April / Mai 2003

"Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist"
(Römer 12,2. Monatsspruch April.)

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde!

während ich diese Zeilen schreibe, weiß ich nicht, was inzwischen passiert sein wird, wenn Sie diesen Gemeindebrief in den Händen halten. Und selbst wenn wir in dem Augenblick des Lesens mehr wissen von Ereignissen, so wissen wir wiederum nicht, was sich daraus entwickelt. Aus Schlimmem kann manchmal doch etwas Gutes werden.

Mir ist dabei immer die Geschichte von Joseph vor Augen, und dies jenseits von der heutigen Weltpolitik, nachzulesen im 1. Buch Mose in den Kapiteln 37 und 39 bis 50. Wie viel Segen ist doch von dem Joseph ausgegangen, als er in eine verantwortungsvolle Position kam und dafür sorgen konnte, eine Hungerkatastrophe zu verhindern oder doch wenigstens einzudämmen.

Zunächst begann es böse. Von seinen Brüdern in die Sklaverei verkauft, schien ihm eine schlimme Zukunft bevorzustehen. In seinem Glauben an Gott und in seinem Vertrauen zu ihm ging Joseph einen ganz anderen Weg. In dem Kindermusical "Joseph, ein echt cooler Träumer", das dankenswerterweise auch bei uns in der Gemeinde im Margaretensaal Station machte, wurde uns dieser Lebensweg noch einmal vor Augen geführt. Am Ende steht die Lebensweisheit des Joseph, die er an seine Brüder gerichtet offen aussprach, als er sagte: "Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen." Joseph rächt sich nicht an seinen Brüdern. Er bietet seine Hand an. Sie schließen Frieden. Ein Opfer vergibt den Tätern. Alles ist gut gegangen.

In der Welt sieht es leider oft anders aus. Nun hat vor dem Redaktionsschluss unseres Gemeindebriefes der III. Golfkrieg begonnen. Bei der überarbeitung dieses Beitrages muss ich nun hinnehmen, dass der Krieg im Irak stattfindet. Ich wollte es zuerst nicht wahrhaben. Bis zuletzt hatte ich gehofft, dass dieser Krieg - dieser eine jedenfalls - noch zu verhindern ist, neben all den anderen Kriegen die - ob erklärt oder nicht - auf unserer Erde wüten und Opfer und Leid mit sich bringen. Auch diese Kriege sind ein zum Himmel schreiendes Unrecht. Nur drei Beispiele seien hier genannt: Die Auseinandersetzungen in Thailand und Kambodscha, der Völkermord in Tibet durch China und die Kriege in Afrika. Eine unfriedliche Welt, die einen manchmal verzweifeln lässt. Nur weil in den Medien davon nichts berichtet wird, herrscht noch lange kein Frieden.

So erreichen uns nun die schrecklichen Nachrichten aus dem Irak. Aber wie ist diese Welt geordnet? Ohne Mandat des Weltsicherheitsrates wird dieser Krieg geführt. Das ist eine sehr bedenkliche Situation. Die christlichen Kirchen haben sich zu dieser Frage unmissverständlich geäußert. Es ist so, wie unser Bischof Dr. Wolfgang Huber eindringlich sagte: "Es darf unter gar keinen Umständen dahin kommen, dass der Präventivkrieg zum Normalfall wird." Hier liegt zusätzlich zu dem verursachten Leid und einer drohenden Eskalation eine große Gefahr. Denn Krieg und Gewalt sind überhaupt kein Normalfall, auch wenn es an so vielen Orten dieser Erde bittere Realität ist.

So ist die Lage in der Welt alles andere als beruhigend. Und mich kann es auch nicht beruhigen, die Weltgeschicke in die Hände eines Weltsicherheitsrates zu legen. Denn ihm gehören Länder als Mitglieder an - und einige haben sogar Vetorecht wie die Volksrepublik China - in denen die Menschenrechte auf massivste Weise verletzt werden. Wenn unter solchen Voraussetzungen Mehrheitsentscheidungen angestrebt werden, wird mir Angst und Bange. Wie wollen Politiker, die Diktaturen vertreten oder für Menschenrechtsverletzungen im eigenen Land oder in von ihnen besetzten Ländern Verantwortung tragen, an anderen Orten in der Welt für Menschen-rechte und Gerechtigkeit eintreten?

