Juni / Juli / August 2006

"Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen."
Johannes 6, 37, Monatsspruch Juli

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde,

Wenn im Juni die Fußballweltmeisterschaft beginnt, werden sich vermutlich viele darüber beklagen, dass sie keine Eintrittskarten bekommen konnten. Das Interesse ist viel größer als die Anzahl der vorhandenen Plätze. Noch weniger Leute werden eine Einladung bekommen, in den Stadien umsonst dabei zu sein.

Das motiviert mich, allgemein über Einladungen nachzudenken: Die meisten Menschen werden gern eingeladen. Sie freuen sich, wenn andere sich darüber freuen, dass sie kommen. Schon Kinder spüren das ganz genau. Bei ihnen ist die Enttäuschung groß, wenn sie nicht eingeladen sind. Sie beschweren sich, wenn sie irgendwo nicht dabei sein dürfen.

Aber auch Erwachsenen geht es oft so. Sie empfinden es als schade, wenn sie abgewiesen werden. Im täglichen Leben kommt dies aber manchmal vor.

So ist das eben heutzutage, könnte man einwenden. Bei Jesus scheint das aber anders zu sein. Er lädt wirklich ein. Da wird keiner weggeschickt. Da werden Sorgen und Nöte wirklich ernst genommen. Jesus spielt offenbar darauf an, wie oft Erwartungen nicht erfüllt werden. So lesen wir als Monatsspruch für Juli: "Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen." (Johannes 6, 37)

Das klingt so ganz anders als unsere sonstigen Erfahrungen. Hier wird keiner weggeschickt. Wer zu Jesus kommen will, wird nicht abgewiesen. Der Saal oder das Stadion ist hier niemals wegen Überfüllung geschlossen. Es ist genug (Platz) für alle da.

Oder, um ein anderes Bild zu gebrauchen: Es ist immer noch ein Stuhl für mich frei, auf den ich mich setzen kann. Ich darf mich dazusetzen. Ich darf dazugehören zu den Freunden Jesu. Ich darf ausruhen und mich erholen.

So ist diese Einladung ein Bild für die Gemeinde. Auch bei uns in Heinersdorf wollen wir der Einladung Jesu folgen und diese weitergeben. Zugleich ist es aber auch ein Bild für die Urlaubszeit: Sich Zeit nehmen für wichtige Dinge im Leben. Zeit, um über Fragen des christlichen Glaubens nachzudenken. Zeit, um in der Bibel zu lesen. Zeit für die Familie. Zeit für Gespräche mit anderen Menschen. Zeit für ...

So wünscht Ihnen schon jetzt eine gute Ferien- und Urlaubszeit.

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Verabschiedung in den Ruhestand

Am 31. Mai 2006 beendete der Superintendent des Kirchenkreises Weißensee Christoph Telschow seinen Dienst und wechselte in den Ruhestand. Er leitete den Kirchenkreis seit 1989 und damit 17 Jahre lang und führte ihn unter anderem in die von vielen Schwierigkeiten gekennzeichnete Nach-Wende-Zeit. Einen Einblick in die vielfältigen Herausforderungen, die das Amt in dieser Zeit mit sich brachte, gab der scheidende Superintendent in einer bewegenden Rede während der diesjährigen Frühjahrssynode am 1. April im Heinersdorfer Margaretensaal (Foto).

Christoph Telschow, der den Kirchenkreis und die leitenden Gremien durch seine ausgleichende und vermittelnde Art wie kein anderer geprägt hat, ist kein Mensch ohne Kanten. Seine dezidierten Vorstellungen darüber, wie Strukturen und Gesetze sein müssen, damit die Kirche ihre Aufgaben erfüllt und ihren Ansprüchen gerecht wird, verliefen nicht selten konträr zu den Mehrheiten und Entwicklungen in der Landeskirche und ließen ihn oft anecken. Dennoch zieht er ein positives Fazit und blickt dankbar auf seine 17jährige Amtszeit zurück.

