Ostern / April / Mai 2005

" Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet."
Apostelgeschichte 2, 42, Monatsspruch Mai

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde!

Es ist eigentlich ganz einfach zu sagen, warum wir Ostern feiern. Der Anlass ist schnell benannt: Jesus ist von den Toten auferstanden. Dies aber auch wirklich zu verstehen, ist schon bedeutend schwieriger. Selbst für Pfarrer und Theologen ist das nicht einfach.

Es ist ein Ereignis, das fast unvorstellbar ist. Jesus war an Karfreitag ermordet worden. Die Trauer war groß. Alles schien zu Ende zu sein. Und dann waren Frauen die ersten, welche am Ostermorgen die Entdeckung machten: Jesus ist nicht tot. Er lebt. Diese Frauen öffneten die Augen und sahen die Wahrheit. Der Tod - obwohl viele die Ermordung Jesu und sein Leiden mit eigenen Augen gesehen hatten - hatte nicht das letzte Wort. Auch eine solche gute Nachricht kann erschüttern.

Die Nacht und die Verzweiflung waren vorbei. Ein ganz neuer Morgen hatte begonnen. Es schien so, als ob das Böse überwunden worden wäre.

Aber trotzdem gab es auch danach noch schlimme Ereignisse in der Geschichte. In diesem Jahr wird es 60 Jahre zurückliegen, dass der II. Weltkrieg und die Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus zu Ende gegangen sind.

Viele, die gegen die Menschenverachtung und das Morden Widerstand geleistet haben, haben die Befreiung nicht mehr erlebt. Zu ihnen gehören neben vielen anderen Sophie Scholl und ihr Bruder Hans Scholl und zwei Jahre später Dietrich Bonhoeffer. Pfarrer Bonhoeffer wurde am 9. April 1945 in Flossenbürg ermordet. Der Krieg war schon fast vorbei.

Dietrich Bonhoeffer schöpfte seine Kraft und seine Hoffnung aus dem, was an Ostern passiert ist. In einem Brief aus dem Gefängnis in Tegel schrieb er am 27. März 1944: "Von der Auferstehung Christi kann ein neuer, reinigender Wind in die gegenwärtige Welt wehen."

Er meinte den Wind der Hoffnung, der dem Bösen entgegenweht und uns wieder Mut macht zum Glauben. Diesen Mut brauchen wir Christen in jeder Epoche. Dies war schon ganz am Anfang so. Der Monatsspruch für den Mai berichtet von den ersten Christen folgendes: "Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet." (Apostelgeschichte 2, 42)

Sie hielten an ihrem Glauben fest und ließen sich nicht verunsichern. Sie trafen sich auch zu Gottesdiensten und feierten das Abendmahl. Sie wussten, dass Jesus den Tod besiegt hat.

Es ist richtig in der diesjährigen Osterzeit, an Dietrich Bonhoeffer zu denken, der vor 60 Jahren von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Denn Bonhoeffer ist immer noch ein Beispiel für die Kraft, die man aus der Tatsache schöpfen kann, dass Jesus Christus auferstanden ist. Der Bonhoeffer-Film Die letzte Stufe stellt dies auf erschütternde Weise dar, indem er den Mörder zu Bonhoeffer sagen lässt: "Das ist das Ende!" Und Dietrich Bonhoeffer antwortet. "Nein!"

Ostern, das ist der Anfang. Der Tot ist am Ende, weil das Leben ihm die Grenze zeigt. Denn das Leben ist stärker. Seit Ostern können wir Kraft schöpfen, dem Bösen zu widerstehen und aus der Geschichte zu lernen.

Seit Ostern wissen wir, dass es hinter dem Horizont weiter geht. Wir wissen, dass auch in die Dunkelheit der Welt Gottes Licht hineinleuchten wird - so wie es der berühmte Vers sagt:

Der Glaube ist wie ein Vogel, der singt -
auch wenn die Nacht noch dunkel ist.

