Dezember 2002 / Januar 2003

"Saget den verzagten Herzen: Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott!"
Jesaja 35, 4. (Monatsspruch Dezember)

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde!

Es erstaunt mich immer wieder, wenn ich erlebe, wie sehr sich Kinder auf ihren Geburtstag freuen. Sie können es gar nicht erwarten. Mit strahlenden Augen warten sie auf diesen Tag. Sie ermahnen dann uns Erwachsene, diesen für sie besonderen Tag nicht in der Hektik des Alltags untergehen zu lassen. Und in der Tat empfinden viele Erwachsenen ihren Alltag als Belastung. Eine schnelllebige Zeit. Mit hohen Belastungen am Arbeitsplatz. Oder die tägliche Sorge um die Arbeitsstelle oder der Wunsch, doch endlich eine (angemessene) Arbeit zu finden. Das ist nur ein Bereich der Dinge, die uns Sorgen bereiten können. Dann quält viele die Frage nach dem Sinn. Wofür das alles? Was bringt mir die Zukunft? Was ist das Ziel meines Lebens?

In materiellen Dingen kann sich das Leben doch nicht erschöpfen. Genau das tut es auch nicht. Wir dürfen mehr vom Leben und von Gott erwarten. Denn die Voraussetzungen dafür hat Gott schon lange geschaffen. Bevor wir darüber nachdenken. Vor unserer Zeit. Der Prophet Jesaja weist unseren Blick darauf. Es ist eine Aufmunterung und ein Trost: "Saget den verzagten Herzen: Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott!" (Jesaja 35, 4). 

Jesaja war ein Prophet. So ein Prophet beschreibt nicht nur die Wirklichkeit. Es kommt ja vor, dass unsere Herzen verzagen, dass wir uns nach einem Zuspruch sehnen. Jesaja öffnet uns die Augen für etwas, das wir sonst übersehen würden: Wie Gott in dieser Welt gehandelt hat und handelt. Aber die Hektik des Alltags lässt uns auch das oft übersehen. Wenn wir in der Vorweihnachtszeit mit Aufgaben und Terminen überlastet sind, wenn wir durch Geschäfte hasten, uns bemühen, bloß nichts zu vergessen, dann ist die Gefahr groß, das Wichtigste an Weihnachten zu übersehen: Das Kind in der Krippe. Jesus wurde geboren. Gott wird Mensch. Er begegnet uns da, wo wir es nicht erwarten. Kein König mit Krone und Purpurmantel, sondern ein kleines Kind, mitten in die schwierigen Verhältnisse der damaligen und damit auch der heutigen Welt hineingeboren. Wenn wir auf dieses Jesuskind in der Weihnachtsnacht blicken, dann stimmt der Satz Jesajas: "Seht, da ist euer Gott!" 

Weihnachten ist also ein Geburtstag, auf den wir uns freuen dürfen, so wie ein Kind sich über seinen eigenen Geburtstag freut. Schön, dass wir dieses Fest auch in diesem Jahr begehen können: Alle Jahre wieder. Gott wendet sich uns zu. Er meint es gut mit uns. Mit uns, die wir manchmal in den Sorgen des Alltags zu ertrinken drohen. Deswegen will er uns da heraushelfen. 

Unsere verzagten Herzen dürfen wieder neue Kraft schöpfen. Das Seufzen darf wieder zu einem erleichterten Aufatmen werden - freilich nicht nur an Weihnachten. Aus meinem Glauben heraus bekomme ich täglich meine Kraft. Aber Weihnachten ist wie ein Geburtstag, an dem ich daran denke, dass diese Kraftquelle da ist. Ein Geburtstag, durch den ich weiß, dass Gott bei uns ist, dass er uns begleitet in guten und in schlechten Zeiten.

Deswegen freue ich mich auf dieses Fest und wünsche Ihnen allen eine besinnliche Adventszeit, gesegnete Weihnachten und ein gutes neues Jahr. 

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Mein Weg nach Bad Oeynhausen

"Auch aus Steinen, die in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen."

