonst nichts mehr trägt. Das ist eine Erfahrung, zu der uns der christliche Glaube verhilft. In der Zeit vor Ostern - in der Passionszeit - erinnern wir uns daran, dass Gott uns niemals alleine lässt, und dass Jesus selbst seinen schweren Weg bis zur Kreuzigung an Karfreitag gegangen ist. Das ist eine Hoffnung, die über unsere sichtbare Lebenwirklichkeit hinaus geht, auch über den Tod hinaus. Mit Paulus dürfen wir wissen: Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen, die in Christus Jesus ist.

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Arbeitslos – und was dann?

Auch wenn die jüngsten Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt eine leicht positive Richtung aufweisen, sind nach wie vor viele Menschen von Arbeitslosigkeit direkt oder mittelbar betroffen oder haben Angst, den eigenen Arbeitsplatz zu verlieren. Das persönliche Erleben von Arbeitslosigkeit mit oftmals weitreichenden Auswirkungen auf das eigene Leben lässt sich durch keine Statistik beschönigen. Um mit der schwierigen Situation umgehen zu können, aber auch um sich in Bezug auf die rechtlichen Fragen und Möglichkeiten behaupten zu können, kann Hilfe von außen manchmal sehr nützlich sein.

Das Berliner Arbeitslosenzentrum (BALZ e. V.), in dem auch der Kirchenkreis Weißensee Mitglied ist, bietet Beratung für arbeitslose und durch Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen an, die unabhängig vom Arbeits- und Sozialamt ist. Das BALZ hilft bei der Jobsuche, informiert und berät in sozialrechtslichen Fragen und bietet Raum für Begegnung und Austausch, Gesprächs- und Selbsthilfegruppen.

Die Räume des BALZ befinden sich in der Nazarethgemeinde im Wedding, Nazarethkirchstraße 50, 13347 Berlin (U-Bhf. Leopoldplatz). Telefonische Sprechzeiten für Kurzberatung und Terminabsprachen: Montag und Donnerstag, 9 bis 11 Uhr, Dienstag und Mittwoch, 9 bis 10 Uhr. Informationen im Internet finden sich unter www.berliner-arbeitslosenzentrum.de.

Uwe Müller

Neues aus dem Margaretensaal

Wer zur Adventsfeier Anfang Dezember da war, konnte sie mit eigenen Augen sehen: Die Dank einiger Mitglieder unseres Bauausschusses frisch renovierte Küche im Margaretensaal, in die in diesen Tagen nun auch noch Möbel und Küchengeräte eingebaut werden und die damit endlich zur Nutzung zur Verfügung steht.

Dafür sei nicht nur all jenen gedankt, die mit tatkräftiger Unterstützung zur Fertigstellung der Küche beigetragen haben. Wir möchten uns auch bei allen Spenderinnen und Spendern bedanken, die mit ihrer finanziellen Unterstützung zum Gelingen des Vorhabens beigetragen haben.

Auch in diesem Jahr sind weitere Baumaßnahmen vorgesehen: Als nächstes sollen die sanitären Anlagen verbessert und einige Schäden an der Balkonbrüstung des Margaretenhauses repariert werden.

Da die Gemeinde nur über sehr eingeschränkte finanzielle Mittel für die Bauunterhaltung verfügt, sind wir weiterhin auf Ihre Unterstützung angewiesen. Spenden könnnen auf das Konto der Gemeinde (Kontonummer 18 27 02, BLZ 100 602 37, Evangelische Darlehnsgenossenschaft e.G., Kennwort: Margaretensaal) überwiesen oder bei einem GKR-Mitglied bzw. im Pfarramt abgegeben werden. Auf Wunsch stellen wir gerne eine Spendenquittung aus, die bei der Steuererklärung geltend gemacht werden kann.


Adventsfeier 2006 im Margaretensaal

Obwohl noch nicht alles perfekt ist, kann der Margaretensaal bereits für Familienfeiern und andere Veranstaltungen genutzt und gemietet werden. Für Fragen und Auskünfte steht Roland Formum (Tel. 477 18 97, E-Mail saal@gemeinde-heinersdorf.de) zur Verfügung.

