September / Oktober / November 2006

"Du aber, unser Gott, bist gütig, wahrhaftig und langmütig; voll Erbarmen durchwaltest du das All."
Weisheit 15, 1, Monatsspruch September

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde,

in einer sternklaren Nacht sind auch in Berlin die Sterne am Himmel zu sehen. Schaut man bei gleich guten Wetterbedingungen im Urlaub - etwa auf dem offenen Meer oder jenseits großer Städte - in den Nachthimmel, so wird man mehr Sterne entdecken als am Großstadthimmel. Man sieht dann noch mehr als sonst. Die Vorstellung von der Größe und Tiefe der Schöpfung wird dann noch deutlicher. Und trotzdem ist das nur ein Bruchteil der Sterne, die es gibt. Unser Auge ist begrenzt. Selbst mit modernsten Fernrohren sieht man nur einen ganz kleinen Ausschnitt von dem, was als "das All" bezeichnet wird. Wir Menschen durchdringen weder mit unseren Augen noch mit technischen Hilfsmitteln das All wirklich. Und trotzdem hatten Menschen immer Sehnsucht, möglichst viel davon zu sehen. In dem Kinderlied "Weißt Du wieviel Sternlein stehen?" kommt dies ebenfalls zum Ausdruck.

Ein berühmter Vers aus dem Buch der Weisheit in den Apokryphen des Alten Testamentes nimmt diese Erfahrung auf: "Du aber, unser Gott, bist gütig, wahrhaftig und langmütig; voll Erbarmen durchwaltest du das All." (Weisheit 15, 1).

Der Mensch erfasst nur einen kleinen Teil der Schöpfung. Gott ist als der Schöpfer des Himmels und der Erde nicht eingeschränkt. Er umfasst die Welt, die für uns unfassbar ist. Es geht hier aber nicht um eine physikalische Diskussion, sondern um noch viel mehr. So wie der Mensch immer nur ein Teil der Welt sehen oder erfassen kann, so kann er doch etwas von Gottes Güte begreifen.

Gottes Liebe zu uns Menschen spiegelt sich zwar schon in der Schöpfung. So richtig erkennbar wird Gottes Güte aber in Jesus Christus. Da kam Gott in unsere Welt und wandte sich uns zu mit all unseren Fragen und Sorgen. Und wenn man hinaufschaut in den Abendhimmel, da erinnern wir uns vielleicht an das Dichterwort "Über dem Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen".

So wünsche ich Ihnen viele spannende und nachdenkliche Blicke in den spätsommerlichen und herbstlichen Abendhimmel.

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Weihnachten im Schukarton

Viele Gemeindeglieder hatten sich schon im letzten oder vorletzten Jahr an der Aktion Weihnachten im Schuhkarton beteiligt. Dabei geht es darum, mit einem mit kleinen Geschenken gefüllten Schuhkarton einem Kind in Osteuropa oder in der Dritten Welt zu Weihnachten eine Freude zu bereiten. Anita Bernhard aus Blankenburg organisiert auch in diesem Jahr wieder eine Sammelstelle für diese Weihnachtspakete. Die Pakete können wie gewohnt in der Heinersdorfer Gemeinde abgegeben werden: Bis zum 12. November im Pfarramt und zu den Kreisen und nach den Gottesdiensten. Genauere Anmerkungen und Hinweise, unter anderem zu den vorgeschlagenen Inhalten der Geschenkkartons, finden Sie auf einem Informationsblatt, das in der Gemeinde ausliegt.

   Gottes Zehn Gebote - Ende der Freiheit?

Dass eine Gemeinschaft verbindliche Regeln braucht, leuchtet wohl jedem ein. So hat Gott am Berg Sinai mit seinem Volk Israel einen Bund geschlossen, ihm die Zehn Gebote gegeben (2. Mose 20) und damit Israel und darüber hinaus allen Völkern - also auch uns - seinen Willen und seine Lebens und Heilsordnung enthüllt. Zwar leben wir als Christen heute nicht mehr unter dem mosaischen Gesetz sondern unter der Gnade unseres Herrn - dennoch sind die Zehn Gebote als immer gültige Moralgesetze Gottes ganz entscheidend für ein gelingendes menschliches Zusammenleben und

für ein richtiges Verständnis unserer Beziehung zu Gott. Weil die Sehnsucht nach Gott im Menschen angelegt ist, sind die Regeln für unser Verhältnis zu Gott (1. bis 4. Gebot) der wichtigste Bestandteil der Zehn Gebote. Die Gebote fünf bis zehn (Eltern ehren / nicht morden / nicht ehebrechen / nicht stehlen / kein falscher Zeuge sein / nicht begehren, was anderen gehört), die das menschliche Zusammenleben regeln, scheinen zwar lebensnaher zu sein, können aber nicht abgekoppelt von den Geboten für das geistliche Leben gesehen werden (keine anderen Götter haben / kein Götterbild machen und anbeten / den Namen des Herrn nicht missbrauchen / den Feiertag halten).