So heißt es in einer Sentenz von J. W. von Goethe. Steine in den Weg legte die Regierung der DDR am 13. August 1961 den Deutschen in Ost und West, um die bis dahin noch möglichen Begegnungen zu erschweren bzw. unmöglich zu machen, in Form der "Mauer", die im Laufe der Jahre zum mörderischen "antifaschistischen Schutzwall" ausgebaut wurde. In dieser schwierigen Situation entschlossen sich die Kirchenleitungen, dieser Absicht in Form von Ost-West-Partnerschaften auf Gemeindeebene zu begegnen - eben etwas Schönes zu bauen. Die jeweiligen Partner wurden nach bestimmten Kriterien einander gewissermaßen zugelost, so wurden z. B. Heinersdorf und Bad Oeynhausen Partnergemeinde. über die Anfänge und Geburtswehen können andere kompetenter berichten, denn ich war noch nicht wirklich dabei. Dass solche "Ehen" nicht immer vollzogen wurden und dann auch funktionierten, darf vermutet werden. Ich habe dafür einen ganz trivialen Beweis: in keiner der Gemeinden, denen ich nach dem Mauerbau angehörte, habe ich das Geringste von einer solchen Partnerschaft bemerkt.

Das änderte sich erst etwa 20 Jahre später, als ich in Heinersdorf heimisch wurde. über meinen persönlichen Zugang zu Bad Oeynhausen will ich in diesem Beitrag kurz berichten.

Es begann eines Sonntags damit, dass der Blumen-schmuck (Tulpen) auf dem Altar nicht zur aktuellen Jahreszeit (Januar/Februar) passte: Tulpen überreichte am 8. März der BGL-Vorsitzende den werktätigen Frauen im Betrieb; erst danach kamen sie in den Handel und möglicherweise auch auf einen Altar. Pfarrer Lück, der in Begleitung eines Herrn im Talar erschien, wies denn auch sogleich darauf hin, dass der Altarschmuck und das Erscheinen von Pfarrer Plate als Gastprediger sowie einiger Gäste in den vorderen Bankreihen ein besonderes Ereignis signalisierten: Besuch aus der Partnergemeinde Bad Oeynhausen.

Nach dem Gottesdienst mit einem Grußwort der Gäste (Herr Pälchen) gab es noch eine Gelegenheit zu kurzen Gesprächen, und das war es dann auch. Der Rest der Begegnung fand, wie mir schien, in kleinen Gruppen von Eingeweihten in konspirativen Wohnungen statt. Dieses Ritual wiederholte sich in regelmäßigen Abständen, wenn auch mit wechselnden Besetzungen. Ich gestehe ganz offen, dass ich mich darüber geärgert habe. Ich hatte ganz andere Vorstellungen von einer Partnerschaft und dabei verdrängt, unter welch widrigen Bedingungen solche Begegnungen überhaupt nur stattfinden konnten, und ich entschuldige mich hiermit bei den Protagonisten. 

Die Kirche als "Handlanger des Imperialismus" erfreute sich ja einer ganz besonders intensiven Beobachtung und massiven Behinderung durch die dafür zuständigen Organe der DDR: Jede Art von Publikationen (Gemeindebriefe, Plakate) bedurfte ja der Absegnung "von oben" oder sogar "von ganz oben" - was für eine Blasphemie liegt in diesem Begriff! In seinem Sendungsbefehl an die Jünger sagt Jesus: "Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben." (Matthäus. 10,16). Für die Gemeindepartnerschaft und besonders für die Oeynhauser könnte man es so konkretisieren: Seid einfallsreich, umgeht die restriktiven Gesetze der DDR, ohne sie zu verletzen; nutzt die Lücken in den Bestimmungen! Und das taten sie dann auch: Einreise in kleinsten Gruppen über verschiedene Grenzübergänge; Deklarierung mitgebrachter Chor- als "Reiseliteratur", eines Talars für Pfarrer Lück als "dunkle Arbeitsbekleidung" usw. 

