Dezember 2006 / Januar 2007

"Ihr werdet Wasser schöpfen voll Freude aus den Quellen des Heils."
Jesaja 12, 3, Monatsspruch Dezember

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde,

was erwarten Sie, liebe Leser, in diesem Jahr an Weihnachten? Eine ungewöhnliche Frage, nicht wahr? Da fallen einem persönliche Dinge ein. Man denkt an die Familie, an den Freundeskreis und an gute Bekannte. Vielleicht haben Sie auch schon geplant, wie Sie den Heiligen Abend verbringen, wo und wie Sie feiern werden? Gehört der Besuch eines Gottesdienstes für Sie dazu?

Weihnachten, das ist eine Einladung an uns alle. Der eigentliche Anlass ist ja immer derselbe: "Alle Jahre wieder", wie es in dem Lied heißt. Wir feiern, dass Jesus als Mensch geboren wurde. Gott bleibt nicht in der Ferne, sondern will zu uns kommen.

Etwas davon dürfen wir an Weihnachten erfahren. Die Propheten des Alten Testamentes hatten das schon lange vorher vorausgesagt. Da wird der Erlöser geboren werden. Und wir schauen nun auf dieses Ereignis mit einem Abstand von über 2.000 Jahren zurück. Und wir feiern diese Geburt nun jedes Jahr an Weihnachten. Der Monatsspruch für den Dezember aus Jesaja 12, 3 wurde immer als Ankündigung dafür, dass Jesus in unsere Welt kommt, verstanden: "Ihr werdet Wasser schöpfen voll Freude aus den Quellen des Heils."

Er ist als Spruch für einen Wintermonat ausgewählt. In wärmeren Regionen unserer Erde - etwa in Afrika oder Australien - wäre diese Auswahl nicht weiter ungewöhnlich. Für uns in Mitteleuropa ist das Bild vom Wasser im Winter auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich. "Im Winter, da frieren doch Seen und Flüsse zu. Da kann man doch gar kein Wasser schöpfen", würde ein Schulkind vielleicht einwenden. "Das ist sicher richtig", würde ein Erwachsener antworten. "Aber Jesus hat als er erwachsen war einmal gesagt, wer zu ihm kommt, braucht keinen Durst mehr zu haben. Das ist ein Bild dafür, dass man im christlichen Glauben etwas erfahren kann, wonach man sich sonst sehnt. Bei Jesus bekommt man, was man wirklich braucht." Sehnen wir uns nicht alle, so wie wir manchmal Durst haben, nach Heil? Sehnsucht nach einer heilen Welt, nach Heil für die Seele.

Daran erinnern wir uns in der Advents- und Weihnachtszeit. Wir finden in diesem Kind, das da geboren wird, etwas, womit wir im ersten Augenblick gar nicht rechnen. Diese Entdeckung ist eine Bereicherung. Der Heiland wurde für uns geboren. So ist das Bild von dem Wasser für uns Europäer doch ganz passend. Denn wenn wir durch eine verschneite Landschaft laufen, erkennen wir, dass der Schnee eigentlich Wasser ist. Wenn wir frisch gefallenen Schnee in einen Kochtopf füllen, so können wir damit Tee oder Kaffee kochen. Wer durch eine Schneelandschaft läuft und warm angezogen ist, kann - anders als in der Wüste - eigentlich gar nicht mehr verdursten.

Wir bekommen, was wir brauchen, weil Jesus als Mensch geboren wurde. Jesus, unser Heiland. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und ein gesegnetes Neues Jahr

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Am 20. November hat sich der Gemeindekirchenrat erneut zu einer Sondersitzung getroffen, um gemeinsam über die Frage des geplanten Moscheebaus in Heinersdorf zu beraten. Dabei hat er folgenden Beschluss gefasst, der der Gemeinde hiermit bekannt gegeben werden soll:

"An der Diskussion um das geplante Zentrum der Ahmadiyya Muslim Jamaat e. V. in Heinersdorf hat sich die Kirchengemeinde Heinersdorf als christliche Gemeinde seit dem 6. März 2006 beteiligt, um eine faire Diskussion, die sowohl die Anliegen der Antragsteller als auch die der Heinersdorfer Bürger ernst nimmt, zu befördern und um zu verhindern, dass rechtsextreme Kreise diese Problematik für sich ausnutzen können.

Der GKR Heinersdorf nimmt berechtigte Bedenken des Großteils der Heinersdorfer Bürger und Gemeindeglieder sowie Hinweise aus dem Kreis der Sektenbeauftragten der Evangelischen Landeskirchen ernst. Aus unterschiedlichen Gründen hält der GKR Heinersdorf es mehrheitlich für problematisch, dieses Bauprojekt in Heinersdorf zu verwirklichen.

Er respektiert davon abweichende Positionen auch innerhalb der eigenen Gemeinde und des GKR ausdrücklich. Der GKR Heinersdorf bittet darum, dass seine Mehrheitsposition von der Politik und von anderen Kirchengemeinden respektiert wird. Kirche lebt immer auch von der Vielfalt und von einem offenen, fairen und ehrlichen Dialog.

Der GKR bittet weiterhin alle Beteiligten um eine sachliche und besonnene Diskussion."

