April / Mai 2004

"So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben."
Johannes 3, 16

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde!

Auch ich gehöre zu den Menschen, die sich darüber freuen, wenn die Natur, wenn die Schöpfung wieder zu blühen beginnt. Es ist schön, nach dem Winter die Wärme der Sonnenstrahlen zu spüren, die einem ins Gesicht scheinen. Blumen blühen auf, und die Bäume stehen langsam wieder voller Laub. Der Winter ist vorüber. In seinem Faust dichtete Johann Wolfgang von Goethe einst jene berühmten Zeilen:

"Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück."

Das Aufblühen der Natur zu beobachten, ist interessanter als manches Schauspiel im Theater. In Gottes Schöpfung kann immer wieder eine kaum beschreibbare Schönheit entdeckt werden. So fühlen sich viele zu einem Osterspaziergang nicht nur an Ostern selbst ermuntert.

Aber Ostern ist mehr als ein Aufblühen der Natur. Das wäre viel zu kurz gegriffen. Christen freuen sich über die Blumen, aber feiern tun sie die Auferstehung des Herrn. Mit dem Ostermorgen ist nicht der Winter zu Ende, sondern die Passionszeit - jene Zeit im Kirchenjahr, in der wir vom Aschermittwoch bis zum Karsamstag an das Leiden und Sterben Jesu Christi denken. Das war wahrlich kein (Oster-)Spaziergang. Es war ein schwerer und bitterer Weg. Am Karfreitag starb Jesus am Kreuz. Am Karsamstag wurde der tote Jesus in ein Grab gelegt. Die Freunde Jesu damals weinten. Daran erinnern wir uns.

Manchmal waren wir aber selbst in kirchlichen Kreisen geneigt, das Leiden Jesu zu verdrängen. Ostereier fanden sich schon in der Karwoche in den Fenstern. Gedankenlos wurde von Ostersonnabend gesprochen und damit der Karsamstag gemeint. Aber an diesem Tag der Beerdigung Jesu ist eben noch nicht Ostern. Erst mit dem Hereinbrechen des Ostersonntages beginnt dieses Fest. Erst dann ist die Karwoche zu Ende. So könnte als Ostersonnabend höchstens der Samstag nach Ostern bezeichnet werden, alles andere wäre falsch.

Wir tun uns manchmal eben schwer, uns vor Augen zu führen, was Menschen in der Karwoche mit Jesus gemacht haben. Warum musste der Messias, warum musste der Sohn Gottes dies ertragen? Deutlich wird dies auch an den Diskussionen über Mel Gibsons neuen Film Die Passion Christi (The Passion). Die vielen Artikel und Studien über diesen Film sind kaum noch überschaubar. Sie reichen von wütender Ablehnung bis zu bewegter Zustimmung. Hier liegt ein Film vor, der nach eigenen Angaben vor Augen führen will, wie schwer das Opfer war, das Jesus für uns Menschen erbracht hat. Dieser Film tut dies, indem er sich auf das Leiden und den Tod Jesu konzentriert. Solche Bilder sind eigentlich unerträglich. Aber was damals geschah, war doch in Wirklichkeit noch viel schlimmer. Muss man aber dies auf diese Weise zeigen und die Kamera darauf halten?

Diese Frage scheint mir sehr berechtigt zu sein. Um das Ausmaß des Leidens Jesu zu begreifen, brauche ich persönlich derartige Filmbilder nicht. In der Bibel nachzulesen, führt weiter. So habe ich für mich entschieden, mir diesen Film nicht anzusehen. Aber trotzdem weigere ich mich, schlecht über diesen Film zu reden. Es muss jeder selbst entscheiden, ob er sich diesen extremen Bildern aussetzten will oder nicht. Mel Gibson kann ich seine gute Absichten nicht absprechen. Und in der Tat hat der Film bewirkt, dass in diesem Jahr besonders über das Thema der Passion diskutiert wird. Auf den Titelseiten war es plötzlich ein Thema, dass Jesus am Karfreitag vor fast 2000 Jahren starb.

Von den vielen Texten, die ich über den Film gelesen habe, hat mich am meisten der Vergleich des Berliner Theologieprofessors Dr. Richard Schröder angesprochen, wo er schreibt: "Wenn jemand bei dem Versuch, ein Kind aus den Flammen zu retten, umkommt, werden wir mit Bewunderung davon erzählen, aber doch nicht ein Video zeigen, wie er verbrennt."