Am 28. Mai wurde Superintendent Telschow mit einem festlichen Gottesdienst in der Weißenseer Pfarrkirche verabschiedet. In dieser Gemeinde war er während seiner Amtszeit auch als Gemeindepfarrer tätig. Dort und im Kirchenkreis hinterlässt er nun schwer zu füllende Lücken. Wir wünschen ihm alles Gute und hoffen, dass ihn seine Wege auch zukünftig nach Weißensee und Heinersdorf führen werden.

Uwe Müller

    

Offene Kirche - Mitarbeiter gesucht

Schon im letzten Jahr haben wir damit begonnen, die Heinersdorfer Kirche im Rahmen der Aktion Offene Kirche auch außerhalb von Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen für Besucher zu öffnen. Das Ziel ist es, Passanten die Möglichkeit zu geben, unsere Kirche einmal von innen zu betrachten und dank der Atmosphäre des Raumes mitten im Alltag zur Ruhe zu kommen.

Dies wollen wir auch in diesem Jahr fortsetzen und suchen dafür Menschen, die sich bereit finden, die geöffnete Kirche einmal für einige Stunden zu beaufsichtigen. Dafür steht ein großer und gut sichtbarer Aufsteller bereit, der vor die Kirchentreppe gestellt werden kann. Um Antworten auf bau- und kunstgeschichtliche Fragen von Besuchern geben zu können, gibt es nun außerdem ein Informationsblatt, auf dem die wichtigsten Daten und Fakten über die Heinersdorfer Kirche zusammengefasst sind.

Wer sich an der Aktion Offene Kirche beteiligen möchte, melde sich bitte bei Uwe Müller.

Spendenaktion für den Margaretensaal

Wer in diesen Tagen seine Schritte über den Gemeindehof lenkte, konnte die untrüglichen Zeichen kaum übersehen: Es wird gebaut im Margaretensaal - und es geht voran mit den lange geplanten Arbeiten in der Küche. Wie versprochen soll sie zur diesjährigen Adventsfeier fertig und voll benutzbar sein. Die Heiztherme wurde verlegt, zusätzliche Heizkörper wurden eingebaut. Demnächst wird die Elektrik in diesem Bereich erneuert, und es werden Fliesen in der Küche verlegt. Auch in der Toilette wurde mit den ersten Arbeiten begonnen.

Um die Arbeiten in diesem und im kommenden Jahr fortsetzen zu können, sind wir weiterhin auf Ihre Hilfe angewiesen. Denn die Baumittel der Gemeinde und die Zuschüsse, die wir für das Vorhaben aus dem Kirchenkreis erhalten, reichen zur Deckung der Kosten nicht.

Sie können die Wiederherstellung des Margaretensaals direkt unterstützen, indem Sie speziell für diesen Zweck spenden - unmittelbar im Pfarramt oder bei einem Mitglied des Gemeindekirchenrates oder per Überweisung auf unser Gemeindekonto: Kontonummer 18 27 02, BLZ 100 602 37 (Ev. Darlehnsgenossenschaft), Kennwort: Margaretensaal. Spendenquittungen zur Vorlage beim Finanzamt können ausgestellt werden.

Außerdem wollen wir im Rahmen der Übertragung von WM-Spielen in Heinersdorf (siehe Seite 3) wieder einen Basar und ggf. eine Auktion zugunsten des Margaretensaals durchführen. Dazu benötigen wir möglichst viele Kleinigkeiten, die dafür zu gebrauchen sind und auf diesem Wege ihren Besitzer wechseln könnten. Sollten Sie zum Beispiel bei Ihrem Frühjahrsputz auf Dinge gestoßen sein, die Sie eigentlich nicht mehr brauchen, die zum Wegschmeißen aber natürlich viel zu schade sind und über die sich ein Liebhaber vielleicht noch freuen würde, können Sie diese bis spätestens 20. Juni in der Gemeinde abgeben - im Pfarramt, in einem der Kreise oder nach dem Gottesdienst. Der Basar soll am 24. Juni eröffnet werden.

