September / Oktober / November 2003

"Was wir hörten und erfuhren, was uns die Väter erzählten, das wollen wir unseren Kindern nicht verbergen."
Psalm 78, 3-4
(Monatsspruch September)

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde!

Wenn der Urlaub zu Ende ist und sich alle wieder eingefunden haben, dann gibt es viel zu erzählen. Manche empfinden das als besonders spannend. Die gemachten Fotos dürfen dabei auch nicht fehlen. Neben den altvertrauten Dias und Fotoabzügen kommen bei vielen nun Digitalaufnahmen dazu, die am heimischen Computer noch kreativ verändert werden können. Es gibt halt immer wieder was Neues. Bei den verschickten Ansichtskarten bleibt es aber eben doch eher beim Alten.

Andere wiederum finden diesen Brauch gar nicht so schön. Weil sie nicht so viel erzählen möchten. Oder weil es finanziell nicht möglich war, weiter weg zu vereisen. Manchmal können die ruhigeren Tage zu Hause aber auch sehr erholsam sein. Das Wetter war in diesem Jahr ja sehr schön, manchen sogar zu warm. Auch hier gibt es etwas zu erzählen.

In dem Monatsspruch für den September finden wir ebenfalls das Stichwort vom Erzählen. Um Erzählungen aus dem Urlaub geht es hier sicher nicht, wenn wir im 78. Psalm lesen: "Was wir hörten und erfuhren, was uns die Väter erzählten, das wollen wir unseren Kindern nicht verbergen."

Der Wunsch, was man selbst an guten Dingen erfahren hat, auch an die Kinder weiterzugeben, ist verständlich. Das hat mit Tradition zu tun, mit Erfahrungen im Glauben, mit Dingen, die im Leben wirklich wichtig sind. Das Erstaunliche ist, das dies nicht von den aktuellen Moden oder bestimmten Zeiten abhängig ist. Was Christen vor 100 Jahren und sogar vor 2000 Jahren Mut gemacht hat, ist immer noch dasselbe. Und auch im Alten Testament können wir dies schon entdecken. Es ist die Erfahrung, dass Gott es gut mit uns meint. Der Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, will auch jeden von uns durch die Zeit tragen - so wie unsere Vorfahren sich im Glauben getragen wussten. Von diesem Glauben gibt es viel zu erzählen. Deswegen ist die Bibel so ein dickes Buch. Es lohnt sich, diese Erzählungen zu lesen.

Mit den Traditionen ist es aber manchmal gar nicht so einfach. Denn die Tradition muss immer wieder lebendig werden. Ich möchte dies mit einem Bild veranschaulichen, welches ich in einem Kinofilm entdeckt habe. Der Film heißt Whale Rider (Wal-Reiter) und stammt aus Neuseeland. Es ist ein Film über die ursprüngliche Bevölkerung von Neuseeland, welche vor langer Zeit, von den Polynesischen Inseln kommend, dort einwanderte - die Maori. Es geht darum, was alte Traditionen in der modernen Gesellschaft bedeuten können und wie das Mädchen, das die Hauptrolle in dem Film spielt, ihren Platz in der Gesellschaft und die ihr zustehende Anerkennung findet. Eines Tages ist sie mit ihrem Großvater am Strand, der den Außenbordmotor seines kleines Bootes repariert. Mit einer Strippe aus der Naturfaser will er den Anlasser des Motors betätigen. Er versucht es immer wieder. Vorher versucht er dem Mädchen zu erklären, was Tradition bedeutet. Er erklärt den Zusammenhang all der Generationen, die aufeinander folgten und Wichtiges weitergegeben haben. Die Väter erzählten es den Söhnen, und diese wiederum ihren Kindern - so, wie die einzelnen zusammengeflochtenen Teile der Schnur miteinander verbunden sind. Der Großvater versucht nun noch einmal, den Motor zu starten. Die Schnur reißt. Er ärgert sich, steht auf und geht weg, um eine neue Schnur zu holen. Das Mädchen nun, eine gelehrige Schülerin ihres Großvaters, verknotet die Teile der zerrissenen Schnur zu einer neuen Strippe. Sie bekommt den Motor zum Laufen, noch bevor der Großvater mit einer anderen Schnur zurückkehrt.

Übertragen auf unsere christliche Tradition bedeutet das, das es immer noch viel zu entdecken gibt im christlichen Glauben. Manchmal muss man nur genau hinsehen oder hinhören, was die Väter und Mütter im Glauben uns zu erzählen haben. Und dann merkt man, dass man damit wirklich leben kann und neue Kraft für den Alltag bekommt.

Zum Schluss möchte ich noch einmal auf ein Beispiel aus dem Urlaub zurückkommen. Da berichtet jemand, dass er in seinem Urlaubsort - es muss gar nicht so weit weg gewesen sein - an einem warmen Sommertag in die kühle Kirche ging - einfach so, um sich auszuruhen. Und dann sah er nach vorne in den Altarraum, sah das Kreuz, an dem Jesus hängt und erinnert sich an die Geschichten aus der Bibel, die ihm sein Vater oder seine Mutter oder seine Großmutter in der Kindheit erzählt hatten.

Da wurde ihm klar, dass dies auch für ihn gilt, dass Jesus Christus auch für ihn am Kreuz gestorben ist und dass Gott mit ihm den Weg gehen will, dass Gott ihn in seinem Leben begleiten will - und das nicht nur im Urlaub.