In diesem Sinn wünscht Ihnen ein gesegnetes Osterfest

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Neues aus dem Kindergarten

Liebe Leserinnen und Leser des Gemeindeblattes,

"Wir sind die Kleinen in den Gemeinden, denn ohne uns geht gar nichts, ohne uns gehtís schief ..." Solche und ähnliche Lieder lernen wir in unserem Kindergarten im Margenkreis. Unser "Gesicht" hat sich im Laufe der Zeit etwas verändert. Durch die Berliner Bildungspolitik mussten wir die Hortkinder an die Schulhorte verabschieden. Das finden wir sehr schade, weil wir auch Spielfreunde bei den Hortkindern hatten. Stattdessen sind viele kleine "Spatzen" in unserem Nest gelandet - der Jüngste ist anderthalb Jahre alt. Jetzt gibt es bei uns eine Spatzengruppe und drei altersgemischte Stammgruppen - die Regenbogengruppe, die Sonnenblumen und nun auch die Grashüpfer.

Anfang Februar haben wir Fasching gefeiert. Unser Motto waren die Märchen. Auf diese Weise waren die Möglichkeiten der Verkleidungen sehr breit gefächert. Der Kindergarten sah wie verzaubert aus. Jeder hatte ein anderes Märchen zum Thema, z. B. Der süße Brei, Tischlein deck dich, Der Froschkönig oder Der Sterntaler. Unser Haus war das reinste Märchenland. Jetzt dauert es nicht mehr lange und wir werden uns auf das Osterfest vorbereiten. Wir wissen zwar, dass es ein gemeinsames Osterfrühstück und eine Andacht in der Kirche geben wird. Wie alles im Detail ablaufen wird, darauf sind wir aber schon sehr gespannt.

Einen schönen Frühling wünschen die Kleinen und Großen des Kindergartens. Vielleicht sehen wir uns beim Sommerfest?

Hendrikje Katzorke

Offene Kirche in Heinersdorf

An vielen Orten der Welt stehen Kirchen ganz selbstverständlich auch außerhalb von Gottesdienstzeiten offen. Sie laden außer zu kunstgeschichtlichen Betrachtungen auch zu Andacht und Einkehr ein. Wer beispielsweise schon einmal in Italien oder Spanien im Urlaub war, kennt das: Nicht nur die großen Kathedralen und Dome in den Städten sind geöffnet. Auch ganz unscheinbare und wenig spektakuläre Kirchen stehen tagsüber offen.

In Heinersdorf wollen wir jetzt auch einen Schritt in diese Richtung wagen: Für Menschen, die sonst an den geschlossenen Kirchentüren vorbei hetzen, schlendern oder spazieren, soll die Kirche auch in der Woche offen stehen - als ein Ort der Stille und des Gebets. Da es zurzeit nicht umsetzbar ist, feste Öffnungszeiten anzubieten, haben wir uns für den Anfang folgendes Verfahren gedacht: Gemeindeglieder, die Zeit und Lust haben, können unregelmäßig und unverbindlich für ein oder zwei Stunden die Aufsicht in der Kirche übernehmen. Wenn die Kirche offen ist, wird ein gut sichtbarer Aufsteller mit der Aufschrift "Kirche geöffnet" vor die Kirchentreppe gestellt. So können wir auf unkomplizierte Weise Erfahrungen mit der Offenen Kirche sammeln und gleichzeitig gezielt auf das Angebot aufmerksam machen.

Wenn Sie daran interessiert sind, in den warmen Monaten des Jahres einmal die Kirche zu beaufsichtigen und sie auf diese Weise für andere Menschen zu öffnen, melden Sie sich bitte bei Uwe Müller.

Pessach - Ostern

Jesus geht nach Jerusalem. Sein Weg ist gepflastert mit Palmenzweigen. Überall wird er mit Hosianna-Rufen empfangen. Tausende Menschen säumen die Straße, die er entlang zieht. Sie wollen seine Botschaft und seine Weisungen hören. Diesmal jedoch hat sein Weg ein bestimmtes Ziel: Jesus pilgert mit seinen Jüngern nach Jerusalem, denn Pessach ist nahe.

Das Leben unter den Ägyptern ist hart geworden. Der Pharao verschleißt das Volk Israel für Bauarbeiten, Sklavenarbeit. Der Mann hat so große Angst vor den Juden, die den Ägyptern zahlenmäßig weit überlegen sind, und vor einem möglichen Aufstand, dass er alle Jungen umbringen lässt.

Einer jedoch überlebt durch die List seiner Mutter und wächst bei der Tochter des Pharaos auf. Trotzdem weiß dieser Mose, wer er ist und woher er kommt. Er bittet beim Pharao für sein Volk, um es aus dem Exil fort ins verheißene Land zu führen.

