Ostern / April / Mai 2002

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde!

Einige Gedanken zum Osterfest möchte ich an den Anfang unseres Heinersdorfer Gemeindebriefes stellen. Da fällt mir die alte Redewendung ein: "Morgenstund hat Gold im Mund". Das ist ein altes Sprichwort. Viele von uns haben es schon in der Kindheit gehört. Als Ermunterung, früh aufzustehen, könnte man dieses Sprichwort unter der Rubrik Lebensweisheiten oder Bauernregeln einordnen. 

Aber was hat dieser Spruch mit Ostern zu tun? Eigentlich nichts. Denn bei dem Osterfest geht es doch in der Hauptsache darum zu verstehen, dass Jesus, der an Karfreitag am Kreuz gestorben war, auferstanden ist: Jesus lebt. Er hat den Tod überwunden. Darum geht es.

Dann lese ich aber die Berichte im Neuen Testament davon, wie dieses Ereignis entdeckt wurde. Frauen waren die ersten, die diese Entdeckung machten. So steht bei Markus 16,2: "Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging." Es war also am Sonntag morgen in aller Frühe. 

Warum sollte man diese Begebenheit nicht mit der Überschrift "Morgenstund hat Gold im Mund" überschreiben? Es gibt Predigten aus dem 18. Jahrhundert, da haben Pfarrer diesen Aspekt besonders hervorgehoben. In der Zeit der philosophischen Aufklärung, zur Zeit des Philosophen Immanuel Kant und noch etwas danach, war das ein beliebtes Thema. Am Ostermorgen haben die als erste etwas Wichtiges verstanden, die früh aufgestanden sind. 

Aber das Wichtigste bleibt, was diese Frauen erfahren durften. Die Uhrzeit bleibt da nebensächlich. Die Frauen waren zu dem Grab Jesu aufgebrochen. Sie wollten den Toten noch einmal sehen, den letzten Dienst an ihm erweisen. Sie hatten geweint, waren in ihrer Trauer versunken. Aber das Grab war leer. Und später als die Sonne aufgegangen war, begegneten sie Jesus. Es gab unzählige Zeugen, die gesehen hatten, wie er gestorben war. An seinem Tod gab es keinen Zweifel. Nun lebte er wieder. Was ist kostbarer als das Leben? Mit Gold ist kein Menschenleben aufzuwiegen. Der Tote war wieder lebendig. Viele konnten das nun mit eigenen Augen sehen.

Das ist eine schier unglaubliche Geschichte. So etwas denkt sich niemand aus. Eine größere Überraschung kann es nicht geben. Das sprengt das Vorstellungsvermögen. Aber seit dem Ostermorgen war es so. Aus dieser Erfahrung nahmen die ersten Christen ihre Kraft. 

Da, wo alle Hoffnung begraben war, war plötzlich wieder Leben. Weil Gott seinen Sohn auferweckte, wurde alle Resignation überwunden. Der Tod war besiegt. Es gibt viele Geschichten zum Osterfest und ebenso viele Osterbräuche. Aber die wichtigste bleibt die Entdeckung, die jene Frauen am Ostermorgen in aller Frühe machten. Sie behielten diese Nachricht nicht für sich. Diese Nachricht wurde in die ganze Welt getragen, und sie hat die Welt verändert. Auch wir dürfen aus dieser Tatsache Hoffnung schöpfen - auch wenn wir erst viel später davon erfahren haben. 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Osterzeit.

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Nachrichten aus der Gemeinde

Bauausschuss gegründet. 

In seiner Sitzung am 4. März hat der Gemeindekirchenrat beschlossen, einen Bauausschuss einzurichten. Dieser beschäftigt sich mit Fragen der Instandhaltung und Veränderung der gemeindlichen Bausubstanz sowie der Garten- und Hofflächen. Er berät den GKR und bereitet Beschlüsse zu diesen Themenkomplexen vor. Berufen wurden neben Pfarrer Kaehler, der den Vorsitz übernommen hat, Johannes Bresch, Gertraud Döhle, Hermann Linsel, Peter Rohloff, Ulrich Schult, Sebastian Schütz und Karsten Siewert. Die konstituierende Sitzung des Bauausschusses fand am 11. März statt. 

Wasserschaden in der Kirche.

Wer in den letzten Wochen mal in unserer Kirche war, dem ist der Fleck an der Decke über dem Altarraum und die sich ablösende Farbe sicher nicht entgangen. Während der heftigen Schneefälle am 22. Februar sind durch kleine Ritzen in der Ziegeldeckung der Kirche Schneeverwehungen eingedrungen, die sich auf dem Dachboden abgelagert haben und in den darauffolgenden Tagen abgeschmolzen sind. Dadurch ist ein beträchtlicher Schaden sowohl im Gebälk und an der Holzdecke als auch an den vorderen Kirchenbänken sowie an der Orgel entstanden. Die Kosten für die Reparaturen, die voraussichtlich erst in einigen Monaten beginnen können, übernimmt die Versicherung, die den Schaden inzwischen begutachtet hat. 

Finanzplan verabschiedet.

