September / Oktober / November 2004

" Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst. "
Psalm 127, 1, Monatsspruch September

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde!

Es überrascht mich immer wieder, wie direkt die Bibel auf unseren Alltag Bezug nimmt. Die Aufgaben, die wir hier zu bewältigen haben, sind sehr unterschiedlich. Wir tragen alle in verschiedenartigen Bereichen Verantwortung und lösen unsere Aufgaben. Das fängt schon früh an und beginnt nicht erst in der Schule. Wir bemühen uns - sei es im Großen oder im Kleinen - all diese Aufgaben möglichst gut zu erledigen. Manchmal aber ist die Last sehr groß. Wenn etwas nicht gelingt, dann sucht man nach Gründen, und schnell ist auch die Versuchung da, es anderen in die Schuhe zu schieben. Irgend jemand muss doch Schuld sein. Oder?

Der Monatsspruch für den September lenkt unseren Blick in eine ganz andere Richtung. Denn was wir tun, ist immer nur ein Teil. Das Gelingen liegt nicht allein in unserer Hand. Auf Gottes Segen sind wir angewiesen. Ohne Gottes Hilfe bleibt unser Werk nur ein Bruchstück. Der Mensch kann nicht alles. "Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst." (Psalm 127, 1)

Ohne Gott mauert der Maurer umsonst. Ohne Gottes Schutz bewirkt auch der Wächter kein Mehr an Sicherheit. Dieses Bibelwort klingt wie eine prophetisch vorweg genommene Antwort auf den nun lange zurück liegenden und untergegangenen Propagandaspruch "Ohne Gott und Sonnenschein fahren wir die Ernte ein." Welch ein Irrtum und welch eine Selbstüberschätzung! Wenn Gott das Haus nicht baut, bleibt doch alles umsonst.

Das klingt hart. Aber es ist eine Warnung vor der eigenen Selbstüberschätzung. Meine eigenen Grenzen müssen mir bewusst sein. Denn mein Leben und das aller anderen Menschen verdanke ich Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde. Und mein Leben ist begrenzt. Jochen Klepper dichtet daher in einem Lied (EG 664):

Wer ist hier, der vor dir (Gott) besteht?
Der Mensch, sein Werk, sein Tag vergeht.

So dürfen wir Gott dankbar sein für das, was wir ernten und leisten können. Deswegen feiern wir im Oktober das Erntedankfest (Sonntag, 3. Oktober 2004). Dies heißt aber auch, dass wir Menschen wirklich etwas leisten und dass man die Werke von uns Menschen, wenn man um diese Grenze weiß, auch bewundern kann.

Dies gilt auch für das, was Menschen gebaut haben. Der Tag des offenen Denkmals gibt in diesem Jahr wieder Gelegenheit, das genauer anzuschauen, was Menschen gebaut haben. Zugleich wissen wir auch, welche Mühe es macht, diese gebaut haben. Zugleich wissen wir auch, welche Mühe es macht, diese Gebäude zu erhalten. Und dies gilt auch für die Bauwerke, die zur Ehre Gottes und um darin Gottesdienst zu feiern, errichtet wurden: Unsere Kirchen. Wir sind darauf angewiesen, dass wir als Menschen nicht alleine bauen, sondern dass Gott das Haus baut und uns in unserem Tun leitet. Und dies gilt auch, wenn wir an unserer Heinersdorfer Kirchengemeinde bauen. Dabei wollen wir Gott vertrauen und gemeinsam mit dem neu gewählten Gemeindekirchenrat (Wahl am 24. Oktober 2004) an unserer Gemeinde hier in Heinersdorf weiter-bauen.

Ganz herzlich,

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Wenn einer eine Reise tut ...

Form und Inhalt standen während einer Rüstzeit der Jungen Gemeinde nach Freest an der Ostsee im Einklang miteinander: Auf der Wochenendreise in das vorpommersche Fischerdorf an der Mündung des Peenestroms stand das Thema Reisen ganz im Mittelpunkt. Dabei ging es neben den eigenen Reisegewohnheiten und -erwartungen vor allem um die zahlreichen Reisen des Paulus durch Kleinasien und das südliche Europa. Auch wenn der Apostel seinerzeit ja eher geschäftlich unterwegs war, konnten wir viele seiner Ziele durchaus als touristische Reiseziele unserer Tage ausmachen: Die Inseln Rhodos, Kos, Zypern und Malta gehörten ebenso dazu wie Sizilien, der Peloponnes und natürlich Athen - der Ort, dem wir uns dank gewisser sportlicher Großereignisse wohl am meisten verbunden fühlten.

Trotz eher durchwachsenen Wetters blieben wir auch dem Strand nicht fern: Fußball, Sandburgen und natürlich der Sprung ins eher frische Wasser fehlten ebenso wenig wie ein nächtlicher Strandspaziergang vorbei an Fischereihafen und Mole.

Am Ende blieb die für eine Reise immer sehr schmeichelhaft klingende Erkenntnis: "Das war mal wieder viel zu kurz!" Zum Trost bleibt die Aussicht auf die nächste Rüstzeit und der Reim von Matthias Claudius:

Wenn einer eine Reise tut,
dann kann er was erzählen.
Drum nähme ich den Stock und Hut
und tät das Reisen wählen.