Aktuelle Informationen über den Fortschritt der Aktivitäten im Margaretensaal finden Sie auch auf unserer Internetseite unter www.gemeinde-heinersdorf.de. Fragen zum Margaretensaal und dem Baugeschehen beantwortet auch der Bauausschuss und dessen Vorsitzender Sebastian Hein.

Kinderrüstzeit 2006

Vom 23. bis 26. März fuhren Kinder aus den Gemeinden Weißensee, Blumberg, Ahrensfelde und Heinersdorf gemeinsam zu einer Rüstzeit nach Waldsieversdorf. Seit vielen Jahren gehört diese Fahrt im Frühjahr zu jedem Christenlehrejahr fest dazu. Sie bietet Kindern aus den unterschiedlichen Gemeinden die Möglichkeit, einander kennenzulernen, ein Thema noch gezielter und umfangreicher zu erarbeiten und gemeinsam Zeit zu verbringen. In diesem Jahr waren wir 28 Menschen, die sich zu dem verlängerten Wochenende in der Märkischen Schweiz trafen.

Das Thema der diesjährigen Fahrt war der Kinderkreuzweg. Einzelne Stationen, die Jesus gehen musste, wurden besprochen und bearbeitet - unter anderem der Einzug in Jerusalem, der Garten Gethsemane, in dem Jesus gefangen genommen wurde, das letzte Abendmahl am Gründonnerstag und die Verleugnung des Petrus.

Neben dem thematischen Teil durfte natürlich auch die Freizeit nicht zu kurz kommen. Als Höhepunkte standen ein Kinoabend und eine Waldführung auf dem Programm. Mit einem kleinen Gottesdienst am Sonntag endete die diesjährige Rüstzeit.

Auf die nächste Freizeit, die nun wieder ein ganzes Jahr auf sich warten lässt, freue ich mich schon jetzt.

Doreen Kohlstock

Kinderkreuzweg

Im April fand zum ersten Mal ein Kinderkreuzweg in unserem Kirchenkreis statt - genauer gesagt in Ahrensfelde. Der Nachmittag bot Eltern und Kindern ab dem Vorschulalter die Möglichkeit, die einzelnen Stationen vor Jesu Tod gemeinsam nachzuvollziehen. Auf der vorangegangenen Rüstzeit Ende März (siehe oben) waren acht Stationen vorbereitet worden. Kinder und KatechetInnen aus den Gemeinden Blumberg, Ahrensfelde, Weißensee, Hohenschönhausen, Schwanebeck und Heinersdorf luden dazu ein.

Der Weg begann am 8. April um 15 Uhr und führte über die Salbung in Bethanien, den Einzug in Jerusalem, die Tempelaustreibung und den Verrat des Judas, das Abendmahl, den Garten Gethsemane, die Verleugnung des Petrus bis hin zur Verurteilung und zur Kreuzigung.

Nach unserem langen Weg gab es auch eine kleine Stärkung sowie die Möglichkeit für einen Austausch. Es war ein schöner gemeinsamer Nachmittag für alle Großen und Kleinen. Auch im nächsten Jahr soll es wieder einen Kinderkreuzweg geben.

Dorren Kohlstock

   Muss man eigentlich beten?

Not lehrt beten - so stand es Anfang dieses Jahres im Schaukasten unserer Gemeinde. Aber: Stimmt das auch? Und was hat es mit dem Gebet überhaupt auf sich?

Beten ist ein Vorgang, der tief in unsere Herzen gelegt ist. Manche Menschen sind lange Jahre ihres Lebens der Meinung, sie müssten nicht beten und würden es auch niemals tun, komme, was wolle. Dann aber stellen genau diese Menschen nicht selten zu ihrer eigenen Verblüffung fest, dass sie sich während einer Extremsituation plötzlich im Gebet wiederfinden: "Lieber Gott, wenn es dich wirklich gibt, dann ..."

Und Gott ist jederzeit zum Gespräch bereit!

