Dezember 2003 / Januar 2004

"Gott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde."
Psalm 78, 3-4
(Monatsspruch Dezember)

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde!

Träume sind etwas für's Kino, könnte man sagen. Da werden Dinge möglich gemacht, die im normalen Leben so einfach nicht sind, oder doch viel schlichter erlebt werden. Da wird manches wichtige Ereignis noch einmal erlebt wie das "Wunder von Bern" oder das Leben Martin Luthers in dem neuen Lutherfilm. Und bei all diesen Träumen und "Wundern", die uns im Kino oder Fernsehen vermittelt werden, spüren wir, dass sie uns ansprechen, Emotionen wecken und sogar Tränen in die Augen treiben. Aber es bleibt Kino, es ist eine künstliche Welt. Was wir sehen, sind nur Kulisse, gute Schauspieler und eine geschickte Kameraführung. Unser Leben bleibt, wie es ist. Durch den Film ändert sich nichts.

Aber sehnen wir uns nicht manchmal nach den echten kleinen Wundern - danach, dass ein Problem sich löst, danach, dass Geduld belohnt wird, danach, dass etwas, das uns bedrückt, doch noch gut ausgeht? Wünschen wir uns nicht zuweilen, dass uns eine Last genommen wird und wir neu beginnen können? Jedem, der diese Zeilen liest, werden jetzt verschiedene Dinge einfallen. Den Monatsspruch für den Dezember aus dem Jesajabuch empfinde ich als Antwort auf solche und ähnliche Fragen: "Gott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde."

Gott wendet sich uns zu. Er tut dies auch in Situationen, in denen wir nicht damit rechnen. Auch in ausweglosen Lagen will Gott uns spüren lassen, dass er es gut mit uns meint. Selbst in der Wüste, wo es kein Wasser gibt - um das Bild aufzunehmen - und die Gefahr besteht, dass ich verdurste, reicht Gott mir mehr als ein Glas Wasser. Und wenn ich keinen Weg mehr sehe, wie es weitergehen soll, dann macht Gott einen Weg, auf dem ich sicher vorankomme.

Dieser Weg hat einen Namen: Jesus. Von sich selbst hat Jesus einmal gesagt: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Johannes 14, 6). Dieser Weg, dieser Ausweg aus schwieriger Lage ist also da. Dies hat mit dem großen Fest zu tun, das wir immer im Dezember feiern: Weihnachten. Der Grund für dieses Fest ist, dass Jesus Christus als Mensch geboren wurde. Gott macht etwas ganz Neues, das die Lage von uns Menschen ändert, in dem sein Sohn in unsere Welt kommt. Mit dieser Geburt tritt Jesus auch in unser Leben. Er bietet es jedenfalls an. Ein sicherer Weg durch unwegsames Gelände wurde so von Gott vorbereitet und neu gemacht. Es liegt an uns, darauf zu gehen. Hier wird uns wirklich der Weg frei gemacht, ohne dass es sich um leere Versprechungen handelt. Die Advents- und Weihnachtszeit lädt uns immer wieder ein, über dieses Angebot nachzudenken. Mit der Geburt Jesu im Stall von Bethlehem wurde es damals ganz konkret. In einer nicht einfachen Lage war plötzlich ein Grund zur Freude war. Ein Kind war geboren, Jesus Christus ist in unsere Welt gekommen. Wir sind nicht mehr allein, denn Gott kommt zu uns. Ein Traum verwirklicht sich. Und so wird in der Heiligen Nacht ein Traum war. Träume gibt es eben nicht nur im Kino, sondern sie verwirklichen sich in unserem Alltag.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und ein gutes neues Jahr.

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Einsturz

Mit einem ohrenbetäubenden Knall sind am Morgen des 6. November die Anwohner des Margaretenhofs aufgeschreckt worden. Dort hatte ein LKW, der Sand für einen Buddelkasten im Kindergarten liefern wollte, den hinteren Torbogen zum Einsturz gebracht, nachdem er diesen mit seinem Kranauflieger gerammt hatte. Die genaue Höhe des Schadens steht noch nicht fest. Der Wiederaufbau des kleinen Bruders unseres Gemeindelogos wird durch die Haftpflichtversicherung des Unternehmens finanziert.

