Juni / Juli / August 2002

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde!

Es geht in unserer heutigen Zeit oft laut und hektisch zu. Die leisen Worte werden schnell überhört. Ein solches leises Wort fiel mir kürzlich in dem selten gelesenen Buch prüche Salomo´ im Alten Testament auf. Dort las ich: "Die Sorge im Herzen bedrückt den Menschen; aber ein freundliches Wort erfreut ihn. (Sprüche 12, 25). Ein gutes Wort von einem anderen Menschen kann sehr viel bewirken. Man fühlt sich mit seinen Sorgen nicht allein. Und man merkt, wie viel man selbst für einen anderen tun kann, wenn man sich ein wenig Zeit nimmt zuzuhören, welche Sorgen er auf dem Herzen hat. Und es muss nicht nur bei Worten bleiben. Wenn das gute Wort mit Taten begleitet wird, kann das noch mehr ausrichten. Uns allen fallen dafür Beispiele ein. Im Großen und im Kleinen. 

Wenn wir in diesem Jahr 700 Jahre Heinersdorf feiern, dann tun wir dies, weil vor 700 Jahren Menschen an andere gedacht haben. Weil sie durch eine Stiftung dazu beitragen wollten, dass kranke Menschen in einem Krankenhaus, einem Spital versorgt werden können. Am 8. Juli 1302 schenkten die Brüder von Bredow einige Pächte des Dorfes Heinersdorf an das Heilig-Geist-Spital zu Berlin. Das bedeutet, dass die Pachteinnahmen aus diesen Grundstücken nun dem Spital für seine Arbeit zur Verfügung standen. Über die genaue Motivation für diese großzügige Spende ist nichts Näheres bekannt. Die Berliner Bürgerschaft fühlte sich aber damals aus dem Gebot der christlichen Nächstenliebe heraus dazu verpflichtet, die Bedürftigen nicht völlig im Stich zu lassen. Eine Krankenversicherung oder ähnliches gab es damals noch nicht. So musste privat geholfen werden. Die vorhandenen kirchlichen Einrichtungen waren auf Spenden angewiesen. So kam es in dieser Zeit häufig vor, dass die Spitäler Heilig-Geist, St. Georg, St. Gertrud und andere Einrichtungen mit Testamenten der Bürger bedacht wurden. Da gibt jemand etwas von seinen Einkünften ab, damit andere eine bessere gesundheitliche Versorgung erhalten. Das empfinde ich als einen wohltuenden Gegensatz zu der Praxis, bei der durch Werbung in den Medien Besserverdienende aus den gesetzlichen Krankenkassen abgeworben werden. Dass das soziale Gefüge in unserer Gesellschaft dadurch weiter geschwächt wird, wird dabei gar nicht mehr bedacht. Hier wird für eine Geisteshaltung geworben, bei der jeder nur an sich selbst denkt und nicht mehr an den Nächsten, an den schwächeren Nachbarn, der auf Unterstützung angewiesen ist. So ähnlich verhält es sich, wenn Steuerberater ihre Klienten dazu auffordern, aus der Kirche auszutreten. Aber es gibt auch andere Beispiele, damals wie heute. 

Die Urkunde von 1302 ist nicht mehr vorhanden, da sie vermutlich 1897 vernichtet wurde. Sie ist aber indirekt bezeugt - zum Beispiel durch ein Urkundenverzeichnis aus dem Jahre 1726. Daher kommt es, dass man als erste urkundliche Erwähnung meistens das Jahr 1319 angibt. 1319 erwarb das Heilig-Geist-Spital das damalige Heinersdorf vollständig. 

Das Jahr 1302 aber ist die erste genaue Datierung eines Ereignisses in Heinersdorf. Interessant finde ich daran, dass es ein positives Datum ist. Es ist nicht das eines Krieges oder einer Schlacht. Auch kein Todestag. Die Geschichte besteht nicht nur aus negativen Ereignissen. Oft scheint es ja so zu sein. Denken wir nur daran, welche Meldungen in den Nachrichten in der Zeitung oder im Fernsehen immer besonders betont werden. Sondern es gibt auch positive Beispiele. Das früheste Datum aus der Heinersdorfer Geschichte ist uns überliefert, weil zwei Brüder ein kirchliches Krankenhaus finanziell unterstützt haben. Da haben zwei Menschen ganz praktisch an die Sorgen anderer gedacht. An dieses schöne Beispiel fühle ich mich erinnert, wenn ich an die Veranstaltungen in unser Gemeinde am 29. und 30. Juni denke. Und ich erinnere mich an das Wort aus den Sprüchen Salomos: "Die Sorge im Herzen bedrückt den Menschen; aber ein freundliches Wort erfreut ihn."