Doch der Herrscher Ägyptens ist nicht bereit, seine billigen Arbeitskräfte einfach ziehen zu lassen. So zeigt ihm Gott durch zehn Plagen, dass er der mächtige Weltenlenker ist, dessen Wille geschehen wird.

Um dieser Begebenheit auf ewig zu gedenken, wird ein Fest eingesetzt, welches an die wundersame Befreiung aus ägyptischer Gefangenschaft erinnert: Pessach.

Im dritten Buch Mose im 23. Kapitel steht Pessach an erster Stelle der von Gott eingesetzten Festtage. Sein hoher Stellenwert wird schon durch den Platz im Jahreszyklus betont: "Dies sind aber die Feste des HERRN, die ihr ausrufen sollt als heilige Versammlungen an ihren Tagen: Am vierzehnten Tag des ersten Monats gegen Abend ist des HERRN Passa."

Pessach ist ein ausgesprochenes Familienfest. An den ersten beiden Abenden, wird ein Festmahl veranstaltet für Familie, Freunde und Nachbarn. Man erinnert sich damit an Gottes Anweisung, sich in der Nacht vor dem Auszug in einem Haushalt einzufinden und gemeinsam ein Lamm zu schlachten. Dieses Blut an ihren Türen war es dann auch, das den Würgeengel Gottes (die letzte Plage) vorüberziehen ließ, ohne die Erstgeburt zu schlagen.

In Erinnerung an jenes "Opferlamm", das das Leben der israelitischen Kinder rettete, wurde diese Schlachtung Teil des jährlichen Pessachritus.

Heutzutage ersetzt ein gekochtes Ei das Lamm, da seit der Zerstörung des Tempels 70 n.Chr. nicht mehr rituell geopfert wird.

Das gesamte Essen dieses Tages hat eine stark allegorische Funktion: Mazze, eine Art Knäcke (ungesäuertes Brot) wird gegessen, weil der Auszug damals so schnell vollzogen werden musste, dass keine Zeit mehr blieb, um richtiges Brot zu backen. So ist es auch heute noch oberste Pflicht, vor Pessach das Haus von allen Esswaren, die Sauerteig enthalten, zu reinigen.

Bitterkräuter in Salzwasser geschwenkt, versinnbildlichen das bittere Los der Juden im fremden Land und die vielen vergossenen Tränen. Ein magerer Knochen steht für die ausgestreckte, schützende Hand Gottes, die zehn Plagen über Ägypten brachte und schließlich sogar das Rote Meer teilte, um die Juden ungehindert passieren zu lassen, doch ihre Verfolger in den sich wieder vereinigenden Wassermassen zu ertränken.

Diese Abende heißen Sederabende (Seder: hebr. Ordnung), denn alle Handlungen sind vorgeschrieben und in ihrer Reihenfolge festgelegt. Neben den symbolischen Speisen, bestimmen die Lesung der Pessach-Erzählung und ein Ritual aus Fragen und Antworten das Fest. Hierbei ist es stets das jüngste Familienmitglied, das durch das viermalige Wiederholen der Frage "Warum ist diese Nacht so ganz anders als die übrigen Nächte?" versucht, hinter die Besonderheit von Pessach zu kommen.

Dieses Fest der Befreiung aus der Sklaverei wollte also auch Jesus mit seinen Jüngern in Jerusalem begehen. Doch, wie zum Hohn, wird er eben dann festgenommen. Als er die Chance bekommt, sein Leben zu retten, indem er vor Pilatus von seiner Lehre Abstand nimmt, ergreift er diese Gelegenheit nicht und wird zum Tod am Kreuz verurteilt.

Von Errettung aus tiefster ägyptischer Bedrängnis hin zum Dunkel der Jerusalemer Arrestzellen, vom Weg durchs Rote Meer zum Weg nach Golgatha - nur vorläufig scheinen Pessachinhalt und Karfreitagsgeschehen nicht zueinander zu passen. Vom Sieg zur Niederlage, denn Jesus stirbt. Aber dann geschieht das Unfassbare.

Am dritten Tage ist der Leichnam verschwunden. Jesus ist auferstanden.

Er musste sterben, um unsere Schuld in seinem unverschuldeten Tod zu sühnen.