Uwe Müller

Auf ein Neues!

Jahreslosung 2007 - Gott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht? (Jesaja 43, 19a)

Es klingt uns noch in den Ohren: Guten Rutsch! Gutes neues Jahr! oder einfach nur Auf ein Neues! Die guten Wünsche für das neue Jahr sind zahlreich. Die Ahnung, dass ein Jahreswechsel hier und da tatsächlich etwas neues mit sich bringt, schwingt gewiss immer mit. Oftmals drückt sich in den formelhaften Worten aber wohl schlicht die Erwartung aus, dass alles so weitergehen möge wie bisher und man vor unvorhergesehenen Neuigkeiten verschont bleibt. Hinzu kommt allzu oft die resignierte Erkenntnis, nach der früher ohnehin alles besser war. Die Jahreslosung für 2007 spricht eine ganz andere Sprache: Sie will auf das Neue hinweisen und uns auf unbekanntes neugierig machen - weit hinaus über den neuen Kalender an der Wand oder erhöhte Steuern.

Man hatte sich ganz gut eingerichtet am Rande der pulsierenden Großstadt. Der laute und dreckige Moloch war zwar nie zur richtigen Heimat geworden - zu fremd waren Lebenswandel, Gewohnheiten, Sprache und Kultur. Aber die Nähe zur Metropole hatte auch ihr gutes: Sie bot Sicherheit, Trinkwasser und Nahrung - keine Selbstverständlichkeiten inmitten einer ansonsten eher lebensfeindlichen Wüste.

Die Rede ist vom Volk Israel, das nach einem verlorenen Krieg nun in einem fremden Land gefangen war und im fernen Babylon sein Dasein fristen musste. Die Menschen trauerten um das Land, das sie verloren hatten und um eine längst vergangene Zeit, in der das Leben unglaublich schön gewesen sein muss. Voll Wehmut erzählten sie sich gegenseitig die alten Geschichten - von Abraham, Isaak und Jakob, von Joseph und von Mose, dem befreienden Zug durch das Schilfmeer, dem Erhalt der Tafeln mit den Zehn Geboten, dem Einzug in das gelobte und ersehnte Land. Die guten Tage vergangener Zeiten schienen ein für allemal ein Ende gefunden zu haben. Und so ergeben sich die Israeliten ihrem Schicksal und einem Leben, das sich nur aus der Vergangenheit und nostalgischen Erinnerungen an sie speist. Einen Einblick in die Gefühlswelt Israels zu dieser Zeit gibt der 137. Psalm, dessen Beter klagt: "An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten ..." und der nicht nur von Heinrich Schütz eindrucksvoll vertont worden ist, sondern auch vielfachen Eingang in die Popmusik unserer Tage gefunden hat ("By the rivers of Babylon ...").

Der resignierten Gleichgültigkeit setzt Jesaja als Prophet Gottes die Forderung entgegen, über Geschichten aus besseren Tagen und gegenwärtiger Trostlosigkeit die Hoffnung auf die Zukunft nicht zu verlieren. Er versucht, den Israeliten die Augen dafür zu öffnen, was sich am Horizont der Zeit längst abzeichnet, für viele aber wohl schlicht nicht vorstellbar ist - ein Neuanfang für Gottes Volk, ein neuer Aufbruch, die bevorstehende Befreiung aus Babylon: "Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihrís denn nicht?"

Damals wie heute kann Neues neugierig, gespannt und erwartungsfroh stimmen, aber eben auch zurückhaltend, skeptisch und ängstlich. Und nicht nur aus der Werbung wissen wir, dass es durchaus eine Rolle spielt, ob und wie eine Neuerung angepriesen wird. Jesaja jedenfalls gibt sich alle Mühe - mit dem Bild der keimenden Saat, das auch uns heute noch anspricht.