So konzentriert sich der Evangelist Johannes auf den Sinn, den das Leiden und der Tod Jesu hat: "So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." (Johannes 3, 16). Das Ziel des Leidensweges Jesu darf nicht aus dem Blick geraten. Denn das Ziel seines Kreuzweges war ja nicht nur der Hügel Golgatha, wo das Kreuz aufgestellt wurde. Sondern das Ziel dieses Weges war unsere Erlösung, die dort am Kreuz geschah. Jesus nahm alles Leiden dieser Welt hinein in sein Leiden. Jesus starb diesen bitteren Tod bis zum bitteren Ende.

Danach, als Jesus tot war, als die Leiche ins Grab gelegt war, kam Ostern. Dies ist noch schwerer verständlich als das Leiden selbst. Aber auf die Tatsache, dass der Tod damit besiegt ist und dass nun eine Hoffnung da ist, die nicht mehr zerstört werden kann, können wir uns verlassen. So feiern wir an Ostern nicht die wieder gewachsene Blütenpracht, sondern dass Gottes Liebe stärker ist als der Tod und größer ist als alles, was uns Angst machen könnte.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen eine nachdenkliche Passionszeit und ein gesegnetes Osterfest

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Informationen zur GKR-Wahl

In diesem Jahr finden wieder Wahlen zum Gemeindekirchenrat statt. Der GKR hat als demokratisch gewähltes Gremium die Aufgabe, gemeinsam mit dem Pfarrer die Gemeinde zu leiten und ihre Geschicke zu bestimmen. Dazu zählen finanzielle Angelegenheiten, Bau- und und Personalfragen, aber auch viele inhaltliche Aspekte des Gemeindelebens: Gottesdienste, Veranstaltungen und vieles mehr. Wahltermin ist der 24. Oktober, und es wird die Hälfte der Mitglieder für die Dauer von sechs Jahren neu gewählt. Gesucht werden Gemeindeglieder, die sich vorstellen können, künftig im GKR mitzuwirken, und zur Wahl kandidieren möchten. Wenn Sie daran Interesse haben oder jemanden zur Wahl vorschlagen möchten, wenden Sie sich bitte an Pfarrer Kaehler oder Uwe Müller. Genauere Informationen zur Wahl gibt's dann im nächsten Gemeindeheft.

Musiktheater für Kinder

Vor rund vierzig Kindern, von denen viele ihre Eltern mitgebracht hatten, wurde am 19. Februar im Margaretensaal das Theaterstück "Wie der Stern sein Leuchten fand" aufgeführt. Mit ansprechenden Kostümen und einer fantasievollen Dekoration verstand es die Musikpädagogin Kerstin Heimlich, die Kinder zu begeistern. Die meditative musikalische Begleitung verlieh der Geschichte eine hohe Spannung, ohne auf sonst so oft gebrauchte Konfliktelemente zu setzen. So waren es denn auch zwei Frösche, ein Grashüpfer und eine Spinne, die dem kleinen Stern dabei halfen, sein Leuchten wieder zu finden. Und am Ende der viel zu schnell vergangenen 40 Minuten leuchtete schließlich nicht nur der Stern, sondern auch die Augen der jungen Zuschauer.

Matthias Christiansen

Weltgebetstag in Heinersdorf

Wie in jedem Jahr am ersten Freitag im März war am 5. März der Weltgebetstag. Er wurde im Heinersdorfer Gemeinderaum mit einem Gottesdienst gefeiert, zu dem etwa 25 Gemeindeglieder kamen - nicht nur Frauen, was wegen der langen Tradition des Weltgebetstags der Frauen immer noch für eine kleine Sensation sorgt. Die Gebetstagsordnung, die von Frauen aus jeweils einem anderen Land erstellt wird, kam diesmal aus Panama. Der Gemeinderaum war feierlich ausgestaltet - mit allerlei Bildern und Blumen, einer Landkarte und Kerzen. In der Mitte des Raums waren Tücher zu dem von den beiden Ozeanen und dem berühmten Panamakanal eingerahmten mittelamerikanischen Land zurechtgelegt (Foto). Von nahezu allen anwesenden Frauen wurden Texte gelesen und Gebete gesprochen. Musikalisch wurde der Gottesdienst von Frau Hensel begleitet, und Frau Kaehler hielt eine kurze Predigt. Wie schon in den Jahren zuvor hatte Frau Nowitzki den ganzen Gottesdienst organisiert, was ihr auch wie immer in wunderbarer Weise gelungen ist. Thematisch nahm der Gottesdienst die Situation der Frauen in Panama auf - die Unabhängigkeitsbewegungen, das Leben auf dem Lande und in den Städten.