Und dann kam 1989 die sogenannte Wende; "Durch den Glauben fielen die Mauern" (Hebr. 11,30). Mit einem Mal war alles anders: Keine Zensur, keine Behinderung der kirchlichen Arbeit, Reisemöglichkeit für alle. Sinn und Zweck von Ost-West- Partnerschaften waren - genau genommen - eigentlich gegenstandslos geworden. Aber es gab auch neue Möglichkeiten für die Gemeinden. Dass diese auch intensiv genutzt wurden und noch werden, ist eine sehr beglückende Erfahrung. Die Einbahnstraße von West nach Ost ist zur Verbindung in beiden Richtungen geworden. Inzwischen hat sich eine gute Zusammenarbeit der Jungen Gemeinden aufgebaut, der "Reisekader" der Heinersdorfer Gemeinde wurde größer. Im vorigen Jahr konnten wir alle das 40jährige Bestehen der Gemeindepartnerschaft feiern. An den Besuchen in Bad Oeynhausen nehmen immer wieder neue Gesichter teil, und sie erleben, wie auch ich und meine Familie, eine wunderbare Gastfreundschaft mit vielen Aktivitäten. Ich bin angekommen auf meinem schwierigen Weg nach Oeynhausen, und ich lade Sie, sofern Sie noch nicht den Mut oder den Antrieb haben, an dieser Partnerschaft teilzuhaben, ganz persönlich ein, dieses Gefühl der Gemeinschaft in Christus zu erleben! 

Bis zum nächsten Mal also, 

Ihr Gottfried Pescheck

"Ich war alt und krank und ihr habt mich besucht ..."

Viele von Ihnen, liebe Gemeindeglieder, liebe Leserinnen und Leser, kennen diese Stelle aus dem Matthäus-Evangelium, die in dem berühmten Zitat "Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan." ihren Höhepunkt findet. 

Die Advents- und Weihnachtszeit, das ist auch die Zeit, in der besonders an die Alten und Kranken gedacht wird, an diejenigen, die am öffentlichen gesellschaftlichen Leben nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt teilnehmen können. Es ist die Zeit der Besuche. Auch in unserer Gemeinde gibt es viele Menschen, die ihre Wohnung ohne fremde Hilfe kaum oder gar nicht mehr verlassen können. Sie freuen sich - und das natürlich nicht nur in der Weihnachtszeit - über jeden Besuch, über jeden menschlichen Kontakt. 

Als Gemeinde sind wir bemüht, diese wichtige Aufgabe wahrzunehmen - mindes-tens in der Form von Geburtstagsbesuchen, nach Möglichkeit aber auch mit regelmäßigen Besuchen. Bisher wird Pfarrer Kaehler dabei von Frau Schliepe und Frau Quicker tatkräftig unterstützt: Sie wenden viel Freizeit dafür auf, alte Menschen zu besuchen, mit ihnen zu reden und ihnen damit jedes Mal eine unbezahlbare Freude zu machen. 

Allerdings ist es für diese kleine Gruppe nicht zu schaffen, zu allen diesen Gemeindegliedern den regelmäßigen Kontakt zu halten. Daher ist die Idee aufgekommen, einen Besuchskreis in unserer Gemeinde zu gründen, der aus mehreren Gemeindegliedern besteht. Wir wissen, dass es viele Gemeindeglieder gibt, die eine solche Aufgabe gerne übernehmen und sich für gelegentliche Besuche zur Verfügung stellen würden. Das muss für die einzelne oder den einzelnen keinen großen zeitlichen Aufwand bedeuten: Beispielsweise wäre der monatliche Besuch eines Gemeindegliedes oder die Übernahme einiger Geburtstagsbesuche im Jahr denkbar. 

Allerdings stellt es für viele Menschen eine Hemmschwelle dar, solche Besuche bei Gemeindegliedern eigenständig durchzuführen. Es fehlt an Erfahrung und am Wissen über die Bedürfnisse der Besuchten: Wie reagiert jemand, wenn ein fremder Mensch an der Tür klingelt und sagt, er komme von der Gemeinde? 