Etwas Großartigeres gibt es nicht zu erzählen.

Ganz herzlich, Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

 

Tag des offenen Denkmals

In diesem Jahr beteiligt sich unsere Heinersdorfer Kirchengemeinde zum zweiten Mal am Tag des offenen Denkmals. Das besondere Motto für 2003 lautet: "Geschichte hautnah - Wohnen im Denkmal". Häuser und Wohnungen sind für uns ganz selbstverständlich. Baudenkmale, das sind auf den ersten Blick besondere Gebäude wie Kirchen, Burgen oder Schlösser. Aber manchmal stehen auch normale Häuser unter Denkmalschutz. So ist es auch bei den Denkmalen, die zu unserer Kirchengemeinde gehören. Auch die Wohnhäuser, das Margaretenhaus und das Pfarrhaus werden von mehreren Familien und Menschen bewohnt. So zählt längst nicht nur die Heinersdorfer Kirche zu den Denkmalen.

Schon ganz am Anfang der Bibel (1. Mose 4, 17) findet sich folgende kurze Feststellung: "Und Kain baute eine Stadt." Diese Fähigkeit gehört also zu den guten Möglichkeiten, die Menschen entwickelt haben - nämlich Häuser zu bauen, um darin zu wohnen. Häuser wurden in den verschiedenen Zeiten und Gegenden sehr unterschiedlich gebaut. Es ist für uns selbstverständlich, dass es Häuser gibt. Alte Häuser werden abgerissen, neue werden gebaut. In Europa waren Häuser zunächst aus Holz oder Lehm. Die ersten Steinhäuser waren Kirchen. Später wurden dann die meisten Bauwerke aus Stein oder Ziegeln errichtet. Es wurde ganz selbstverständlich.

Bestimmten Häusern und Bauwerken wird aber wegen ihrer besonderen Gestaltung und ihrer Geschichte eine besondere Bedeutung zugemessen.

In diesem Jahr wird betont, dass gerade auch im Vertrauten besondere Dinge zu entdecken sind - so wie in dem Bild auf der rechten Seite besondere Bauwerke zum Vorschein kommen.

Im Mittelpunkt des Tags des offenen Denkmals steht aber auch in diesem Jahr wieder unsere Kirche, wo wir den Tag mit einem festlichen Gottesdienst beginnen. Anschließend wird es die Gelegenheit zu Kirchenführungen geben.

Aber auch der Margaretensaal wird zugänglich sein. Teile der Ausstellung 700 Jahre Heinersdorf vom vergangenen Jahr sollen mit einigen Ergänzungen zu sehen sein. Ebenso werden Pläne zur Stadt- und Verkehrsplanung ausgehängt sein, wenn sie vom Bezirksamt rechtzeitig zur Verfügung gestellt werden. So werden neben den historischen auch aktuelle Aspekte angesprochen, die für Heinersdorf wichtig sind.

Denn bei allen Diskussionen über Denkmalschutz oder zukünftige Entwicklungen bleibt es das Entscheidende, dass hier Menschen leben, die sich wohl und zuhause fühlen wollen.

Zehn Tage für den Frieden

Frieden, das ist etwas Zerbrechliches und stets Bedrohtes. Das gilt auch, wenn Frieden hier in unserem Land zu etwas Selbstverständlichem geworden zu sein scheint - etwas, ohne das wir uns unser Leben gar nicht vorstellen können und wollen.

Der Weg zum Frieden ist steinig und oftmals von Rückschlägen gekennzeichnet. Einen Diktator oder ein Regime zu beseitigen, reicht meist ebensowenig wie der erklärte Wille aller Beteiligten, der Gewalt künftig abzuschwören. Spiralen der Gewalt und der Vergeltung tun sich auf, feste Strukturen von Ausbeutung und Armut, aber auch persönliche Lebensumstände, aus denen es scheinbar kein Entrinnen mehr gibt und die immer weiter in die Ausweglosigkeit führen - Teufelskreise.

Unter dem Motto "Teufelskreise verlassen" wollen wir in Heinersdorf auch in diesem Jahr Andachten zur Ökumenischen Friedensdekade durchführen und dabei ins Gespräch über Wege heraus aus diesen fatalen Kreisläufen von Gewalt, Armut und Perspektivlosigkeit kommen, für den Frieden beten und singen und miteinander Fürbitte halten. Die Friedensdekade beginnt am Sonntag, dem 9. November, und endet am Buß- und Bettag, am 19. November. Wochentags um 1930Uhr gibt es Andachten, und am Buß- und Bettag findet, ebenfalls um 1930Uhr, ein Abendmahlsgottesdienst statt.

Am Montag, dem 27. Oktober, um 1900Uhr, findet im kleinen Gemeinderaum über dem Margaretensaal ein Vorbereitungstreffen für die Friedensdekade statt, zu dem wir alle interessierten und friedensbewegten Gemeindeglieder herzlich einladen. An diesem Abend wollen wir über den roten Faden sprechen, der die sieben Andachten und den Abschlussgottesdienst verbindet.

Die Andachten selbst sollen dann in gewohnter und bewährter Weise in den einzelnen Kreisen vorbereitet werden.

Auf Ihr Mitwirken freut sich

Uwe Müller