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Gesangbuch - Gotteslob

Ein von mir sehr geschätzter Gemeindepfarrer begann seine Predigten stets mit den drei Worten "Luther sagt einmal". 

Also ... "'Singet dem Herrn ein neues Lied, singet dem Herrn alle Welt!' Denn Gott hat unser Herz und Mut fröhlich gemacht durch seinen lieben Sohn, welchen er für uns gegeben hat zur Erlösung von Sünden, Tod und Teufel. Wer solches mit Ernst gläubet, der kanns nicht lassen, er muß fröhlich und mit Lust davon singen und sagen, daß es andere auch hören und herzukommen."

Luther sagt dies in seiner Vorrede zum "Babstchen Gesangbuch" (1545).

Was für ein gewaltiges Wort! Es führt mich direkt zu einem - nach meiner persönlichen und deshalb auch anfechtbaren Meinung - zentralen Anliegen der Reformatoren: Sie wollten den Gemeindegesang gleichberechtigt neben Bibellesung, Predigt, Gebet und Abendmahl stellen, verbunden durch eine allen verständliche Liturgie. Die Gemeinde sollte vom eher passiven, sinnlichen Wahrnehmen zum Verstehen und aktiven Mitgestalten des Gottesdienstes befähigt werden. Dazu bedurfte es geeigneter Hilfsmittel, die in dieser Form nicht zur Verfügung standen: einer jedem verständlichen, also deutschsprachigen Bibel, sowie eines "Gesangbuches", das in deutscher Sprache Lieder und Gesänge für die ganze Gemeinde (Laien) enthielt. In der katholischen Messe waren bis dahin liturgische Gesänge und Gebete in aller Regel nur in lateinischer Sprache in Gebrauch, die natürlich nur einem kleinen Kreis von ausgebildeten Geistlichen und Sängern vorbehalten und der übrigen Gemeinde oft unverständlich waren.

Neben einem Gesangbuch waren aber auch Gebete und Unterweisungen in Dingen des Glaubens für den Hausgebrauch in deutscher Sprache erforderlich, wie sie Martin Luther in Form des Kleinen Katechismus (mit Erklärungen) und weiterer Schriften herausgab, die die Bibel zugleich erklärten und ergänzten. Die sich gerade erst entwickelnde Buchdruckerkunst war Voraussetzung für diese Vorhaben und hat ganz wesentlich zur raschen Verbreitung der Reformation beigetragen.

Nun ist der Wunsch nach einer Sammlung von Liedern für den Gottesdienstgebrauch die eine Seite; die andere ist, dass es geeignete Lieder nicht oder kaum gab: Eine gewaltige Aufgabe also für die Reformatoren und ihre Mitstreiter! Vorlagen und Anregungen fanden sich zunächst in den Psalmen und Lobgesängen der Bibel sowie in den Hymnen, die in der Messe in Gebrauch waren. Aber es war noch ein weiter Weg bis zu dem "Gesangbuch", wie wir es heute kennen und benutzen.

Luther stellte sich dieser Aufgabe in besonderer Weise mit seiner Doppelbegabung als "Texter und Komponist". Er selbst drückt es in einer Predigt über 2. Samuel 23,1 und 2 so aus: "Der Glaube ruhet und feiert nicht, er fähret heraus, redet und prediget, ja vor großer Freude fänget er an, dichtet schöne süße Psalmen, singet liebliche lustige Lieder, damit zugleich Gott fröhlich zu loben und zu danken."