Uwe Müller


Glaube & Macht

Sachsen im Europa der Reformationszeit

Die "Sächsische Landesausstellung" in Torgau war das Ziel eines Gemeindeausfluges am 14. August. Als Gruppe von 13 Personen fuhren wir bei schönem Wetter per Bahn nach Torgau, das wir mittags erreichten. Bis zum Beginn der Führung durch die Ausstellung im wunderbar restaurierten Schloss "Hartenfels" blieb noch etwas Zeit für ein rasches Mittagessen oder einen ersten Bummel durch die Stadt, die u. a. mit sehr schönen Renaissancebauten - wie auch dem Schloss - aufwarten kann. Leider regnete es in dieser Zeit, aber pünktlich vor Beginn der Führung strahlte die Sonne wieder vom Himmel. Im Schlosshof versammelten wir uns um einen jungen Führer, der uns in den nächsten mehr als zwei Stunden sehr sachkundig, engagiert und auskunftsfähig durch die sehenswerte und in ihrem Dokumentationswert sicher einmalige Ausstellung führte.

"Glaube & Macht" ist eine fachübergreifende Darstellung der politischen sowie der Reformationsgeschichte in Sachsen, die beide - eng miteinander verzahnt - für die Verbreitung des Protestantismus in ganz Deutschland und Europa von entscheidender Bedeutung waren. Die Präsentation führt im Wesentlichen durch einen Zeitraum von knapp 80 Jahren - von der "Leipziger Teilung" des Kurfürstentums Sachsen-Wettin (1481) bis etwa zum "Schmalkaldischen Krieg" (1546).

Die historischen Zusammenhänge, Abläufe und Ereignisse werden mit Text- und Zeittafeln erklärt und durch eine fast erdrückende Fülle wertvoller Ausstellungsstücke von historischer und besonders religionsgeschichtlicher Bedeutung dokumentiert (Urkunden, Verträge und weitere Dokumente, die größtenteils als Originale gezeigt werden!). Die Ausstellung erhält ihre besondere Aussagekraft durch die gleichzeitige Präsentation zahlreicher auserlesener Kunstwerke, die - nach dem Willen ihrer Schöpfer (und Auftraggeber!) - die oft dramatischen Ereignisse der Reformationszeit darstellen, aber auch der Verbreitung des Reformationsanliegens inhaltlich dienen sollten. Besonders eng mit der Reformation (und den Reformatoren) verbunden und von herausragender Bedeutung für ihre künstlerische Umsetzung in "Dokumente" (historische Darstellungen) und "Verkündigung" (inhaltliche Darstellung des Reformationsgedankens) war Lucas Cranach, dessen Werke deshalb ein wesentlicher Teil der Ausstellung sind.

Zweiter Teil der Führung war eine Besichtigung der Schlosskapelle, die in ihrer (um)baulichen Anlage und Ausgestaltung erstmalig konsequent dem inhaltlichen Anliegen der Reformation folgte und damit auch richtungsweisend für spätere evangelische Kirchengestaltungen wurde.

Ein Besuch der Kurfürstlichen Kanzlei schloss die Führung ab, die sich auch dadurch auszeichnete, dass unser junger Führer nicht nur "Fakten herunterleierte", sondern erkennbar sich selbst inhaltlich mit dem Gezeigten und Erklärten identifizierte. Ihm sei besonders gedankt!

Damit war der "offizielle" Teil des Besuches abgeschlossen. Es gab noch mehrere Angebote, von denen das "Schreiben mit Federkiel" und "Kolorieren der Lutherrose" auch von einigen angenommen wurde. Natürlich konnte man auch das als Überblick Gesehene noch einmal im "privaten Rundgang" ausführlicher betrachten; wir entschieden uns für einen zweiten Besuch in Torgau.

Die Heimfahrt erfolgte, je nach verfügbarer bzw. eingeplanter Zeit, in zwei Gruppen. Bis dahin blieb noch Zeit für einen Imbiss oder einen Eisbecher oder weitere Besichtigungen. Torgau bietet über die Ausstellung hinaus noch mehr Sehenswürdigkeiten (z. B. das Schloss selbst, die Altstadt, mehrere Kirchen, die "Katharina-Luther-Stube"), die zu besichtigen es lohnt. Aber dazu bräuchte man noch einmal einige Zeit, die wir leider nur begrenzt hatten - doppelte Anregung für einen weiteren Besuch also, und damit: "Auf Wiedersehen, Torgau!"

Gottfried W. Pescheck

Recht ströme wie Wasser

Diese Vision aus dem Buch des Propheten Amos steht als Motto über der diesjährigen Friedensdekade. Selbst Wasser allerdings, diese für uns so selbstverständliche Lebensgrundlage, die ganz ohne Mühen und jederzeit in jedem Bad und in jeder Küche aus der Wand gezapft werden kann, strömt vielerorts gar nicht so selbstverständlich. Eben weil es so lebensnotwendig ist, war das Wasser schon der Anlass für so manchen zwischenstaatlichen Erpressungsversuch und diverse gewaltsame Auseinandersetzungen. Das Menschenrecht auf freien Zugang zu Trinkwasser rückt dann schnell mal in den Hintergrund.

Während der Ökumenischen Friedensdekade, die in diesem Jahr vom 7. bis zum 17. November stattfindet, wollen wir uns mit diesen Themen beschäftigen. An drei Tagen in dieser Zeit laden wir herzlich zu Abendandachten jeweils um 1930 Uhr in unsere Heinersdorfer Kirche ein:

Dienstag, 9. November,
Donnerstag, 11. November,
Montag, 15. November.

Außerdem findet am Buß- und Bettag um 1930 Uhr ein Gottesdienst mit Abendmahl statt:

Mittwoch, 17. November