Deswegen hat sich der Gemeindekirchenrat entschlossen, einen Informations- und Einführungsabend zu diesem Thema zu organisieren: 

Am Donnerstag, dem 5. Dezember um 1930 Uhr 

lädt der Gesprächskreis (Gespräch beim Tee) zu einem offenen Abend zum Thema "Besuchsdienst in Heinersdorf" ein. Pfarrerin Glombitza, die im Kirchenkreis Weißensee als Krankenhausseelsorgerin tätig ist, wird mit einem Vortrag in das Thema einführen und steht als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Eingeladen sind alle Menschen, die sich vorstellen könnten, einen Beitrag zu dem notwendigen Besuchsdienst zu übernehmen, und all jene, die sich für das Thema interessieren.

"Ihr sollt ein Segen sein" 

In einem halben Jahr ist es soweit: Der erste ökumenische Kirchentag findet statt, zu dem in Berlin mehr als 100.000 Menschen erwartet werden. Das Thema für diesen Kirchentag, der die Grenzen zwischen den christlichen Konfessionen ein Stück überwinden will, heißt "Ihr sollt ein Segen sein." 

Für uns Heinersdorfer sollte es zugleich Ehre und Freude bedeuten, Bewohner derjenigen Stadt zu sein, in der dieses wichtige Ereignis seinen Lauf nehmen wird, und damit im Zentrum des Geschehens mit dabei zu sein. 

Als Gastgeber des Kirchentages und damit auch all seiner Besucherinnen und Besucher kommt allerdings auch eine Fülle von Aufgaben auf uns zu. Dies betrifft die inhaltliche Gestaltung des Kirchentages, vor allem aber die organisatorische. Auch uns als Heinersdorfer Gemeinde kommt diese Gastgeberrolle für den Kirchentag zu - und damit auch Ihnen als Gemeindeglieder! 

Wer schon einmal auf einem Kirchentag dabei war, weiß es: Für die Übernachtung der Gäste gibt es zwei grundsätzliche Möglichkeiten - die Privatquartiere und die Sammelunterkünfte. In beiden Angelegenheiten ist auch unsere Gemeinde gefragt. 

  • Für Einzelbesucher des Kirchentages benötigen wir Privatquartiere jeder Art und Größe. Wenn Sie ein Gästezimmer besitzen oder auch nur ein Sofa im Wohnzimmer zur Verfügung stellen können, wenden Sie sich bitte möglichst schnell an uns. Wir sind bemüht, nach Möglichkeit Menschen aus unserer Partnergemeinde in Bad Oeynhausen bei uns in Heinersdorf zu beherbergen. Spätestens mit dem nächsten Gemeindeblatt werden wir einen Zettel verschicken, mit dem Sie ein Privatquartier anmelden können. Ansprechpartner für Privatquartiere ist aber schon jetzt Uwe Müller. 
  • Größere Gruppen - vor allem Jugendliche - werden in so genannten Sammelunterkünften untergebracht. Dies sind meistens Schulen, deren Klassenzimmer kurzzeitig zu Schlafräumen umfunktioniert werden. Die Gemeinde Heinersdorf ist für eine Schule in der Gustav-Adolf-Straße in Weißensee verantwortlich. Für die Gesamtverantwortung für dieses Quartier konnten wir erfreulicherweise bereits Herrn Formum gewinnen. Vor allem für die Verteilung des Frühstücks und den Empfang der Gruppen am Mittwochabend werden aber noch viele Helferinnen und Helfer gesucht. Interessenten melden sich bitte möglichst bald bei Pfarrer Kaehler.

Natürlich soll neben allen Pflichten für jeden die Gelegenheit bleiben, selbst am Kirchentag teilzunehmen. Das wird auch so sein. Bitte helfen Sie dennoch dabei mit, dass Berlin für den Kirchentag ein guter Gastgeber ist!