September / Oktober / November 2005

"Vertrau ihm, Volk Gottes, zu jeder Zeit! Schüttet euer Herz vor ihm aus! Denn Gott ist unsere Zuflucht.
Psalm 62, 9, Monatsspruch Oktober

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde!

Draußen in der Natur zu sein, ist etwas Wunderbares. Nicht nur im Urlaub kann man das erleben. Aber dazu gehört auch, dass das Wetter entsprechend gut ist. Weder sollte es zu heiß sein, noch sollte ein Gewitter bevorstehen. Da ist es dann angesagt, sich einen Schutz zu suchen - etwa Zuflucht in einem Haus mit Blitzableiter zu finden.

Dieses Bild verstehen wir. Wir Menschen suchen Schutz und Geborgenheit. Der Monatsspruch für Oktober erinnert uns daran, dass wir einen solchen Schutz im Glauben an Gott finden. Es ist eine Einladung an uns. Viele andere Bibelstellen weisen uns ebenfalls darauf hin. Genau so ist es dann auch gemeint, wenn Jesus sagt, "Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken."

Es ist eine Einladung an uns, ein Angebot, zur Ruhe zu kommen und Schutz zu finden. Es ist eine Geborgenheit, die mit dem Empfinden zu tun hat. Aber auch äußerlich kann das sichtbar werden - zum Beispiel an einem schönen Kirchengebäude. Man tritt ein, hört Musik oder Worte, die einem wichtig werden. So sind die großen kräftigen Kirchengebäude ein Symbol für den Schutz, den wir im Glauben an Gott finden. Hier können wir zusammenkommen - so wie es auch der Monatsspruch ausdrückt: "Vertrau ihm, Volk Gottes, zu jeder Zeit! Schüttet euer Herz vor ihm aus! Denn Gott ist unsere Zuflucht."

Auf dieses Wort können wir uns verlassen. Aber: Auch ein Kirchturm kann wanken oder sogar einstürzen. Wenn Kriege über eine Stadt oder ein Dorf kommen, wenn Bomben fallen und geschossen wird, dann brennen auch Kirchen, oder Teile davon werden zerstört. Zuletzt ist dies hier in Berlin im Zweiten Weltkrieg oder unmittelbar danach so gewesen. Die Heinersdorfer Kirche hat diese Zeit noch recht glimpflich überstanden. Das Kirchenschiff blieb unversehrt. Nur der Turm und einige andere Stellen wurden beschädigt. Trotzdem war es eine schlimme Zeit, von der ich als Jüngerer nur aus Erzählungen und Berichten weiß.

Wir leben nun lange im Frieden. Das Kriegsende liegt 60 Jahre zurück. Hoffnungen haben sich erfüllt. Im Vertrauen auf Gott wurden auch unzählige Kirchen wieder aufgebaut oder rekonstruiert.

In diesem Jahr steht der Tag des offenen Denkmals, der am Sonntag, dem 11. September stattfindet, unter dem Motto "Krieg und Frieden". Wir wollen in dem Festgottesdienst auch unsere Dankbarkeit für unsere Heinersdorfer Kirche zum Ausdruck bringen. In diesem Gotteshaus können seit über 700 Jahren Menschen unter festem Dach zusammenkommen und dabei wissen, dass Gott unsere Zuflucht ist in guten und in schlechten Zeiten.

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Abschied von unserer Vikarin Karina Nippe

Seit 1. Dezember 2004 ist Frau Nippe in unserer Gemeinde als Vikarin tätig. Aber so ein Gemeindevikariat dauert nur kurze Zeit. Am 11. September müssen wir Sie leider schon wieder verabschieden. Sie wird dann in das Predigerseminar nach Brandenburg wechseln und danach ihr Spezialvikariat absolvieren.

Wir werden dieses Ereignis in der nächsten Gemeindebriefausgabe ausführlich würdigen. So bleibt uns jetzt schon, für ihren Dienst in unser Gemeinde und die vielen Begegnungen zu danken und Ihr für die Zukunft Gottes Segen zu wünschen.

Liebe Leser,

manchmal überraschen Ereignisse, die plötzlich hereinbrechen und einen dazu bewegen, darauf zu reagieren. So ging es mir, als ich von der Ermordung von Frčre Roger Schutz in Taizé hörte. Der Weltjugendtag war gerade in Köln - eine riesige Zusammenkunft von Jugendlichen aus aller Welt - aber doch schwerpunktmäßig auf katholische Christen beschränkt. Hinter dem großen Wunsch des Miteinander der christlichen Konfessionen, wie er auf dem Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin zu erleben war, fiel dieses Großereignis zurück. Der Jubel für den neuen Papst Benedikt XVI. kann nur unvollkommen die Enttäuschung darüber wegwischen.