Martinsumzüge in Heinersdorf

Am 11. November 2003, dem diesjährigen Martinstag, gab's in Heinersdorf gleich zwei große Laternenumzüge. Der schon zur Tradition gewordene Martinsumzug des Kindergartens begann am späten Nachmittag bei Einbruch der Dunkelheit. Er endete wie gewohnt mit einem kleinen Gottesdienst in der Kirche.

Anschließend gab's dann aber eine richtige Premiere: Gegen 1745 Uhr zogen mehrere hundert Schüler, Lehrer und Eltern von der Heinersdorfer Grundschule über die Berliner Straße zur Kirche. Die Polizei hatte die Straßen abgesperrt und die Autoschlangen stauten sich aus allen Richtungen. Als alle in dem für viele unvertrauten Kirchraum Platz gefunden hatten, begann der Kinderchor der Heinersdorfer Kantorei das Lied von Sankt Martin zu singen. Anschließend führte die zweite Klasse der Grundschule ein kurzes Stück über den heiligen Martin auf, in dem er im Gegensatz zu anderen vorbeikommenden Passanten einem in der Kälte frierenden Bettler hilft und ihm sogar einen Teil seines Umhangs anbietet. Dann folgten noch ein paar Worte des Pfarrers und der Leiterin des Kindergartens Frau Seifert, bevor für alle Anwesenden Martinshörnchen verteilt wurden und "Ich geh mit meiner Laterne" angestimmt wurde. Nach dem Auszug aus der Kirche zogen die Teilnehmer, begleitet von Polizei und Feuerwehr in einem großen Bogen um die Kirche und zurück zur Schule, wo das Martinsfest mit einem Lagerfeuer beendet wurde.

Der Martinstag erinnert an Sankt Martin, der im vierten Jahrhundert lebte und über den Berichte überliefert sind, in denen seine bescheidene Lebensweise, seine Mildtätigkeit und seine wundersame Gabe, Kranke zu heilen, bezeugt sind. 371 wurde er zum Bischof von Tours (Frankreich) ernannt, wo er am 11. November 397 im Alter von 80 Jahren starb. Schon bald darauf wurde er als Heiliger verehrt.

Der Gemeindekirchenrat in Lobetal

Stau kurz hinter Heinersdorf. Nur im Schritttempo näherten wir uns unserem Ziel. Ein Wochenende stand bevor, das dem Heinersdorfer Gemeindekirchenrat Zeit für die Dinge geben sollte, für die in den monatlichen Sitzungen nur wenig oder gar keine Zeit bleibt. So blickten wir am ersten Abend auf das vergangene Arbeitsjahr zurück. Doch schnell wurde aus dem Rückblick ein Ausblick, und Ideen zur Familienarbeit wurden diskutiert.

Der Sonnabend stand ganz im Zeichen der neuen Agende, dem Evangelischen Gottesdienstbuch, das uns durch Pfarrer Kaehler nähergebracht wurde. Wir hatten Zeit, die Liturgie unseres Heinersdorfer Gottesdienstes genauer zu betrachten, das was uns jeden Sonntag wie selbstverständlich von den Lippen kommt, genauer unter die Lupe zu nehmen. Neue und alte Elemente der Gottesdienstordnung, wie sie in der neuen Agende vorschlagen werden, wurden diskutiert. Wann kommt das Fürbittengebet? Soll das Sündenbekenntnis wieder gesprochen werden? Wie viele Lieder werden im Gottesdienst gesungen? Wie soll unser Abendmahl aussehen? Jetzt soll Neues und Altes kombiniert und ausprobiert werden. Vielleicht ist dies auch Anregung für die thematische Arbeit in den anderen Gemeindekreisen.

Neben dem Nachdenken blieb aber auch Zeit um etwas zur Ruhe und der Natur etwas näher zu kommen, das örtliche Gaststättengewerbe näher kennenzulernen oder beim abendlichen Smalltalk im Hause Seifert die Seele baumeln zu lassen.

Neben der neuen Agende ging es auch um die Familienarbeit. Das Abendmahl mit Kindern wurde besprochen, auch soll es im nächsten Jahr eine Wochenendrüstzeit für Familien geben. Am Sonntag nahmen wir am Lobetaler Gottesdienst teil. Hier erlebt man immer wieder eine ganz besondere Gemeinschaft mit den behinderten Bewohnern Lobetals. Abschließend blickten wir noch etwas in die Zukunft und schmiedeten schon einige Pläne für das kommende Arbeitsjahr des GKR.

Sebastian Schütz