Das Gotteswort des ersten Gebotes: "Ich bin der Herr, dein Gott!" (2. Mose 20,2) ist für uns Menschen die logische und vernünftige Antwort auf die Sinnfrage des Lebens, nämlich die Zuordnung des Geschöpfes zum Schöpfer. Freilich ist es an uns, diesen Anspruch Gottes zu akzeptieren oder nicht. Es steht uns frei, ob wir Gott als unseren Schöpfer anerkennen oder ob wir uns als ein Produkt von Zufall und Mutation betrachten. Ebenso steht es uns frei, Gottes Gebote anzuerkennen oder nicht.

Die Zehn Gebote Gottes sind uns für ein gelingendes Leben gegeben und darum gut und nützlich für alle Menschen. Aber schränken sie uns nicht ein? Rauben sie uns nicht die Freiheit, nach unserem eigenen Willen zu handeln in allen unseren Angelegenheiten?

Nun, in Südfrankreich gibt es eine besondere Brücke aus der Römerzeit: Die Pont du Gard. Sie trug einst eine Wasserleitung und überspannt ein 50 Meter tiefes Tal. Die Römer hielten, trotz der schwindelerregenden Höhe, ein Brückengeländer für überflüssig. Wozu auch, bei einer Wasserleitung? So ist es bis heute geblieben. Touristen durften bis vor wenigen Jahren in uneingeschränkter Freiheit diese Brücke überqueren. Aber nicht viele taten es. Warum nicht? Ganz einfach: Es ist zu riskant! Besucher, die sich dennoch trauten, das Bauwerk zu überqueren, gingen in respektvollem Abstand vom Brückenrand. Bedächtig wie Hochseilartisten setzten sie jeden Fußtritt. Und vielen von ihnen machte die Überquerung dieser Brücke eines ganz deutlich: Erst die Beschränkung durch ein solides Geländer gewährleistet Bewegungsfreiheit! Und genauso ist es auch mit den Geboten Gottes: Erst durch die Ordnung und Begrenzung ist wirkliche Freiheit möglich.

Im Blick auf Gottes Gebote fühlt sich mancher gemaßregelt und eingeengt. Wie ein Drachen, der an einem Nylonseil hängt und es zerreißt, um noch höher zu steigen, fordert der selbstbestimmte Mensch: "Lass uns Gottes Seile zerreißen und seine Stricke von uns werfen". So steht es im 2. Psalm (Psalm 2,3). Aber anstatt frei zu werden, wird ebendieser selbstbestimmte Mensch abstürzen! Uneingeschränkte Freiheit bedeutet letztendlich den Verlust der Freiheit! Nur in der Anbindung an Christus liegt vollkommene Freiheit. Nur in der Verbindung mit Jesus gibt es Leben im Überfluss. Er behauptet: "Kommt her zu mir, all ihr Mühseligen und Beladenen und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht." (Matthäus 11,29-30).

Und wie steht es um die Einhaltung der Gebote bei uns? Die scheinbar einfachen Grundsätze der Zehn Gebote erweisen sich beim Versuch der Einhaltung in unserem Leben oft als gar nicht so einfach. Der Apostel Paulus wusste um diese Problematik und schrieb in seinem Brief an die Gemeinde in Rom: "Da ist wirklich keiner, der Gutes tut, kein einziger" (Römer 3,12). Aber das erste Gebot ("Ich bin der Herr, dein Gott [...] du sollst keine anderen Götter haben neben mir") ist auch hier der Schlüssel: Wer Gott als den akzeptiert, der er ist, wer sein Vertrauen in diesen Gott setzt, wer Gottes Kraft für sein Leben bewusst in Anspruch nimmt - der kann mit Gottes Hilfe damit beginnen, auch die anderen Gebote einzuhalten. Unsere Antwort auf die Gebote Gottes besteht also in einer verantwortlichen Lebensgestaltung, die um die Bedingtheit menschlichen Handelns weiß, die an Verfehlungen und Schuld nicht zerbricht, sondern im Vertrauen auf die freisprechende Gnade Gottes durch das Opfer seines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, einen Neuanfang möglich macht.

Manja und Mathias Christiansen