Februar / März 2005

" Jesus Christus spricht: Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. "
Lukas 22, 32, Jahreslosung 2005

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde!

Wenn wir jemandem zum Geburtstag gratulieren, dann verbinden wir dies mit guten Wünschen. An erster Stelle steht dabei meistens Gesundheit. Gesundheit - und dann folgt lange Zeit nichts. Manchmal wird dann noch Erfolg ergänzt.

Bei Wünschen zum neuen Jahr - auf Grußkarten zum Beispiel - ist das in der Regel genauso. Wir wünschen ein "gesundes und erfolgreiches" neues Jahr. Wir stimmen in diesen Wunsch mit ein und denken darüber oft gar nicht weiter nach. Die Bedeutung solcher Wünsche ist eigentlich nicht zu bestreiten. Trotzdem lohnt es sich, darüber nachzudenken, ob damit wirklich schon alles zutiefst Wünschenswerte genannt ist. Ist das wirklich schon alles - Erfolg und Gesundheit - was man wün-schen könnte? Fehlt da nicht noch etwas? Gibt es nicht noch anderes?

Mir ist bewusst, dass diese Frage verwun-dert. Aber die Jahreslosung für das neue Jahr 2005 hat mich angeregt, so zu fragen. Es ist ein Wunsch Jesu für einen seiner besten Freunde. Gemeint ist der Apostel Petrus, der einer der zwölf Jünger Jesu war: "Jesus Christus spricht: Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre."

Was für ein Wunsch! Jesus äußert diesen Wunsch bei seinem letzten Zusammensein mit seinen Jüngern am Abend des Gründonnerstag - unmittelbar vor seiner Festnahme und vor Karfreitag, dem Tag, an dem er am Kreuz stirbt. Es klingt wie ein letzter Wunsch. Jesus weiß, was ihm bevorsteht und was seine Freunde durchmachen werden. Er weiß um die bedrohten Leben seiner Freunde. Auch Petrus ist später wegen seines Bekenntnisses zu Jesus ermordet worden. Gerade angesichts der ganz realen Bedrohung nennt Jesus seinen wichtigsten Wunsch, für den er oft gebetet hat: "Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre."

Dies ist der Zusammenhang, in dem der für das Jahr 2005 ausgeloste Bibelvers steht. Als wichtigster Wunsch in einer lebensbedrohlichen Situation bleibt die eine Bitte, dass der persönliche Glaube nicht verloren gehen möge. Können wir diesen Wunsch verstehen - angesichts von Krankheiten und Nöten? Wie geht es uns damit, wenn wir an die Flutwelle kurz vor dem Jahreswechsel in Asien denken?

Nur im ersten Augenblick überrascht dieser Wunsch. Denn gerade der Glaube hilft einem zu ertragen, was eigentlich nicht zu ertragen ist. Und der Glaube motiviert auch zu helfen, wo Not ist, und dazu, Freunde, Angehörige oder Nachbarn zu unterstützen, die gerade einen Schicksalsschlag zu verkraften haben. Der Glaube hilft uns, nicht gleichgültig zu sein.

So ist der Zuspruch Jesu gerade in unseren Tagen ganz wichtig: "Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre." Auch Petrus brauchte diesen Zuspruch. Petrus war ein gestandener Mann. Als Fischer kannte er die Gefahr, bei Sturm mit seinem Boot unterzugehen und zu ertrinken. Er war ein Mann wie ein Baum, könnte man sagen , einer, den so schnell nichts beunruhigte, einer, auf den (in der Regel) Verlass war. Eigentlich hieß er ja Simon. Jesus hatte ihm den Beinamen Petrus gegeben, was übersetzt der Fels bedeutet. Dieser Petrus fasste Vertrauen zu Jesus. Er war einer der ersten, der begriff, dass Jesus Gottes Sohn war.

Aber Jesus macht deutlich, dass auch jemand, der stark ist, schwach werden kann. Auch ein Fels kann ins Wanken geraten. Deswegen ist Zuspruch nicht nur nötig, wenn ich mich schwach fühle, sondern auch dann, wenn es mir gerade besonders gut geht. Denn der Glaube soll uns bleiben, er soll uns halten und Kraft geben.

Der Glaube an Jesus Christus verleiht uns Beständigkeit in unserem Leben. Wir wissen nicht, was das neue Jahr uns bringen wird, wir wünschen uns Frieden und Gesundheit. Dass unser Glaube wachsen möge und nicht aufhört, ist dabei ein ganz wichtiger Wunsch.

In diesem Sinn wünsche ich ihnen allen ein gesegnetes und gutes Jahr 2005

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Weltgebetstag 2005 - Polen

In Heinersdorf wird es auch in diesem Jahr den Weltgebetstag geben. Wir feiern ihn am 4. März 2005 ab 1930 Uhr mit einem Gottesdienst im Gemeindesaal hinter der Kirche.

