Februar / März 2002

Ja, Gott ist meine Rettung, ihm will ich vertrauen und niemals verzagen. (Jahreslosung 2002; Jesaja 12, 2)

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde!

Wie viele Worte sprechen wir an einem einzigen Tag? Wie viele Buchstaben stehen in einer einzigen Ausgabe einer Zeitung? Und wie viele Sätze werden in den Fernsehsendungen eines einzigen Tages gesprochen? Man kann das gar nicht zählen. Ohne die genaue Zahl zu kennen, wissen wir, dass Worte eine ganze Menge bewirken können. Ein aufmunterndes Wort tut uns gut. Ein gutes Wort von einem anderen Menschen, und wir gehen etwas zuversichtlicher in einen neuen Tag. Wir hören solche Worte gerne. Wenn wir anderen durch das, was wir sagen, Mut geben, geht es uns selbst auch irgendwie besser. 

Es gibt den guten Brauch, jedem neuen Jahr einen Satz aus der Bibel mit auf den Weg zu geben. Weil diese Bibelworte ausgelost werden nennt man sie Losung. Solche Losungen gibt es für jeden Tag und für jeden Monat. Die Jahreslosung für dieses Jahr ist oben abgedruckt. Sie stammt von dem Propheten Jesaja. 

Es ist ein Mut machendes Wort. Ein tiefer Glaube spricht daraus. "Ja, Gott ist meine Rettung!", sagt Jesaja. Er fühlt sich von Gott getragen. Das ist ihm das Wichtigste. Aus seinem Glauben schöpft er Mut. Nichts scheint ihn erschüttern zu können. Weder Entscheidungen in der Politik noch geschichtliche Tagesereignisse. Jesaja ist sich seiner Sache ganz sicher, weil er sich seine Unabhängigkeit erhält und sein Fähnchen nicht in den Wind hängt. 

Jesajas Glaubenshaltung erinnert mich an das 1986 in der kirchlichen Jugendarbeit entstandene Lied "Vertraut auf den Herrn", wo es in der vierten Strophe heißt:

"Die Mächtigen kommen und gehen,
und auch jedes Denkmal mal fällt.
Bleiben wird nur, wer auf Gottes Wort steht,
dem sichersten Standpunkt der Welt."

Welche Erfahrung mag bei Jesaja dahinter stecken, so zu reden? Was hat dieser Mann erlebt, der vor ca. 2700 Jahren wirkte? Jesaja erlebte zum einen politische Zusammenbrüche und sagte sie zum anderen voraus. Er war also alles andere als ein Prophet, der eine rosige Zukunft malte. Er warnte vor falschen politischen Bündnissen und rief die Israeliten auf, wieder Gott zu vertrauen und an ihrem Glauben an Gott festzuhalten. Jesaja war ein kritischer Zeitgenosse, aber sein Realismus ließ ihn nicht schwermütig werden. Er hielt an der Hoffnung fest, ohne zu verzagen. Jesaja wollte wachrütteln, aber zugleich auch trösten.

So ist die Jahreslosung für dieses Jahr ein zuversichtlicher Zuspruch. Sie wirkt gerade jetzt so passend nach dem Schock durch die Anschläge vom 11. September. Da waren wir doch alle irgendwie sprachlos. Man könnte fast meinen, dass diese Losung erst nach dem 11. September ausgewählt wurde. Dann fällt aber auf, dass das, was Jesaja hier sagt, unabhängig von solchen Ereignissen ist. Gefahren wird es immer wieder geben. - Während ich dieses schreibe, denke ich an den Vulkanausbruch im Kongo. Da ist Hilfe für die Menschen, die nun obdachlos geworden sind, die richtige Antwort - so wie sie zum Beispiel durch "Brot für die Welt" an so vielen Orten geleistet wird. Deswegen zu verzagen, wäre nicht gut und würde niemandem helfen.

Was Jesaja hier sagt, ist eigentlich immer gut, nicht nur in diesem Jahr. An guten und an schlechten Tagen. Ich merke, wie es mir gut tut, mich von diesem Glaubensmut anstecken zu lassen. Es ist schön, mit Jesaja sagen zu dürfen: 

"Ja, Gott ist meine Rettung, ihm will ich vertrauen und niemals verzagen."

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen weiter alles Gute für dieses Jahr

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Ist Fastnacht die Nacht des Fastens? Fast!