Und nachdem über die Bedeutung des Bananenanbaus für die Menschen in Panama und über die Wichtigkeit des fairen Handels mit diesen für uns zur Selbstverständlichkeit gewordenen Früchte berichtet wurde, gab's am Schluss noch die Bio-Bananen zu essen, die eigentlich nur zur Dekoration gedacht waren. Ein schöner Gottesdienst für alle Sinne!

Uwe Müller

Zukünftige Nutzung des Margaretensaals

Wer bei der Gemeindeversammlung Ende Januar im Gemeinderaum dabei war, erinnert sich sicherlich daran, dass es neben den Berichten aus dem Gemeindekirchenrat, der Kantorei und dem Kindergarten um das Thema der zukünftigen Nutzung des Margaretensaals ging. Der gemeinsam mit dem gleichnamigen Haus in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts erbaute Veranstaltungsraum war nach der Wende mehrere Jahre lang an einen Teppichladen vermietet und wird seit einigen Jahren wieder durch die Gemeinde genutzt - für die Feier zum ersten Advent, die Ausstellungen zur 700Jahrfeier von Heinersdorf und zum Tag des Offenen Denkmals und für Kindertheateraufführungen.

Seit längerem gibt es die Idee, den Saal intensiver nutzbar zu machen - für Gemeindeveranstaltungen im bisher üblichen Sinne, aber auch darüber hinaus: Als eine Art Schnittpunkt zwischen Kirchengemeinde und Heinersdorf als Kommune. Gedacht ist dabei an Veranstaltungen mit einem öffentlichem und stärker einladenden Charakter, an Angebote für Familien, Kinder und Jugendliche, an die Vermietung des Saals für private Feiern und externe Veranstaltungen und - als mögliche Vision - an die Einrichtung eines mehr oder weniger regelmäßigen Cafbébetriebs.

A Dazu muss nicht nur ein Konzept erarbeitet werden. Es sind auch viele Arbeiten notwendig, damit der Saal die Mindestanforderungen an die Ausstattung erfüllt - sanitäre Anlagen, eine Küche, die Instandsetzung der Elektrik. Der Gemeindekirchenrat hat im vergangenen Jahr einen Konzeptentwurf ausgearbeitet, der im Rahmen des landeskirchlichen Förderprogramms "Missionarischer Aufbruch" als Antrag auf finanzielle Unterstützung eingereicht wurde - leider bisher ohne Erfolg, aber durchaus nicht ohne Aussicht auf eine spätere Bewilligung.

Unabhängig von einer finanziellen Zuwendung durch die Landeskirche haben sich während der Gemeindeversammlung einige Menschen bereit erklärt, an den bestehenden Ideen für die zukünftige Nutzung des Margaretensaals weiterzuarbeiten und neue Ideen einzubringen und zu entwickeln. Die Arbeitsgruppe, zu der alle interessierten Gemeindeglieder herzlich eingeladen sind, trifft sich zum ersten Mal am Montag, dem 26. April, um 19.30 Uhr im Gemeinderaum.

Uwe Müller

Der besondere Ausstellungstip: 10 + 5 = Gott

Ein etwas merkwürdiger Titel für eine Ausstellung. Mathematisch begabte Menschen kommen da eher zu einem anderen Ergebnis. Wer als Ergebnis 15 hat, braucht aber nicht umzulernen. "10 + 5 = Gott" ist die sehr empfehlenswerte Ausstellung im Jüdischen Museum in der Lindenstraße 9 - 14, die bis zum 27. Juni täglich von 10 Uhr bis 20 Uhr zu sehen ist.

Die Ausstellung, deren Untertitel "Die Macht der Zeichen" lautet, behandelt den Zusammenhang von Buchstaben und Zahlen und deren Verhältnis zueinander. Den Buchstaben im Alphabet kann eine Zahl zugeordnet werden, so dass eine Zahl dann für einen bestimmten Buchstaben oder ein Buchstabe für eine bestimmte Zahl steht. Mit dem hebräischen Alphabet, welches nur aus Konsonanten besteht, geht das besonders gut. Im Hebräischen wird der Gottesname aus vier Buchstaben gebildet. Luther hat das in seiner bÜbersetzung des Alten Testamentes nachgeahmt, A wenn er dies mit HERR übersetzte und dabei Großbuchstaben verwendete. Abgekürzt besteht der Gottesname aus zwei Buchstaben, die den Zahlenwert 10 und 5 bilden. So bedeuten diese Buchstaben beziehungsweise Zahlen das Wort Gott. Das also ist die Erklärung für den ungewöhnlichen Titel der Ausstellung, die ein besonderes Augenmerk auf jüdische Traditionen richtet. Ein Besuch lohnt sich. Es gibt auch besondere Führungsangebote für Kinder und Schulklassen.

Andreas G. Kaehler