Frauen des polnischen Weltgebetstagskomitees haben die Liturgie zum Motto "Lasst uns Licht sein" mit Blick auf die ganze Welt geschrieben. Es war ihnen ein wichtiges Anliegen, vor allem die gegenwärtige Situation Polens zu beschreiben und ihre Hoffnungen für die Zukunft der Welt zum Ausdruck zu bringen.

Für uns Menschen im Nachbarland Deutschland werden durch Polen als Weltgebetstagsland schöne wie auch schmerzhafte Themen polnisch-deutscher Geschichte und Nachbarschaft präsent.

Bei der Vorbereitung und Feier des Weltgebetstages werden wir an Leid erinnert, das Menschen in Polen zugefügt wurde, und von Leiden hören, die Menschen erfahren haben, die in der Folge des Zweiten Weltkrieges ihre Heimat verlassen mussten.

Wir können von geleisteter Versöhnungs- und Friedensarbeit lernen für eine Welt, in der es Ungerechtigkeit, Konflikte und Kriege gibt.

Am Donnerstag, dem 24. Februar, um 1930 Uhr werden wir beim Gespräch beim Tee Dias von Polen sehen und von der wechselvollen Geschichte dieses Land hören.

Wir laden zu beiden Veranstaltungen herzlich ein.

Gisela Nowitzki

Zwischen den großen Festen - Ein kirchenjahreszeitlicher Streifzug

Weihnachten ist fast vergessen. Ostern liegt in weiter Ferne. Und der Frühling lässt noch auf sich warten. Karneval und Fastenzeit füllen die Lücke.

Keine Frage - Weihnachten ist längst vorbei. Doch noch sind sie nicht gänzlich verschwunden - die Spuren des letzten Weihnachtsfests: Wie ausrangierte Möbelstücke liegen die abgeputzten und nunmehr herrenlosen Weihnachtsbäume vor den Hauseingängen, bevor sie das winterliche Sturmtief rudelweise vor sich her treibt. Der Herrnhuter Stern im Fenster leuchtet abends noch manchmal vor sich hin, bis er irgendwann doch auseinander genommen und bis zum nächsten Advent sein Dasein in seiner dunklen Schachtel auf dem Hängeboden fristen wird. Der letzte Schokoladenweihnachtsmann schaut mit unbewegter Miene vom Schrank herab und harrt gemeinsam mit den schwindenden Überbleibseln des ausgemergelten bunten Tellers seines unvermeidlichen Schicksals. Und noch zieren die letzten roten Blätter des Weihnachtssterns den Wohnzimmertisch, bevor auch sie ihren Dienst getan zu haben scheinen und sich, eins nach dem anderen, fast unbemerkt auf den Boden gleiten lassen und mich von meinen spät-weihnachtlichen Gedanken zurück auf den Boden der Realität holen.

Denn längst hat das normale Leben wieder begonnen, ist die Ruhe zwischen den Jahren dem gleichmäßigen Trott der Gewohnheiten gewichen, haben wir erneut mit den Niederungen des Alltags Vorlieb zu nehmen.

Andernorts wird dagegen schon wieder nach Kräften gefeiert. Denn spätestens am 7. Januar hat in den katholisch geprägten Teilen Deutschlands - vor allem im Süden und entlang des Rheins die berühmte fünfte Jahreszeit begonnen. Sie ist dank des zeitigen Ostertermins diesmal besonders kurz und will daher gut genutzt sein.

Uns protestantisch geprägten Nordlichtern bleibt vieles von dem fremd, was mit Karneval zu tun hat: Die feucht-fröhlichen Sitzungen der Karnevalsgesellschaften, die die meisten von uns wohl nur aus den Fernsehübertragungen kennen; die großen Umzüge in den Rheinmetropolen am Rosenmontag; die verkehrte Welt, die in einer sonderbaren Mischung aus Klamauk und Ernsthaftigkeit tagelang alles und jeden beherrscht - bis hinein in die Rathäuser.

Und natürlich macht der Karneval auch vor den Kirchentüren nicht halt. Ausgelassene Stimmung und Kostümpflicht herrschen nicht nur auf den Karnevalssitzungen der Kirchengemeinden, die sich im übrigen inzwischen auch evangelischerseits gesteigerter Beliebtheit erfreuen. Auch die Gottesdienste sind an Karnevalssonntagen von gelöster Fröhlichkeit bestimmt.