Karneval, Fasten, Passion und Ostern: Für viele eine unzertrennliche Einheit. Zum Fasching schaut der nördliche Protestant unverständig gen Rhein. Aber wie steht's mit dem Fasten?

Mit dem Aschermittwoch, der in diesem Jahr am 13. Februar ist, beginnt die Passions- und damit die Fastenzeit. Sie dauert bis zum Karsamstag, zählt man die Sonntage nicht mit - also genau 40 Tage. 

Schon im zweiten Jahrhundert nach Christus bereitete man sich durch ein zweitägiges Fasten auf den bevorstehenden Ostersonntag vor. Hundert Jahre später wurde die Fastenzeit auf die gesamte Karwoche ausgedehnt, und bereits im vierten Jahrhundert legte das Konzil von Nicäa die Fastenzeit auf 40 Tage fest. Papst Gregor der Große war es schließlich, der um 600 nach Christus den Beginn der Fastenzeit mit der Begründung, Sonntage müssten als Gedenktage an Jesu Auferstehung vom Fastengebot ausgenommen bleiben, nochmals um sechs Tage nach vorne verschob. Dass die Fastenzeit gerade 40 Tage dauert, geht auf Jesu ebenso lange Fasten- und Gebetszeit nach seiner Taufe im Jordan zurück, der ja dann bekanntlich die dreimalige Versuchung durch den Teufel folgte. 

Schon seit dem frühen 13. Jahrhundert geht der enthaltsamen Passionszeit der Fasching voraus (carne vale = "Fleisch, lebe wohl"), der in der Fastnacht*) seinen Höhepunkt findet. Er stellt das Gegengewicht zur kommenden Zeit der Besinnung dar, und bietet Gelegenheit, noch einmal richtig gut zu essen und zu trinken und vor allem ausgelassen zu feiern. 

So viel zur Historie. Aber was geht uns die Fastenzeit heute noch an? Ein 40tägiges Fasten, findet im Jahre 2002 sicherlich in kaum einem vorösterlichen Kalender mehr Platz. Und selbst die katholische Kirche hat nur noch zwei "strenge" Fastentage - Aschermittwoch und Karfreitag - an denen man sich nur einmal am Tag sattessen und auf Fleisch verzichten soll. 

Auch wenn mit dem Fasten ursprünglich ein Zeichen von Buße und Sühne gesetzt werden sollte, ist der Sinn des Fastens nicht, tagelang zu hungern und damit Leid auf sich zu nehmen. Es geht vielmehr darum, die vielen Gewohnheiten des eingeschliffenen Alltags zu überdenken und dabei die eigenen Sinne zu schärfen. Zu diesen Gewohnheiten zählt natürlich auch das Essen, das wir oft ganz ohne Genuss und unter Zeitdruck zu uns nehmen. Aber die Möglichkeiten, mal ein paar Tage zu "fasten" sind damit längst nicht erschöpft. Viele Menschen verzichten in der Passionszeit vor Ostern zum Beispiel bewusst auf Alkohol, Süßigkeiten oder den täglichen Fernsehabend. Andere sehen im Versuch, eingeschlafene Freundschaften zu beleben oder andere längst vergessene oder immer wieder verschobene Dinge zu erledigen, eine Chance, dem Alltagstrott einmal bewusst zu entsagen. Sich seiner selbst wieder bewusst zu werden, mal wieder nach dem Sinn des eigenen Lebens zu fragen, das ist wohl das Hauptanliegen des Fastens. 

Noch etwas darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden: Fasten - egal wie man es betreibt - ist eine ganz persönliche Angelegenheit, in gewissem Sinne sogar etwas vollkommen egoistisches. Es dient dem eigenen Körper und dem eigenen Geist. Jedenfalls ist es nicht dazu geeignet, die eigenen Anstrengungen und Fähigkeiten oder die eigene Frömmigkeit zur Schau und nach außen hin unter Beweis zu stellen. Darauf weist auch Jesus hin ("Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dreinsehen wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Gesicht, um sich vor den Leuten zu zeigen mit ihrem Fasten. ... Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit du dich nicht vor den Leuten zeigst mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten." Matthäus 6, 16-18).

Vor einem geschärften Bewusstsein erscheint dann das Licht des Osterfests besonders hell und erstaunlich. Die Fastenzeit endet traditionell mit dem Frühstück in der Osternacht (Fastenbrechen = "breakfast").