Denn Jesus selbst ist zum Opferlamm geworden. Nehmen wir dieses Opfer an, so werden unsere Sünden vergeben und Gottes Strafe wird uns nicht treffen. Wir verlieren unsere Erstgeburt nicht an den Todesengel, wenn wir Christi Blut als Schutzwall an die Türen unseres Lebens auftragen.

Christi Auferstehung schenkt auch uns ein neues Leben, befreit von aller Sklaverei können wir den Blick heben und uns an dem orientieren, der uns gerettet hat.

Ein Monat liegt dieses Jahr zwischen Ostern und Pessach: Am 14. Nissan / 23. April feiert die jüdische Gemeinde. Doch neben dieser zeitlichen Nähe gibt es weitere Parallelen. Die Geschehnisse um Jesus zum damaligen Pessach und der Auszug aus Ägypten lesen sich wie zwei Beschreibungen eines Bildes: der Befreiung durch Gott.

Pessach und Ostern werden aus derselben Geste heraus gefeiert, dem Gedenken an Gottes machtvolles Eingreifen und der Errettung aus Bedrängnis und Unfreiheit.

Das Meer ist geteilt und der Felsstein weggerollt.

Wir können leben!

In diesem Sinne CHAG SAMEACH - FROHES FEST

wünschen Cornelia Bresch und Ulrike Lange.

Im Zeichen des Fisches

Der Fisch als altes christliches Geheimsymbol erlebt in unserer Zeit ein erfreuliches Comeback: An vielen Autos ist er als Aufkleber an Heckscheibe oder Kofferraumklappe zu sehen. Der Fisch - ein Geheimsymbol? Ja! Denn zu Zeiten des Römischen Reiches, als die Christen blutig verfolgt wurden, diente der Fisch ihnen als Geheim- und Erkennungszeichen.

Aber warum nun gerade ein Fisch?

Die Antwort auf diese Frage findet man in der griechischen Sprache, die damals die Weltsprache war - ungefähr so, wie es heute Englisch ist. Fisch heißt auf Griechisch nämlich ICHTHYS. Und mit den Anfangsbuchstaben dieses Wortes kann man im Griechischen folgende Wörter bilden:

ΙΕΣΟΥΣ (Jesous = Jesus)
Χ
ΡΙΣΤΟΣ (Christos = Christus / Messias)
Θ
ΕΟΥ (Theou = Gottes)
Υ
ΙΟΣ (Hyos = Sohn)
Σ
ΟΤΕΡ (Soter = Retter / Erlöser)

ΙΧΘΥΣ = ICHTHYS = Fisch

Somit steht der Fisch (ICHTHYS) für "Jesus Christus - Gottes Sohn und Retter". Diese fünf Worte sagen kurz und knapp, woran wir Christen glauben. Und eben darum wird der Fisch noch heute als Erkennungszeichen verwendet - als ein Zeichen nach außen - als ein kurzes Glaubensbekenntnis.

Mathias Christiansen

Jugendrüstzeit in Bomsdorf

"Blut und Wasser" - unter dieser Losung stand die Konfirmanden- und Jugendfreizeit der Heinersdorfer Gemeinde, die vom 18. bis 20. Februar in Bomsdorf bei Neuzelle stattfand. Insgesamt 15 junge Menschen verbrachten ein erlebnisreiches Wochenende in dem kleinen Dorf kurz vor der polnischen Grenze.

Inhaltlich ging es um die Passionsgeschichte Jesu und das Leben und Sterben Dietrich Bonhoeffers, mit dem sich die Jugendlichen anhand des Films Die letzte Stufe auseinandersetzten. Auch die lebenserhaltende Funktion von Wasser und Blut wurde besprochen und in einem selbst gestalteten Gottesdienst am Sonntag vormittag nochmals aufgegriffen.

Dank der winterlichen Temperaturen war Wasser auch in Form von Schnee und Eis in rauen Mengen vorhanden und boten ideale Voraussetzungen für die eine oder andere Schneeballschlacht. Ansonsten war natürlich auch wieder reichlich Zeit und Gelegenheit für gemeinsame Mahlzeiten, Kicker- und Tischtennisspiele, gesellige Abende und gemeinsames Singen.

Die zeitgemäße Kurzauswertung in Form von SMS-Botschaften am Sonntagmittag ergab vor allem eines: Das Wochenende war mal wieder viel zu kurz. Daher wollen wir uns denn auch schon im August wieder auf die Reise Richtung Bomsdorf begeben.