In der Kirche neigen wir oft dazu, uns hauptsächlich an Vergangenem und Althergebrachtem zu orientieren - an Traditionen, Bräuchen, liturgischen Formen, Erfahrungen, Geschichten aus alten Zeiten. All das hat gewiss seine Berechtigung - als Kompass, Richtschnur und Wegweiser. Und die Fähigkeit, sich auf die eigene Vergangenheit besinnen zu können, gehört zweifellos zum menschlichen Leben dazu und hat auch in der Kirche ihren Raum. Aber Kirche ist keine Anstalt zur Aufbewahrung der Vergangenheit oder ein Nostalgieverein zur Pflege alten Brauchtums. Wenn wir uns auf Neues nicht mehr einlassen können oder wollen und als Kirche nur noch mit uns selbst und der eigenen Vergangenheit beschäftigt sind, verlieren wir am Ende die eigene Bestimmung vollkommen aus dem Blick.

Der dänische Philosoph und Theologe SøÝren Kierkegaard, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte, hat seine Sicht auf die Kirche seiner Zeit in ein fabelartiges Bild gefasst und geschrieben:

"Die Christen leben wie Gänse auf einem Hof. An jedem siebten Tag wird eine Parade abgehalten, und der beredsamste Gänserich steht auf dem Zaun und schnattert über das Wunder der Gänse, erzählt von den Taten der Vorfahren, die einst zu fliegen wagten und lobt die Gnade und Barmherzigkeit des Schöpfers, der den Gänsen Flügel und den Instinkt zum Fliegen gab. Die Gänse sind tief gerührt, senken in Ergriffenheit die Köpfe und loben die Predigt und den beredten Gänserich. Aber das ist auch alles. Eines tun sie nicht - sie fliegen nicht, denn das Korn ist gut und der Hof sicher."

Als mündige Christen zu Beginn des 21. Jahrhunderts fühlen wir uns angesichts dieser karikierenden Worte vielleicht missverstanden oder auf den sprichwörtlichen Schlips getreten. Oder wir nehmen sie milde lächelnd zur Kenntnis. Jedenfalls können sie uns - wie auch die Jahreslosung für das neue Jahr - Anstoß dazu sein, über unser eigenes Gefangen- und Befangensein nachzudenken und den Blick auf das zu richten, was vor uns liegt - und zwar unvoreingenommen und voller Neugier.

"Wer will, dass die Kirche bleibt, wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt", schreibt der Beauftragte für Spiritualität unserer Kirche Wolfgang Bittner in Anlehnung an das berühmte Zitat von Erich Fried in seinem Buch Kirche - das sind wir, mit dem sich der Gemeindekirchenrat auf seiner Rüstzeit Ende Januar in Lobetal beschäftigt hat.

Wo Menschen an Gott glauben, dürfen sie damit rechnen, dass etwas neues und unerwartetes passiert, dass nichts so bleiben muss, wie es ist - und das nicht nur zum Jahreswechsel.

Uwe Müller

Posaunen zwischen Lobetal und Berlin-Heinersdorf

Ganze 25 Kilometer liegen diese beiden Orte voneinander entfernt - und doch so nahe beieinander. Wie ist das möglich? Für unsere Familien schon, denn unser Familienherz schlägt gemeinsam in Lobetal, das gemeindliche und berufliche Herz ist geteilt.

Ich, Gert Seifert, arbeite schon viele Jahre in der Betreuung behinderter Menschen und engagiere mich in der Gemeinde unter anderem auch im Posaunenchor.

Ich, Hildegard Seifert, arbeite schon viele Jahre als Leiterin des Evangelischen Kindergartens Berlin-Heinersdorf und engagiere mich in der Gemeinde. Eines Abends wurde bei uns die Idee geboren: Wäre es möglich, diese beiden unterschiedlichen Welten in Kontakt zu bekommen - die Anstaltsgemeinde Lobetal mit der so eigenen Prägung und die kleine Großstadtgemeinde Berlin-Heinersdorf mit etwas dörflichem Flair? Eine Einladung an den Lobetaler Posaunenchor wurde geschrieben.