Hier wird deutlich, dass man nur mit dem Werben um Mehrheitsverhältnisse nicht zu einer besseren und gerechteren Ordnung in der Welt kommt. Es geht um Werte. Die Würde des Menschen muss wieder geachtet werden. Hier können Christen einen wichtigen Beitrag leisten und geraten hier zu einem (notwendigen) Widerspruch zu der real existierenden Welt. Der Monatsspruch für den April, der aus dem Römerbrief stammt, spricht geradezu in diese Situation hinein: "Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist." Hier macht Paulus deutlich, dass auch gegenwärtiges Unrecht nicht die Maxime für ein Handeln sein kann. Für eine gerechte Welt braucht es andere Werte.

Oft werden sie belächelt. Aber weiter in diesem Kreislauf zu bleiben, kann keine Lösung sein. So verstehe ich hier das Wort von Paulus. Stellt euch nicht dieser Welt gleich. Durch die Spirale der Gewalt entsteht immer neue Gewalt.

Aber was kann dem entgegengesetzt werden? Uns sind die Hände gebunden. Vielleicht ist das berühmte Wort des Amerikanischen Bürgerrechtlers und Pastors Martin Luther King ein Gedanke, der uns weiterhilft: "Die Liebe ist die stärkste Waffe der Welt. Nur sie kann aus Feinden Freunde machen." Eine Waffe kann sonst nur verletzen. Aber Liebe kann verändern, kann Herzen gewinnen - so wie es Joseph gegenüber seinen Brüdern getan hat.

Jene tiefe Weisheit kann aber auch einen hohen Preis haben. Martin Luther King wurde nicht verstanden. Er wurde dafür gehasst, dass er gegen die Gewalt predigte. Und er wurde ermordet. Aber seine Worte haben sich viele zu Herzen genommen. Im Kleinen haben sie viel bewirkt. Martin Luther King hat sich als Christ und als Amerikaner nicht der Welt gleichgestellt.

Obwohl jetzt Krieg ist und immer noch Diktatoren ihre Einwohner unterdrücken und morden, empfinde ich dieses Beispiel trotzdem als kleinen Trost, als Licht am Horizont. Und ich empfinde es als Ermunterung, den Monatsspruch für April in dieser schwierigen Zeit ernst zu nehmen.

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Gebet um Frieden

Gott des Friedens,
du Freund des Lebens,
wir bitten dich für die Menschen
im Kriegsgebiet des Irak.
Schütze ihr Leben und ihr Land.

Wir bitten dich auch für die Soldaten
auf beiden Seiten.
Erhalte sie ihren Müttern und Vätern,
ihren Frauen und Kindern, ihrem Land.

Schenke den politisch Verantwortlichen
den Willen und den Mut,
den Krieg zu beenden,
die tödlichen Waffen zum Schweigen zu bringen.

Gott des Friedens, wehre dem Hass,
hilf der Vernunft und dem Willen zur
Verständigung zum Sieg.
Lass nicht zu, dass Glaube gegen Glaube kämpft.

Dich, Gott, rufen wir an,
weil du Menschenherzen wenden kannst.
Wir bitten dich:
Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

(aus unserem Partnerkirchenkreis Dortmund-Süd)

Wo die Schokolade wächst

Unter diesem Thema, dem wir gemeinsam mit den Christenlehrekindern aus Heinersdorf, Weißensee und Ahrensfelde nachgehen wollten, stand die diesjährige Kinderfastenaktion

Wie bereits im vergangenen Jahr hatten die Kinder wieder die Möglichkeit, an einer Rüstzeit teilzunehmen. Unsere diesjährige Freizeit mit Kindern aus dem Kirchenkreis Weißensee ging nach Bomsdorf ins dortige evangelische Freizeitheim.

Am 13. März fuhren wir gegen 17 Uhr los. Schon im Bus trafen die Kinder auf bekannte, aber auch auf fremde Gesichter. Die Neun- bis Zwölfjährigen verbrachten die Reisezeit mit Lesen, Kartenspielen und Musikhören. So verging die Zeit schnell, und wir waren bald am Ziel, wo wir Abendbrot aßen und die Zimmer verteilten.