Es ist sehr wichtig, Gott zu sagen, was uns bewegt und was wir erbitten. Der Herr weiß zwar sehr genau, was wir brauchen, aber er überlässt es uns zu entscheiden, inwieweit wir in unserem Leben seine Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Er zwingt uns seinen Beistand nicht auf, aber er gibt uns seinen Segen, wenn wir ihn bitten. Es ist daher überaus wichtig, dass wir zu Gott beten, wenn wir etwas benötigen; Jesus selbst sagt ja, wir sollen allezeit beten und nicht denken, es sei unnötig (Lukas 18,1).

Ein gutes Beispiel dafür, dass ein Gebet eben nicht "überflüssig" ist, zeigt die Begegnung des blinden Bettlers mit Jesus, die wir im Markus-Evangelium nachlesen können (Markus 10,46-52) - Jesus geht an dem Mann vorbei, ohne ihn weiter zu beachten. Aber der blinde Bettler schreit: Jesus! Jesus! Heile mich! Darauf hin erst tut Jesus etwas - erst auf diese Bitte hin heilt er den Mann ...

Beten macht das Handeln natürlich nicht überflüssig: Wer auf einem untergehenden Boot sitzt und betet, Gott möge ihn retten, der muss auch nach dem Rettungsring greifen, den Gott vorbei treiben lässt ... Die Jünger Jesu wussten sehr wohl um diesen engen Zusammenhang zwischen Beten und Handeln, denn sie baten Jesus: "Herr, lehre uns beten" (Lukas 11,1). Sie wollten die "Sprache" verstehen, in der sie mit Gott reden konnten.

Wie Gott durch die Bibel zu uns spricht, so sprechen wir zu Gott im Gebet. Aber Beten ist nicht nur Sprechen, sondern auch Zuhören. Die Antwort Gottes auf unsere Fragen, auf das, was uns bewegt, kann man sehr wohl im Gebet erfahren. Wer betet, der lernt sein Leben auch aus der Sicht Gottes zu verstehen. Dafür ist natürlich auch Ruhe und Konzentration auf das Gebet notwendig: Wir dürfen uns nicht ablenken lassen. Aber wie schwer ist das mitunter! Wie oft werden wir erleben, dass gerade dann, wenn wir beten wollen, etwas "dazwischen kommt". Dann ist es besonders wichtig, sich nicht beirren und nicht verwirren zu lassen. Der Widersacher Gottes hat ein immenses Interesse daran, dass wir nicht bewusst und intensiv beten und lässt daher nichts unversucht, uns vom Kontakt zu Gott abzuhalten.

Beten ist immer etwas sehr Persönliches, etwas, was sich zwischen Gott und uns selbst abspielt. Wie ein vertrauliches Telefonat über eine abhörsichere Leitung oder wie ein Vier-Augen-Gespräch. Wir dürfen sprechen, wir dürfen fragen, auch klagen und unsere Schwäche zulassen. Aber wir dürfen auch Danke sagen. Alles, wirklich alles, dürfen wir Gott anvertrauen. Bei ihm ist es nicht nur gut aufgehoben, bei ihm ist es auch an der richtigen Adresse.

Unser Gebet soll dennoch kein Aufsagen unserer Wünsche sein, die wir ungeachtet von Gottes Willen gerne hätten. Das, worum wir Gott bitten, muss in Einklang mit seinem Willen stehen. Darum beten wir im Vaterunser auch "DEIN Wille geschehe!" - Wenn unsere Kinder uns um etwas bitten, müssen wir so manches Mal auch "nein" sagen - nicht um unsretwillen, sondern um unserer Kinder Willen. Später werden sie einsehen, dass unsere Entscheidung richtig war, weil wir den besseren Überblick hatten. Und so geht es auch uns, den Kindern Gottes: Wir werden nicht immer erhalten, worum wir bitten. Und wir werden es nicht immer verstehen, weshalb Gott nein sagt. Aber wir dürfen gewiss sein, dass Gott - eben weil er den besseren Überblick hat - stets die richtige Entscheidung für uns trifft.

Manja und Mathias Christiansen