Im Kirchenkalender kommt der Karneval nicht vor. Dass er dennoch irgendwie dazugehört, merken wir daran, dass sich seine Dauer - genauer: sein abruptes Ende - an den Daten der im Kirchenjahr benannten Sonntage orientiert. Der Aschermittwoch liegt immer sechseinhalb Wochen - 46 Tage - vor Ostersonntag, zwischen den beiden Sonntagen Estomihi und Invokavit. Und er ist zugleich der Beginn der Passions- und Fastenzeit, deren Länge sich an denen der biblischen Fastengeschichten orientiert: Um sich auf die Begegnung mit Gott vorzubereiten, fastete Mose 40 Tage lang. Und auch Jesu Fastenzeit in der Wüste dauerte 40 Tage, bevor er den Versuchungen des Teufels zu widerstehen hatte. Dass die Fastenzeit heute sechs Tage länger dauert, geht auf die Zeit um 600 zurück, als Papst Gregor der Große befand, dass die Sonntage in der Passionszeit als Gedenktage an Jesu Auferstehung vom Fastengebot ausgenommen bleiben müssten.

Ob nun 40 Tage oder 46 oder auch nur zwei Wochen: Die Fastenzeit bietet uns die Gelegenheit, uns die Gewohnheiten des alltäglichen Lebens einmal bewusst vor Augen zu führen. Sei es das abendliche Pflichtprogramm im Fernsehen, die Flasche Bier zum Abendbrot, der verdiente Schokoriegel nach getaner Arbeit, das eilig zubereitete Fertiggericht - vieles hat sich eingeschliffen.

Indem wir versuchen, zumindest eine Zeitlang von einigen dieser Gewohnheiten loszukommen, von denen wir vielleicht schon abhängig geworden sind, setzen wir uns der Wüste unserer Schwächen aus. Und wir machen uns frei für einen neuen Blick auf uns selbst. Das Verzichten lässt uns unabhängiger sein von einigen Alltagssüchten und ist außerdem gut für Gesundheit und Wohlbefinden und bereichert unser Leben.

Das gilt im übrigen auch für das Fasten in seiner herkömmlichen Bedeutung: Durch die Entschlackung und Entgiftung des Körpers werden die Umwelt und der eigene Körper viel intensiver wahrgenommen. Hier kommt man wohl dem ursprünglichen Fastenziel am nächsten: Körper und Geist sollen gereinigt werden für die Begegnung mit Gott.

Beim Fasten geht es also nicht in erster Linie darum, schlanker oder gesünder zu werden. Der Sinn ist vielmehr, die eigenen oftmals abgestumpften Sinne zu schärfen, und damit auch dem auf die Spur zu kommen, was wirklich wichtig ist. Anselm Grün hat es einmal so gesagt: "Fasten heißt, Süchte wieder in Sehnsüchte zu verwandeln."

Eine bessere Vorbereitung auf Ostern kann es eigentlich gar nicht geben.

Uwe Müller

Purim


+++ auf Befehl der Obersten des Landes sollen alle Juden umgebracht werden +++ das Datum wird ausgelost +++ als Begründung wurde angegeben, dass für sie nur ihre eigenen Gesetze gelten +++ diese Tatsache mache einen weltumfassenden Frieden unmöglich +++


Die Meldungen des Tages? Glücklicherweise nicht, zumindest nicht von heute. Die Geschichte, die sich hinter diesen Schlagzeilen verbirgt, fand vor über 2400 Jahren im Großreich Persien statt, ist nachzulesen im biblischen Buch Esther und Grundlage des jüdischen Purimfestes.

Sie soll sich folgenderweise zugetragen haben: Der persische König Ahasverus beschließt auf Anraten seines engsten Vertrauten Haman, die Juden in seinem Land töten zu lassen. Er weiß jedoch nicht, dass seine Frau Esther auch Jüdin ist. Deren Cousin Mordechai ersucht sie, ihre Identität zu enthüllen und beim König um Gnade für ihr Volk zu bitten. Er selbst vereitelt einen Mordanschlag auf Ahasverus, was ihm hohe Gunst und Ehre einbringt. Haman hegt einen Groll auf diesen Mordechai, der sich nicht vor ihm verbeugen will, obwohl er der zweithöchste Mann im Land ist. Nun soll er dem Juden sogar Ehrerbietung entgegenbringen, auf Geheiß des Königs als Dank für die Rettung.

Das Ass in Hamans Ärmel ist das Edikt, welches die Tötung der Juden befiehlt. Deshalb lässt er in seinem eigenen Garten einen Galgen errichten, an dem soll dann dieser Mordechai hängen. Doch hat er nicht mit Esther gerechnet, die ihrem Mann die Augen öffnet für die boshaften Intrigen seines Vertrauten. Am Ende baumelt Haman selbst in seinem Garten.