Aus Luthers Feder finden sich dementsprechend zahlreiche Nachdichtungen und neue Lieder in den entstehenden Liedersammlungen, denn das verbindliche Gesangbuch existierte zunächst nicht. Dafür gab es verschiedene Zusammenstellungen von Liedern, zumeist von Theologen, aber auch von Komponisten, "Fürsten und Gewalten" und Dichtern (z.T. im Auftrag) verfasst und herausgegeben. Immer wieder gab es dabei "glückliche Ehen" wie die von Paul Gerhardt und seinen kongenialen Partnern Johann Crüger und Johann Georg Ebeling als Kantoren an St. Nikolai zu Berlin, die gemeinsam eine Sammlung von ca. 130 Liedertexten Paul Gerhardts vertonten und herausgaben (von denen unser aktuelles EG immerhin noch 26 enthält). Besondere "Highlights" verdanken wir der Personalunion von Text- und Melodieverfassern (Martin Rinckart - EG 321 sowie Matthäus Appeles von Löwenstern - EG 502 seien genannt, und besonders Martin Luther). 

In ihrer langen Entstehungsgeschichte sind unsere Gesangbücher zu sehr viel mehr geworden als bloße Text- und Melodiezusammenstellungen: Sie sollen auch "Aufgaben eines christlichen Haus- und Gemeindebuches wahrnehmen". Deshalb wurden "Gebete, Andachtsformen, Bekenntnis- und Katechismustexte, eine Übersicht über die Epochen der Liedgeschichte, Kurzangaben zur Lebensgeschichte aller Autoren und Autorinnen sowie weitere Übersichten, ..., eine Anweisung für die Nottaufe, eine Anleitung für die Beichte und eine Hilfe für die Begleitung Sterbender" aufgenommen, wie es im Begleittext zu dem für uns verbindlichen Evangelischen Gesangbuch heißt. Sie sind deshalb auch als Andachtsbücher und Nachschlagewerk sehr zu empfehlen.

Das "Gesangbuch" ist zum "Gotteslob", zu einem echten "Hausschatz für jedermann" geworden. Dafür sei Gott - und seinen vielen bekannten und unbekannten Helfern - herzlich "Lob und Dank gesungen" (Johann Sebastian Bach). Sie alle stimmten sicher mit mir - und hoffentlich auch Ihnen - freudig in die wunderbare achte Strophe des vielen vertrauten Liedes "Geh aus mein Herz und suche Freud" von Paul Gerhardt (EG 503) ein: "Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen."

In diesem Sinne grüßt Sie

Ihr Gottfried Pescheck

Möglicherweise ist Ihnen dieses oder auch ein ähnliches Plakat schon einmal auf der Straße begegnet. Auch in Heinersdorf sind sie zu finden. Zur Zeit fahre ich jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit an diesem vorbei: "Was ist Glück?". Und somit stellt sich mir jeden Tag aufs neue diese Frage. Immer wieder lese ich die vier Auswahlmöglichkeiten und versuche, mich zu entscheiden. Fühle ich mich nach Omas Erdbeertorte oder nach einer Gehaltserhöhung glücklich? 

Was ist Glück? "Menschen empfinden Glück oder Freude unter anderem dann, wenn sie etwas besonders Begehrenswertes erreichen können." lese ich in einem Nachschlagewerk. "Gegenstand der Freude kann ein leckeres Stück Torte genauso sein wie ein verehrter Mensch oder ein erfolgreiches Vorhaben." 

Glück hat demnach mit Zufriedenheit zu tun. Jeder Mensch hat viele Wünsche und Träume, nach deren Erfüllung er strebt. Glücklich kann sich der schätzen, der Träume hat, der seine Träume zu verwirklichen weiß, der andere glücklich machen kann. Eigentlich ist dazu nicht mehr nötig, als ein Stück Torte. Der Geschmack von Omas Kuchen, der uns einem Menschen ganz nahe bringen kann. Das Glück kann durch ganz viele scheinbar unscheinbare Dinge ausgelöst werden, durch eine Blume, Worte, Gesten, durch einen Menschen, dem gegenüber ich dankbar sein kann.

Ich bin dankbar Gott gegenüber, dass er mich in ein glückliches Leben gestellt hat. In ein Leben, in dem ich auch Hürden zu nehmen habe, in dem ich aber immer wieder Glück spüren kann und auch hoffentlich glückliche Momente bei meinen Mitmenschen auslösen kann.

Die Evangelische Kirche in Deutschland lädt uns mit diesem und ähnlichen Plakaten ein, über die einfachen Dinge des Lebens nachzudenken, denn oft erweist es sich als schwieriger, auf die leichten Fragen eine Antwort zu finden.

Es grüßt Sie herzlich

Sebastian Schütz