So kam es, dass am Volkstrauertag im Altarraum der Heinersdorfer Kirche viele Stühle standen, der Chor Platz nahm und Kantor Pienky hier die Einsätze gab und Kantor Hensel auf der Empore in die Tasten der Orgel griff.

Der Gottesdienst bekam viele "besondere Noten", und die Töne kamen auch sehr gut an. Sie bauten eine musikalische Brücke zwischen den beiden Gemeinden.

Etliche Töne sind bei uns in Heinersdorf geblieben - vielleicht im Gewand des Engels am Lesepult, auf dem Deckel des Taufsteines oder in einem der Mosaikfenster. Und an den Instrumenten haften bestimmt die Freude und Begeisterung der Gottesdienstbesucherinnen und -besucher, einige Worte aus der Predigt und der Wunsch nach einem weiteren Besuch.

Wie man hören konnte, hat es auch den Blechbläserinnen und Blechbläsern gefallen. Das macht uns Mut und lässt die 25 Kilometer etwas zusammen schrumpfen.

Gert und Hildegard Seifert

Historische Musikinstrumente vorgestellt

Während eines Vortrages im Gemeinderaum stellte Uta Dressler am 12. Dezember historische Musikinstrumente vor. Dabei erklärte sie nicht nur deren Geschichte und Funktionsweise, sondern gab von ihren Instrumenten auch - zum Teil adventliche - Hörproben. Neben diversen Blockflöten und barocken Ausführungen von Oboe und Klarinette sowie einem Rankett, das gern auch als Wurstfagott bezeichnet wird, ging die Referentin auf so genannte BordunInstrumente besonders ein. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass zusätzlich zu der gespielten Melodie ein unveränderlicher Grundton gehalten wird. Frau Dressler führte eine zweirohrige Bordunflöte, einen Dudelsack und eine Drehleier (Foto) vor, die ursprünglich um das Jahr 1000 gespielt wurde und heute nur noch als Nachbau exisitiert. Ein kurzweiliger Abend im Rahmen der Heinersdorfer Vorträge, an dem auch die anwesenden Kinder ihre Freude hatten.

Uwe Müller

Weihnachtsoratorium mit de Maizière

Das Da capo des Eingangschores Jauchzet, frohlocket hatte gerade begonnen, da suchte Wolfgang Hensel, Kantor der Heinersdorfer Kantorei und Dirigent des Weihnachtsoratoriums am Sonnabend, dem 9. Dezember, in der Moabiter Heilige-Geist-Kirche, plötzlich an einer der Kirchenbänke Halt, bevor er über das Orgel-Positiv vornüber stürzte. Vor den Augen hunderter erschrockener Zuhörer und Mitwirkender erlitt der 79jährige einen Schwächeanfall.

Nachdem sich Ärzte aus Chor und Orchester um ihren Dirigenten gekümmert hatten, wurde er durch einen herbeigerufenen Notarzt behandelt und kam in ein Krankenhaus. Die Aufführung der ersten drei Kantaten des Weihnachtsoratoriums wurde anschließend durch Lothar de MaiziŤre weitergeführt und geleitet, der sonst im Orchester Bratsche spielt und am Sonnabend zum ersten Mal ans Dirigentenpult trat. Nach dem tosenden Applaus in der voll besetzten Kirche gab's dann sogar noch eine Zugabe: Den Choral Ich steh' an deiner Krippen hier aus der sechsten Kantate des Weihnachtsoratoriums.

Kantor Hensel konnte das Krankenhaus noch am Abend wieder verlassen und ist wohl auf. Bereits eine Woche später hat er die Heinersdorfer Kantorei erneut in Moabit dirigiert: Zur Bach-Kantate Nun komm der Heiden Heiland anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Heilige-Geist-Kirche.

Uwe Müller

  Sind Wunder wahr?

Was sind eigentlich Wunder? Sind Wunder Ereignisse, die man mit wissenschaftlichen Mitteln (noch) nicht erklären kann, die aber dennoch einen ganz natürlichen Hintergrund haben? Oder sind Wunder nichts als Einbildung?