Doch dann kam durch die schreckliche Nachricht die tiefe Wahrheit wieder ans Licht: Als Christen, da sind wir wie eine Familie. Da gehören wir zusammen - über alle konfessionellen Grenzen hinaus. Unserem Herrn Jesus Christus sind wir verpflichtet. Wo Menschen in seinem Namen versammelt sind, da ist er mitten unter ihnen. Und so schmerzt es uns, erfüllt es uns mit Trauer, wenn einem von uns etwas Böses geschieht. Wir sind erschüttert, wenn einer unserer Brüder ermordet wird.

So war es, als wir davon hörten, dass Bruder Roger Schutz in Taizé ermordet wurde - erstochen im Alter von 90 Jahren während des Abendgebetes. Da kam der Wunsch auf, an den zu denken, der die Communität in Taizé gegründet hat. Er war einer von uns. Viele haben hier als Jugendliche wichtige Impulse erhalten, haben die spirituelle Dimension für ihr Leben neu entdeckt. Bei der Gedenkandacht im Berliner Dom am 18. August (unter anderem mit Bischof Wolfgang Huber) wurde diese tiefe Kraft deutlich. Vielleicht entdecken wir auch in Heinersdorf wieder die Lieder aus Taizé neu, die sich in unserem Evangelischen Gesangbuch finden.

Frčre Roger war von seinem Glauben getragen und hat sich für Frieden und Versöhnung eingesetzt. Nun wurde er das Opfer einer wahnsinnigen Tat.

Aber der Glaube an Jesus Christus ist stärker. Selbst eine solch unfassbare Gewalttat kann uns die Hoffnung nicht nehmen. Denn Gott ist unsere Zuflucht. (Psalm 62, 9)

Andreas G. Kaehler

  Die Bibel - nur ein Geschichtsbuch?

Wussten Sie, dass die Bibel 66 Bücher enthält, von über 40 Verfassern geschrieben wurde - unter ihnen einem Zollbeamten (Matthäus), einem Fischer (Simon Petrus), einem König (David) und einem Arzt (Lukas)? Oder wussten Sie, dass die Bibel 1.189 Kapitel mit 30.442 Versen enthält und in einem Zeitraum von mehr als 1.500 Jahren entstanden ist?

Täglich wird die Bibel im Alltag - meist unbewusst - zitiert: Man spricht vom Sündenbock (3. Mose 16), vom Buch mit sieben Siegeln (Offenbarung 5, 1-3). Manch einer möchte den anderen am liebsten in die Wüste schicken (ebenfalls 3. Mose 16) oder ihm die Leviten lesen ... und muss dabei vielleicht feststellen, dass Hochmut vor dem Fall kommt (Sprüche 16,18). Redewendungen wie „Lügen haben kurze Beine" (Sprüche 12,19), "Perlen vor die Säue werfen" (Matthäus 7, 6) oder „Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein" (Sprüche 26, 27) hören wir von Kindesbeinen an immer wieder. Sie alle und viele, viele mehr stammen aus der Bibel.

Die Bibel ist das Buch der Bücher schlechthin, ein Werk von ungebrochener Aktualität und Wichtigkeit. Die Bibel ist der Lebensratgeber überhaupt. Jedes Jahr erscheint die Bibel - vollständig oder in Teilen - in rund 60 Millionen Exemplaren. Damit ist die Bibel der größte Bestseller aller Zeiten!

Wer sich zum ersten Mal mit der Bibel befasst, wird recht schnell dahinter kommen, dass sie viel mehr ist, als das, was manche von ihr halten: Die Bibel ist keineswegs eine "Ansammlung mehr oder weniger netter Geschichten, die sich - vielleicht - einmal vor langer Zeit abgespielt haben", wie Kritiker meinen. Und sie ist auch nicht "von Menschen ausgedacht". Nein, die ganze Heilige Schrift ist den Verfassern von Gott eingegeben (2. Timotheus 3,16). Kritiker haben achtzehnhundert Jahre lang versucht, dieses Buch zu Fall zu bringen und zu widerlegen, aber dennoch steht es heute noch immer fest wie ein Fels. Wie sollte es auch anders sein, denn nicht umsonst sagt Jesus im Markusevangelium, Kapitel 13 Vers 31: "Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen".

Aber wie können wir wirklich sicher sein, dass das, was wir heute in unseren Bibeln lesen, überhaupt noch mit dem übereinstimmt, was vor so langer Zeit geschrieben wurde? Die Antwort auf diese Frage findet sich in der jüdischen Kultur, in der es eine ganz besondere Gruppe von Fachleuten gab, deren einzige Pflicht es war, die biblischen Dokumente mit praktisch völliger Worttreue zu erhalten. Sie taten dies mit einer solchen Genauigkeit, wie es bei keinem anderen Manuskript je der Fall gewesen ist: Sie registrierten jeden Buchstaben, jede Silbe, jedes Wort.

Der amerikanische Schriftsteller John W. Lea verglich in "The Greatest Book in the World" die Bibel mit den Schriften Shakespeares und stellt fest, dass der wesentlich jüngere Text Shakespeares weit unsicherer und verfälschter sei, als der des gut 1.500 Jahre älteren Neuen Testaments ...