Dieser Begebenheit gedenken die Juden alljährlich am 14. Adar (dieses Jahr: 25. März).

Sie feiern Purim, weil es doch noch gelang, das schreckliche Schicksal abzuwenden, weil Mordechai und Esther, die Helden der Geschichte, den persischen König von der Falschheit seiner Entscheidung überzeugen konnten, weil Haman, der Bösewicht und Urheber des Ediktes schließlich am Galgen sein Ende fand, weil das jüdische Volk überlebte.

Und es ist ein wahres Freudenfest, nicht unähnlich unserem Karneval oder Fasching: Die Kinder verkleiden sich, alle Mädchen wollen als Esther gehen, die Jungen natürlich als Mordechai. Nicht nur in Köln fließt das Kölsch reichlich, sondern auch den Juden ist an diesem Tag der Alkoholkonsum gestattet. Trinken ist fast schon ein Gebot, welches von einigen so streng befolgt wird, dass zwischen den Rufen „Verflucht sei Haman" und „Gesegnet sei Mordechai" nicht mehr zu unterscheiden ist.

In der Synagoge wird das Buch Esther gelesen, und sobald der Name Haman fällt, lärmt, trappelt und rasselt die ganze Gemeinde, um ihre Verachtung für ihn deutlich zu machen.

Übrigens leitet sich der Name Purim der Überlieferung nach von dem Los ab, durch welches Haman den Tag der Ausrottung bestimmen wollte, denn Los heißt auf Hebräisch Pur. Vielleicht hat es sich auch deswegen im europäischen Raum entwickelt, dass das Glücksspiel - für Juden eigentlich verboten - an diesem Tag, mehr oder weniger religiös legalisiert, allerorten ausgiebig begangen wird.

Purim ist, wie unser Faschingsfest, eine letzte Gelegenheit, ausgelassen und ohne Sorgen zu feiern, bevor die ernsten Vorbereitungen auf Pessach bzw. Ostern beginnen.

CHAG SAMEACH - FROHES FEST

wünschen Cornelia Bresch und Ulrike Lange

Der Film-Tip: Sophie Scholl - Die letzten Tage

Das Fernsehen und das Kino bringen immer wieder so genannte "Stars" heraus. Da erscheint ein oberflächlicher Glanz, der zwar auf den ersten Anblick beeindruckt, bei näherem Hinsehen ist dann aber die Enttäuschung groß. Nicht nur Jugendliche sind auf der Suche nach Vorbildern, nach Menschen, die durch ihre Charakterstärke beeindrucken, die sich nicht einfach verbiegen lassen. Auch moralische Werte sind durchaus wieder gefragt.

Nach Sophie Scholl und ihrem Bruder Hans sind viele Schulen und öffentliche Plätze benannt. Die Widerstandsgruppe Die Weiße Rose ist zu einem Symbol für Jugendliche geworden, die der Diktatur des Nationalsozialismus widerstanden. Es ist übrigens die einzige Widerstandsgruppe, die das Vorhandensein von Konzentrationslagern und die Ermordung der jüdischen Bevölkerung zu einem Thema gemacht hat.

Wie bekommt jemand die Kraft, sich diesem Unrecht entgegenzustellen? Sophie Scholl und die anderen taten dies, indem sie auf Flugblättern druckten, was sie wussten und was der menschenverachtenden Ideologie zu entgegnen war. Die Mitglieder der Weißen Rose bewahrten sich ihre klaren Gedanken und schöpften ihre Kraft aus ihrem Glauben als evangelische Christen.

Der Film: "Sophie Scholl - Die letzten Tage" von Marc Rothemund (Regie) und Fred Breinersdorfer (Buch) wird bei der Berlinale im Februar, den Internationalen Filmfestspielen in Berlin, im Wettbewerb laufen. Am 24. Februar kommt er dann in die Kinos.

Der Film schildert die letzten sechs Tage im Leben der Sophie Scholl vom 17. - 22. Februar 1943 (die letzte Flugblattverteilung bei der sie und ihr Bruder verhaftetet werden, die Zeit im Gefängnis mit den Verhören bis zum Prozess und zur Hinrichtung).

Der Film verzichtet auf Bilder körperlicher Gewalt und zeigt die moralische Stärke, mit der Sophie Scholl dem vernehmenden Gestapobeamten Robert Mohr gegenübertritt. Der Film orientiert sich an den historischen Ereignissen ohne Fiktives hinzuzufügen. Ausführlich waren von den Filmemachern die Protokolle recherchiert und noch lebende Zeitzeugen befragt worden. Der Film macht bei aller Dramatik eine geistige Auseinandersetzung sichtbar, aus der wir für die Gegenwart lernen können.

Andreas Kaehler