In der Bibel wird immer wieder von Wundern berichtet. Von den wunderbaren Taten Gottes und von seinem Eingreifen. Gott macht etwas, das die Menschen nicht verstehen. Aber es sind nicht einfach Dinge, die irgendwie geschehen, sondern Gott vollbringt diese Taten ganz bewusst. Er handelt an uns. Gottes Wunder zeigen seine Wirklichkeit und Allmacht, seine Größe, seine Anteilnahme und seine Liebe. Auch Jesus vollbringt immer wieder solche Wunder: Heilungen, Befreiung von negativen Mächten, die das Leben zerstören, oder die Überwindung von Naturgesetzen, so wie beispielsweise bei der Stillung des Sturmes (Matthäus 8,24) oder der Brotvermehrung (Johannes 6,1-14).

Aber - geht das überhaupt? Die Überwindung von Naturgesetzen beispielsweise ist für viele Menschen nicht vorstellbar. Daher meinen sie, diese biblischen Erzählungen seien lediglich als Gleichnis zu verstehen. Aber mal ehrlich: Der, der die Naturgesetze geschaffen hat - der, der Himmel und Erde und Mensch und Tier und alle Dinge gemacht hat - sollte der nicht dazu in der Lage sein, so zu handeln, wie er es will? Sollte der nicht dazu in der Lage sein, die von ihm stammenden Naturgesetze auch mal außer Kraft zu setzen?

Klar, dass wir bei Berichten über solche Ereignisse staunen (und uns wundern): Gott macht etwas möglich, das nach menschlichen Maßstäben nicht funktionieren kann. Doch wenn er eingreift, ist nichts unmöglich (Lukas 1,37).

In der Bibel ist aber nicht nur ein übernatürliches Ereignis ein Wunder, sondern auch das ganz alltägliche Leben: Dass wir jeden Tag aufwachen und weiterleben das ist ein Wunder durch die Gnade Gottes; er schenkt uns das Leben. Oder die großartige Schöpfung auch sie ist ein Wunder Gottes; er hat sie gemacht.

Und so geht es bei den Wundern, die Jesus vollbracht hat, auch gar nicht so sehr um das Außergewöhnliche. Vielmehr sollen sie eines zeigen: Wer Jesus wirklich ist. Dass uns in ihm der wahre Gott ganz nah gekommen ist. In seiner Allmacht und in seiner Liebe. Deshalb nennt das Neue Testament diese Wunder oft auch Zeichen. Denn sie zeigen etwas über den, der solche machtvollen Taten umsetzen kann.

Die biblischen Wunder weisen über sich selbst hinaus auf den, der alle Macht in den Händen hält. Genau darum werden sie auch so nüchtern und so knapp erzählt, ohne Sensationshascherei und Showeffekte. Und deshalb diskutiert die Bibel auch nicht die Frage, ob es Wunder überhaupt geben kann. Sie sind einfach selbstverständlich. Für Gott sind Wunder kein Problem.

Und heutzutage? Gibt es eigentlich auch heute noch Wunder? Wir erwarten bei Wundern ja oft große Ereignisse. Wir sind abgestumpft und sehen die kleinen Wunder, die uns täglich begegnen, gar nicht mehr. Statt für die kleinen Dinge dankbar zu sein, warten wir verbittert auf ein Eingreifen Gottes, ohne zu sehen, dass er es schon längst getan hat. Denn auch heute noch handelt Gott. Aber oft sind wir viel zu schnell dabei, es irgendwie zu erklären. Da sprechen wir dann eher von Fehldiagnose, statt einzugestehen, dass wir uns nicht erklären können, wie ein Kranker geheilt wurde. Oder wir sprechen vom Zufall, anstatt Gottes Eingreifen in unser Leben zu sehen.

Gott handelt noch heute. Mal spektakulär, mal ganz leise. Aber er handelt. Und er macht Sachen möglich, die wir mit unseren Maßstäben nicht erklären können.

Manja und Mathias Christiansen