Doch zurück zur Überschrift: Ist die Bibel denn nun ein Geschichtsbuch? Ja, natürlich ist sie (auch) ein Geschichtsbuch - denn sie berichtet sehr detailliert von der Geschichte der Menschheit, von Sklaverei und Befreiung ebenso wie von Leid und Trost. Sie erzählt von Gut und Böse, von Liebe und Hass, von Krieg und Frieden. Und sie berichtet von einem Ausweg aus all dem Elend, einem Weg zur Vergebung unserer Sünden. Der gesamte zweite Teil der Bibel - das Neue Testament - handelt davon: In ihm dreht sich alles um den, der die Welt verändert hat, wie kein anderer, weil er unser Erlöser ist: Jesus Christus, der Sohn Gottes.

Die Bibel gibt Antworten auf unsere Fragen. Sie ist Wegweiser. Vor allem aber ist sie ein Geschenk, denn mit ihr ist uns etwas sehr, sehr Wichtiges in die Hand gegeben - die Möglichkeit Gott zu finden: "Denn wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht, werde ich mich von euch finden lassen." (Jeremia 29, 13-14).

Manja und Mathias Christiansen

Liebe Gemeinde,

es war Anfang Dezember letzten Jahres - Advent - als ich begann, das Innenleben der Heinersdorfer Gemeinde kennenzulernen. In der Zeit der Ankunft und der Erwartung bin ich bei Ihnen angekommen. Ich erinnere mich noch ganz genau.

Ja, da saß ich plötzlich an einem Donnerstag im Frauenkreis bei Kaffee und Kuchen und stellte mich als die neue Vikarin vor. Alle wichtigen Feste habe ich mit Ihnen feiern können. Dazwischen lag der abwechslungsreiche Gemeindealltag mit all seinen vielfältigen Aufgaben. Fast ein gesamtes Kirchenjahr konnte ich bei Ihnen und mit Ihnen lernen, mich ausprobieren, meine Stärken und Schwächen erkennen. Nun ist mein Gemeindevikariat fast vorbei. Vorbei sind neun erfahrungsreiche Monate.

Mitte September werde ich für ein halbes Jahr in das Predigerseminar zu Brandenburg wechseln. Dann beginnt ein weiterer Abschnitt meiner Ausbildung. Ich möchte mich bei Ihnen bedanken - für die freundliche Aufnahme, die ermutigenden Worte und die kritischen Stimmen. Ich habe mich bei Ihnen sehr wohl gefühlt.

In diesem Sinne ein Auf-Wiedersehen, Karina Nippe

Heinersdorfer Vorträge

Seit langem ist sie geplant: Eine Vortragsreihe der Heinersdorfer Gemeinde, die sich mit interessanten Themen sowohl an Gemeindeglieder als auch an Menschen außerhalb der Gemeinde richtet. Nun ist es endlich so weit - am Dienstag, dem 13. September, beginnen die Heinersdorfer Vorträge mit einem Vortrag von Dr. Hartmut Peters zum Thema "Was ist Gentechnik? Was kann und was will sie?" Dr. Peters ist Mitarbeiter an der Berliner Charité und Gemeindeglied in Heinersdorf. Der Vortrag beginnt um 19.30 Uhr und findet im Gemeindesaal statt. Anschließend besteht Gelegenheit zur Diskussion (siehe Seite 16).

Die Heinersdorfer Vorträge finden zukünftig an jedem zweiten Dienstag im Monat statt. Vorschläge für weitere Themen oder Referenten sind sehr willkommen und können an Frau Prof. Witkowski gerichtet werden, die die Vortragsreihe organisiert. Um möglichst viele Interessierte anzusprechen, wird es jeweils Plakate und Handzettel für die einzelnen Vorträge geben, die im Pfarramt und nach den Gottesdiensten mitgenommen werden können. Bitte helfen Sie uns, und laden Sie zu diesen Veranstaltungen Freunde und Nachbarn ein!

Weihnachten im Schuhkarton

Viele Gemeindeglieder hatten sich schon im letzten Jahr an der Aktion Weihnachten im Schuhkarton beteiligt. Dabei geht es darum, mit einem mit kleinen Geschenken gefüllten Schuhkarton einem Kind in Osteuropa oder in der Dritten Welt zu Weihnachten eine Freude zu bereiten. Anita Bernhard aus Blankenburg organisiert wieder eine Sammelstelle für diese Weihnachtspakete. Die Pakete können auch in diesem Jahr in der Heinersdorfer Gemeinde abgegeben werden: Bis zum 14. November im Pfarramt und zu den Kreisen und nach den Gottesdiensten. Genauere Anmerkungen und Hinweise, unter anderem zu den vorgeschlagenen Inhalten der Geschenkkartons, finden Sie auf einem Informationsblatt, das in der Gemeinde ausliegt.