Der Gemeindekirchenrat hat den Haushaltsplan für das Jahr 2002 verabschiedet. Er wurde in Einnahmen und Ausgaben auf etwas mehr als 445.000 € festgelegt. Darin sind neben den Personal- und Sachkosten der Gemeinde auch sämtliche Ausgaben des Kindergartens enthalten. Das Jahr 2001 hatte mit einem Überschuss von 13.800 DM abgeschlossen.

Kita-Ausschuss konstituiert.

Der Kita-Ausschuss, der über die Belange unseres Kindergartens berät und wichtige Entscheidungen begleitet, hat sich neu konstituiert. Ihm gehören als Vertreterinnen der Eltern Frau Ihden und Frau Hölzig und als Mitarbeiterinnen Frau Dietrich und Frau Werrmann an. Den Gemeindekirchenrat vertreten Frau Pescheck und Frau Quicker.

An einem Sonntag im Februar oder Im Auftrag des GKR

Es ist mal wieder Sonntag, und wie jeder andere, freue ich mich auf ein wenig mehr Schlaf als in der Woche, auch wenn ich weiß, dass meine Tochter spätestens um halb 8 nach ihrem Frühstück rufen wird. Doch um diese Zeit will ich schon längst aus den Federn sein, denn ich habe einen Auftrag an diesem Sonntag, der da heißt: Ältestendienst. Ältestendienst, das heißt für mich zuerst einmal, pünktlich zu um 9 Uhr nach Heinersdorf zu gelangen. Dies ist mit dem Fahrrad eigentlich kein Problem, da an diesem Sonntag jedoch noch etwas Eis und Schnee auf den Straßen liegen, lasse ich mein Fahrrad lieber im Keller stehen und begebe mich zur Straßenbahnhaltestelle. 

Nach einigen Minuten im feucht-kühlen Wartehäuschen kann ich in eine Tram einsteigen, und schon geht die Reise los. In der Bahn sitzt eine Abteilung BVG-Kontrolleure, denen mein Fahrausweis wohl eher egal ist; sie schauen aus den Fenstern und träumen. Da ich schon weiß, dass ich meine Anschlussbahn an der Spitze nicht schaffen werde, laufe ich von der Gustav-Adolf-Straße bis zur Heinersdorfer Kirche. Ein Fußweg, auf dem ich etwas Zeit zum Nachdenken habe. Auf dem Weg betrachte ich die historischen Gebäude unseres Dorfes, wie sie uns beim Vorbereitungstreffen zu "700 Jahre Heinersdorf" aufgefallen sind, der Wasserturm und die noch erhaltenen Teile von Bauerngehöften. 

Dann komme ich an der Kirche an, treffe auf meine Mithelferin Frau Schliepe, und unser Auftrag kann beginnen: erst einmal müssen die Stühle im Gemeinderaum in gottesdienstliche Position gebracht werden, gleichzeitig beginnt die Kaffeemaschine zu arbeiten und der Tee zu ziehen. Obwohl uns Ältesten die Gottesdienstvorbereitungen schon locker von der Hand gehen, fragen wir uns doch manchmal, z.B. wie viele Kerzen denn nun auf dem Altar stehen. 

Halb 10, jetzt schon mal schnell zum Vorläuten laufen und die kleine Glocke anschalten. Während dieser Arbeiten wird natürlich der neuste Gemeindeklatsch diskutiert: der Kirchgarten. Dann kommen auch schon die ersten Gottesdienstbesucher, denen es aus dem Mantel zu helfen heißt. Schnell werden noch die Kerzen entzündet, dann begebe ich mich durch die Kirche zum Glockenläuten, als mir ein nasser Fleck an der ersten Kirchenbank auffällt, und da sehe ich es auch schon von der Decke tropfen. Schnell die Glocken angeschaltet und noch den Pfarrer über die tropfende Decke informiert. Jetzt endlich kann der Gottesdienst und auch der besinnliche Teil für den Ältestendienst beginnen. 

Der Gottesdienst geht dann doch schnell vorbei. Kaffee und Tee werden in den Raum gebracht und den Besuchern in die Hand gedrückt. Dann wird die Kollekte ausgezählt, heute noch einmal in zwei Währungen. Da der Geschirrspüler vor einiger Zeit seinen Geist aufgegeben hat, müssen nun noch die Kaffeetassen, sowie das schon leicht angeschimmelte Geschirr, das doch jemand in den Spüler gestellt hatte, abgewaschen werden. Dann bedarf es noch einer Terminabsprache mit dem Pfarrer, und wir kommen ins Reden über den Grenzverlauf des Kirchengrundstückes, woraufhin mir Herr Kaehler noch schnell den denkmalgeschützten Heckenverlauf zeigen möchte. Dann noch schnell einen Blick auf das Kirchendach geworfen, aber von außen ist kein Schaden festzustellen. Dann kann ich mich auf den Heimweg begeben. 

Einen sehr erfüllten Sonntagmorgen habe ich schon hinter mir. An dieser Stelle darf ich den Auftrag als erfüllt ansehen, bis zu einem der nächsten Sonntage. 

Sebastian Schütz