Während der gemeinsamen Zeit in Bomsdorf blieben wir von Regen verschont. Abgesehen vom nahe gelegenen Neuzelle gab's in der näheren Umgebung des Dorfs nur Wald. Aufgrund des guten Wetters konnten wir täglich die Gegend erkunden und die Zeit draußen mit Spielen, Spaziergängen und Erkundungstouren durchs Dorf verbringen. Gleich in der Nähe des Freizeitheims befand sich das Schloss mit dem dazugehörigen Schlosspark. Auch die Tischtennisplatten, der Volleyballplatz und die Badeseen im Wald wurden von uns besucht. Für jeden war etwas dabei! Und neben der thematischen Arbeit an zwei Tagen hatten die Kinder auch genügend Freizeit, die sie selbst gestalten konnten. Oftmals haben wir Mitarbeiterinnen gar nicht bemerkt, dass wir mit insgesamt 25 Mädchen und Jungen zusammen waren. In dem großen Gelände "verliefen" sich die Kinder, egal ob draußen oder im Haus. Erst bei unseren Zusammenkünften - Morgenandachten, Mahlzeiten, bei der thematischen Arbeit in der großen Runde oder in Kleingruppen, den abendlichen Tagesabschlüssen spürten wir die hohe Kinderzahl.

Unter den Kindern der unterschiedlichen Stadtteile wurden schnell Freundschaften geschlossen und Adressen ausgetauscht. Ob sich die Kinder später wieder treffen? Vielleicht auf der nächsten gemeinsamen Rüstzeit!

Rüstzeiten bieten die Chance, ein Thema besser und genauer bearbeiten zu können. Bei unserer Freizeit wurde den Kindern auch die Möglichkeit gegeben, selbst Schokolade herzustellen. Viele von ihnen nahmen das Angebot wahr. Rüstzeiten dienen auch dazu, dass sich die Kinder intensiver kennen lernen können, die sich ja sonst nur einmal pro Woche für eine Stunde in der Christenlehre sehen. Auch wir Mitarbeiterinnen haben "unsere" Kinder ein Stück mehr kennen gelernt und waren erstaunt, welche Talente in den Kindern stecken.

Als Projekt in der Freizeit entstand eine Zeitung, die die Kinder in Gruppenarbeiten entworfen haben. In der Zeitung kann der Leser Wesentliches über das Thema der Rüste aber auch über die gemeinsam verbrachte Zeit in Bomsdorf finden. Sie wird später in den Gemeinden gegen einen Spendenpreis für das Hilfswerk MISEREOR zu haben sein. Die Kinder brachten ihre Ideen und die erworbenen Kenntnisse in die Zeitung mit ein. Was herausgekommen ist, ist eine interessante Rüstzeit-Zeitung. Sie dürfen gespannt sein!

Ihre Doreen Kohlstock

Mensch. Jesus.

Auch in diesem Jahr findet er wieder statt: Der ökumenische Jugendkreuzweg des Kirchenkreises Pankow, der diesmal unter dem Thema "Mensch. Jesus." steht. Wie immer führt er zu nächtlicher Stunde von einer Kirche zur anderen. Und wer die letzte Station erreicht, wird nicht nur sieben evangelische und katholische Kirchen betreten haben, sondern auch den Gedanken von sieben Jugendgruppen gelauscht und die dazugehörigen Bilder der Stationen betrachtet haben.

In diesem Jahr entstammen die Bilder der Kreuzwegstationen einem einzigen Gemälde von Hans Memling, der in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts lebte und sein Bild "Szenen von der Passion Christi" genannt hat.

Es stellt die bekannten Stationen des Leidenswegs Jesu dar - den Verrat, das Urteil, die Geißelung, die Verspottung, die Kreuzigung, den Tod und die Grablegung.

Traditionell findet der Jugendkreuzweg in der Nacht von Freitag zu Sonnabend vor Palmsonntag statt, in diesem Jahr vom 11. auf den 12. April. Er beginnt um 2345 Uhr in der Heinersdorfer Kirche, bevor er über Blankenburg, Buchholz, Blankenfelde, Schildow und Bergfelde nach Birkenwerder führt. Nach der letzten Station, die gegen 8 Uhr erreicht werden soll, steht ein Frühstück bereit.