Für Fragen und Gespräche stehen Ihnen die Mitglieder des Gemeindekirchenrates gern zur Verfügung.

Uwe Müller (für den GKR)

   Umkehr zu Gott?!

Buße - Was ist das eigentlich? Jedes Jahr aufs neue steht er im Kalender, der Buß- und Bettag. Warum sind Buße tun und beten so wichtig, dass ihnen im Kirchenjahr ein extra Feiertag zugedacht wurde? Dass wir im Gebet in den Dialog mit Gott eintreten und den Kontakt nur durch das Gebet aufrecht erhalten können, mag jedem einleuchten. Aber was hat es mit "Buße" auf sich?

Wenn man ein Wort nur oft genug wiederholt, geht der Inhalt manchmal verloren. Es erscheint einem irgendwie hohl. Und so wundert es nicht, dass in der Kirchengeschichte viele Worte ihren eigentlichen Sinn verloren haben: Sie wurden so oft wiederholt und zum Teil in falschen Zusammenhängen weitergesagt, dass uns ihr ursprünglicher Wortsinn abhanden gekommen ist. So geht es uns mit dem Wort Sünde, das nur noch mit einem Augenzwinkern gebraucht wird. So geht es uns mit dem Ausruf Gott sei Dank, den jeder (meist gedankenlos) gebraucht, egal ob er nun gläubig ist oder nicht. Und so geht es uns eben auch mit dem Wort Buße. Da hat einer dem anderen eins ausgewischt und die erste Reaktion des anderen sind die Worte: "Das wird er mir büßen."

In diesem Zusammenhang ist der Buß-Begriff sicher jedem schon begegnet. Und doch ist er in diesem Fall ganz falsch gebraucht, denn hier meint er: Dafür werde ich ihn bestrafen. Wenn aber Gott sagt Tut Buße!, dann heißt das nicht, dass er uns bestrafen will und auch nicht, dass wir unsere Schuld durch Leiden, gute Werke oder religiöse Übungen abbüßen sollen. Vielmehr werden wir aufgefordert zu überprüfen, ob unser Denken und Handeln im Sinne Gottes sind. Hören wir noch, was Gott uns sagen will? Tut Buße! - Kehrt um! Oder einfach Seht ein, dass ihr auf dem falschen Weg seid und ändert die Richtung! Der Begriff Buße bedeutet im biblischen Sinn also Umkehr. Das griechische "metanoeo", das meistens dem deutschen "Buße tun" zugrunde liegt, bedeutet nichts anderes als "umdenken", "den Sinn ändern" (z. B. Matthäus 3,2; 4,17).

In der Bibel und auch in unserem ganz persönlichen Verhältnis zu Jesus Christus und unserem Vater im Himmel spielt der Begriff Buße eine zentrale Rolle. Die Aufforderungen "Kehrt um!" und "Tut Buße!" finden wir in der Bibel sehr oft.

Seit Jesus, der Sohn Gottes und Mittler zwischen Gott und den Menschen auf diese Welt kam, ist die Aufforderung zur Umkehr zu Gott untrennbar mit der Aufforderung zum Glauben an Jesus Christus verbunden und gilt allen Völkern. Buße (=Umkehr) und Glauben (=Vertrauen) sind die zwei Seiten derselben Medaille, nämlich der Bekehrung, durch die ein Mensch aus seiner Verdammnis und Verlorenheit zum ewigen Leben errettet wird.

Aber auch, wenn ich mich schon zu Jesus Christus bekehrt habe, gilt: Wenn ich danach wieder des "geistlichen Ehebruchs" schuldig geworden bin (was ich immer wieder im Licht des Wortes Gottes überprüfen soll), dann ist Buße, Umkehr, Demütigung vor Gott notwendig, verbunden mit einer vertrauensvollen Hinwendung zu Jesus Christus, der für mich gestorben ist, der mein Fürsprecher bei Gott dem Vater ist mein Vorbild, mein Freund, mein Herr.

Die Aufforderung Buße zu tun, ist eine Aufforderung umzudenken, umzukehren: Weg von meiner Gott-losen Gesinnung und von meinem Gott-losen Lebenswandel hin zu einem Leben, in dem ich Gott und seinen Willen in den Mittelpunkt stelle. Und "Gott-los" meint hier nicht "atheistisch", sondern das, was es wörtlich bedeutet: los von Gott, ohne Beziehung zu ihm, ohne ihn in die eigenen Pläne und Handlungen einzubeziehen. Darum: Tut Buße und betet!

Der Buß- und Bettag liegt in der letzten Woche des Kirchenjahres. Das macht Sinn, denn wenn wir Buße tun, dann lassen wir altes hinter uns. Zuversichtlich gehen wir der Zukunft entgegen. Und die (mit dem neuen Kirchenjahr beginnende) Adventszeit lädt uns ein, uns das bewusst zu machen: Gott hat sich auf den Weg zu uns gemacht, ist uns entgegengekommen. Unsere Schuld ist uns vergeben; wir können ganz neu anfangen. An uns ist es nun, dieses großartige Geschenk anzunehmen: den Kontakt mit Christus neu aufzunehmen, unser Leben auf ihn auszurichten und ihn an der Gestaltung unseres Lebens teilhaben zu lassen.

Manja und Mathias Christiansen