Februar / März 2004

"Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen."
Psalm 91, 11
(Monatsspruch Februar)

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde!

Junge Menschen drücken manchmal ganz direkt aus, was sie empfinden. Die Älteren sind darüber oft erschreckt. Es gab eine Zeit, da führten Jugendliche den Spruch auf der Zunge: "Sei realistisch, verlange das Unmögliche."

Was soll denn das? Wird dieser Spruch auch heute noch verwendet? In der letzten Zeit, in der viel von Reformen geredet wird und so viel nicht gelingt, habe ich solche Worte wenig gehört. Die Verunsicherung ist groß. Mutige Entwürfe, die bei allem Mut zugleich darauf achten, dass die sozial Schwächeren nicht (noch) weiter benachteiligt werden, sind eher selten. In Gesprächen begegnet mir immer wieder eine große Unzufriedenheit. Die Sachzwänge scheinen groß zu sein.

Aber junge Leute haben doch Recht, wenn sie anmahnen, dass man mit den unglaublich hohen Neuverschuldungen keine Löcher stopft, sondern nur die Chancen für die Zukunft verspielt. Wer sich um gute Lebensbedingungen auch für alte Menschen und für Kinder und Jugendliche sorgt, liegt doch ganz richtig. So findet sich in dem berühmten Sozialwort der Kirchen von 1997 der hohe Anspruch, "für eine Wertorientierung einzutreten, die dem Wohlergehen aller dient".

Das ist meiner Meinung nach nicht etwas Unmögliches, sondern es beginnt mit kleinen Schritten und würde vieles möglich machen, was auf den ersten Blick unmöglich zu sein scheint. Dazu würde es gehören, die guten Dinge möglichst zu bewahren und Verbesserungen zu versuchen. Ganz wichtig wäre dabei auch, an andere und nicht nur an sich selbst zu denken.

Bei diesen Überlegungen erinnere ich mich an die Jahreslosung für das neue Jahr 2004 und bin zunächst verblüfft. Dieser Vers aus dem Markusevangelium lautet: "Jesus Christus spricht: Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen." (Markus 13,31).

Plötzlich bekommen die Gedanken nun eine ganz andere Richtung. Die Dinge, die wir sehen können, sind nicht von ewiger Dauer. Ja selbst der sichtbare Himmel und die sichtbare Erde werden vergehen. Das ist ein unangenehmer Gedanke. Aber auch die Probleme sind nicht von ewiger Dauer. Auch was Menschen bauen, hält nicht ewig. "Alles, was der Mensch beginnt, vor seinen Augen noch zerrinnt" (Jochen Klepper). Alles ist vergänglich!

Bei dieser Feststellung belässt es die Jahreslosung aber nicht: "Meine Worte aber werden nicht vergehen", sagt Jesus Christus. Egal was kommt, die Worte Jesu bleiben. Das ist eine neue Perspektive. Das hat mit Pessimismus überhaupt nichts zu tun. Mit Realismus schon eher. Der Glaube gibt uns den Mut, kritische Fragen zu stellen - so wie es die christliche Rockgruppe Beatbetrieb in ihrem Lied "Woran glaubst Du?" getan hat: "Am Ende aller Zeit, sag was bleibt?"

Keine leichte Frage. Aber im christlichen Glauben können wir hier eine Antwort finden. Dass materielle Dinge vergänglich sind, muss uns dann nicht mehr erschrecken. Denn die Worte Jesu bleiben und Jesus bleibt bei uns mit seinem Wort. Er will uns Kraft geben für unseren Alltag und dafür, auch schwierige Probleme in Angriff zu nehmen und nach Lösungen zu suchen.

Der Monatsspruch sagt uns, dass wir selbst bei schwierigen Aufgaben auf Gottes Hilfe vertrauen dürfen. Denn: "Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen." (Psalm 91, 11).

In diesem Sinne grüßt Sie ganz herzlich Ihr

Pfarrer Andreas G. Kaehler

Weltgebetstag 2004 - Panama

Panama ist das Land, über dass der Weltgebetstag 2004 berichtet. Die Republik ist eine Landenge zwischen dem nord- und südamerikanischen Kontinent. Sie ist berühmt durch den gleichnamigen Kanal, der den Atlantik mit dem Pazifischen Ozean verbindet.

Bereits 8000 v. Chr. lebten dort Jägervölker. 1501 wurde Panama "entdeckt" und zur spanischen Kolonie erklärt. Die wirtschaftliche Basis des Landes ist heute vor allem der Dienstleistungsbereich (Handel, Banken, Tourismus). Wichtigste Industriezweige sind die Fischverarbeitung und Erdölraffinerien. Dagegen macht die Landwirtschaft nur etwa 7% des Bruttosozialproduktes aus.

Die Situation der Frauen in Panama ist sehr unterschiedlich. Sie hängt von der jeweiligen Ethnie, der familiären und der wirtschaftlichen Lage ab. Seit 1945 besteht das allgemeine Wahlrecht. Seit den 70er Jahren engagieren sich Frauen verstärkt für die Unabhängigkeit von den USA und gegen die Militärdiktatur im eigenen Land.

Kirche und Staat sind in Panama getrennt. 80% der Menschen gehören der römisch-katholischen und 15% der protestantischen Kirche an.

Seit mehr als 50 Jahren wird in Panama der Weltgebetstag gefeiert. Frauen aus den USA und England, die in der Kanalzone gelebt haben, haben ihn bekannt gemacht.

In Heinersdorf wird es auch in diesem Jahr wieder einen Gottesdienst zum Weltgebetstag geben, der ehrenamtlich von Gemeindegliedern vorbereitet wird. Wir feiern ihn am Freitag, dem 5. März, ab 19.30 Uhr im Gemeinderaum.

Am Donnerstag, dem 25. März, werden im Gesprächskreis Dias aus Panama gezeigt. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Diavortrag: Orthodoxe Christen in Russland

Mehr als 15 Jahre sind vergangen, seitdem Michail Gorbatschov seine Perestrojka einleitete und damit den Weg für die "religiöse Renaissance" Russlands bereitete. Im Jahr 1988 begingen der sowjetische Staat und die Kirche gemeinsam das Jubiläum "1000 Jahre Russische Orthodoxie". Heute wird das Bild von der Russischen Orthodoxie weithin durch die Erscheinung selbstbewusster Würdenträger in prächtigen Gewändern, durch goldene Ikonostasen und repräsentative Kathedralen wie der neu errichteten Erlöser-Kirche im Zentrum Moskaus geprägt. Mit Sorge registriert man im Westen die aufs Neue geknüpften engen Verbindungen zwischen Kirche und Staat.

Ich will Sie dazu einladen, mit mir für einen Abend diese Bühne der großen Religionspolitik zu verlassen. Dazu zeige ich Ihnen Dias, die in den Jahren 1999 und 2000 auf Pilgerfahrten durch die russische Provinz entstanden. Sie erzählen von einer Religiosität, wie sie uns im Westen fremd ist, von heiligen Quellen und Exorzismen, von verfallenen Höhlenklöstern in den Kreidefelsen am Don und von dem Engagement, mit dem junge Christen versuchen, sie mit bescheidenen Mitteln wieder neu zu beleben.

Der Diavortrag findet am Donnerstag, dem 26. Februar im Gemeindesaal hinter der Kirche statt. Er beginnt um 19.30 Uhr.

Martin Schuster

Martin Schuster, geboren 1975 in Weilburg, studierte Ev. Theologie in Greifswald, St. Petersburg und jetzt in Berlin.