"Richtiges" Fasten kommt übrigens gerade wieder in Mode - allerdings nicht aus religiösen Gründen, sondern als Maßnahme zur körperlichen Entschlackung. Einschlägige Magazine und sogar Volkshochschulen bieten dazu eigene Kurse an. Und wer schon einmal eine Fastenkur gemacht und eine Woche nichts als Wasser und Saft zu sich genommen hat, weiß von den geschärften Sinnen und einer ganz neuen Wahrnehmung zu berichten. 

Je nach Gemütslage ein paar tolle Tage und anschließend eine Passionszeit mit allen Sinnen wünscht Ihnen 

Uwe Müller

*) Der Begriff Fastnacht kann als Vorabend zur Fastenzeit verstanden werden, was sicherlich auch der Sinn dieser Wortschöpfung gewesen ist. Das ältere Wort fasenet kommt aber von fasen, was so viel wie närrisch sein bedeutet.

Ein Fazit nach einen halben Jahr

Die Tür zum Bewegungsraum wird gerade geschlossen und der grüne Punkt zum roten Punkt umgedreht. Das bedeutet: Stopp, es ist voll, du kannst gerne später noch einmal vorbeikommen.

Bewegung und Kinder gehören zusammen wie ein Paar alte Latschen. So ist dieser Raum auch sehr begehrt. Es ist interessant zu beobachten, welche Ideen die Kinder selbst entwickeln. "Können wir uns umziehen", diese Frage kommt bestimmt von Anne, Josefine, Lena und Elisabeth. Dann flitzen sie, holen ihre Sportkleidung und ziehen sich im Windeseile um. Gern hören sie Musik und tanzen dazu. Es ist einfach schön zuzuschauen, wie harmonisch und fließend die Bewegung ineinander übergehen. Sie werden eins mit der Musik. 

Pascal hat sich zu einem Meister im Bauen von einer Höhle qualifiziert. Felix baut seit ein paar Tagen mit Seilen, Gymnastikstäben und Matten eine ganze Anlage zum Springen. Je öfter er sie baut, desto mehr Feinheiten kommen hinzu. Von den Seilen können wir noch viel mehr gebrauchen, sie sind vielfältig einsetzbar. Die Kinder kommen immer wieder auf neue Möglichkeiten.

Ein halbes Jahr ging nun seit der Umstellung im Land. Wir können uns gar nicht mehr vorstellen, anders zu arbeiten. Es ist erstaunlich, wie gut sich auch die Zwei- und Dreijährigen orientieren können, sie wissen genau, wohin sie wollen. Am Ende des Morgenkreises wird bekanntgegeben, welche Räume zur Verfügung stehen und welche Angebote dort stattfinden. Natürlich gibt es Vorlieben wie ja bei uns Erwachsenen auch. Friederike, Henriette, Adrian und Annika wirtschaften gern im "Puppenraum". Albert, Marvin, Lukas und Niklas sind oft im Bauraum zu finden. Caroline nimmt gern das Angebot im Kreativraum wahr, tummelt sich aber genauso gern im Bewegungsraum, das trifft auch auf Deward zu. Das Beobachten und der Austausch darüber bekommen einen größeren Stellenwert als vorher. Alle zwei Wochen treffen wir uns nach dem Kindergarten, um in Ruhe reflektieren und planen zu können.

Die Konzentrationsspanne der Kinder ist recht lang, sie wechseln wenig von einem Angebot zum anderen, sondern kosten es aus. Der Wechsel vollzieht sich mehr im gesamten Tageslauf und innerhalb der Woche. Kinder in diesem aufnahmefähigen Alter stehen selten in der Gefahr einseitig zu reagieren, sie genießen die Fülle des Lebens. Da müssen wir eher darauf achten, dass ich zum Beispiel nicht immer die Sportangebote zusammenstelle. Ich bin gern im Bewegungsraum.

Mit dem Wort "Angebot" verbinden sich sowohl die Impulse, die vom Material, vom Raum und von den Kindern selbst ausgehen und die die Kinder bestimmen, als auch die Angebote, die wir planen, erarbeiten und durchführen. So müssen wir sehr darauf achten, dass das Material, das Spielzeug öfter ausgetauscht, öfter gesichtet und sortiert wird. Jede von uns trägt die Verantwortung für einen Raum, den wir in einem weit größeren Abstand wechseln als die Art der Angebote.

Vieles könnten wir aus unserem vielfältigen Kindergartenalltag erzählen; also heißt es nun zum Schluss: Fortsetzung folgt.

Hildegard Dietrich