Dezember 2001 / Januar 2002

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde!

Sie kennen sicher diese bekannte Formulierung: ch glaube nur, was ich sehe!´ Was man dazu in bezug auf Glaubensfragen kritisch sagen müsste, will ich gar nicht näher ausführen. Es versteht sich doch von selbst, dass wir mit unseren Augen nur einen ganz begrenzten Teil der Wirklichkeit wahrnehmen. Selbst von der sichtbaren Wirklichkeit sehen wir nur einen ganz kleinen Teil. Denn wir können nicht überall sein. Und unsere Augen auch nicht. Niemand wird behaupten, dass es all die Länder und Städte auf unserer Erde nicht gibt, wo er selbst noch nicht war. 

So ist es auch mit geschichtlichen Ereignissen. Sie sind passiert auch wenn ich selbst kein Augenzeuge bin oder noch gar nicht gelebt habe, als das geschah. Aber Sie werden verstehen, dass ich jetzt in der Adventszeit nicht allgemein von Dingen schreiben möchte, die passiert sind. Aber von diesem einen Ereignis, weswegen wir Weihnachten feiern, kann man nicht genug schreiben. Denn wie schnell wird das in all dem Trubel und in der Hektik von Weihnachtseinkäufen vergessen. 

Da ist ein Kind geboren unter einfachen Bedingungen in Bethlehem. Diesen Geburtstag begehen wir an Weihnachten. Jesus Christus kam sichtbar zur Welt. Gottes Sohn. Er ist der lang ersehnte und erhoffte Messias gewesen. Es liegt schon gut 2000 Jahre zurück. Aber es bleibt aktuell, weil es etwas mit mir zu tun hat. Es ist für jeden von uns von großer Bedeutung. Weil Gott in diesem Kind mir zeigt, dass er es unendlich gut mit mir meint. Er lässt uns nicht allein mit unseren Sorgen. Sein Sohn kommt in unsere Welt. Es ist so wie ein Geschenk, das für mich da ist. Und von einem Geschenk habe ich etwas - Kinder wissen das übrigens ganz genau - wenn ich es öffne, wenn ich es als Geschenk für mich annehme. 

Angelus Silesius (1624-1677) hat diesen Gedanken einmal sehr kräftig formuliert: "Wird Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir, du bleibst doch ewiglich verloren." Diese Worte haben etwas Fremdes. Etwas, was auch ich so wörtlich nicht nachvollziehen kann. Jesus ist ja nicht in mir geboren. Aber ich verstehe daraus, dass dieses Ereignis erst dann seine Bedeutung für mich entfaltet, wenn ich merke, dass es mit mir zu tun hat. Da ist nicht einfach nur ein Kind geboren, sondern es ist ein besonderes Kind. In diesem Kind will Gott mir etwas deutlich machen. So richtig begreife ich das erst, wenn ich in dieses Geschehen mit hineingenommen bin. Dieser Gedanke ist zum Beispiel der Grund dafür, dass früher Maler, wenn sie diese Geburt in Bethlehem gemalt haben und dabei das Jesuskind, Maria und Joseph, die Hirten usw. darstellten, sich selbst mit dazu malten. So als wenn sie damals dabei gewesen wären. Wenn die Maler so etwas machten, dann war das keine Geschichtsfälschung. Sie wollten einfach sagen: Dieses Ereignis hat mit mir zu tun. Es lässt mich nicht kalt. Jesus ist auch für mich als Kind zur Welt gekommen.

Darüber kann man alle Jahre wieder nachdenken und sich immer wieder darüber freuen. Wie man ja auch in jedem Jahr wieder Geburtstag feiert.

So freue ich mich in diesem Jahr besonders auf das Weihnachtsfest. Es ist mein erstes Weihnachten als Pfarrer Ihrer Gemeinde. Dieses besondere Fest, wo wir erleben dürfen, dass Christus für uns geboren wurde.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine besinnliche Adventszeit und ein gesegnetes Weihnachtsfest. 

Ihr Pfarrer Andreas G. Kaehler

Bekanntgabe des Wahlergebnisses

Am Sonntag, dem 21. Oktober 2001 wurde in Heinersdorf ein Teil des Gemeindekirchenrates neu gewählt. Zur Wahl standen sechs Kandidatinnen und Kandidaten, von denen drei zu wählen waren. 152 Gemeindeglieder haben an der Wahl teilgenommen. In den GKR gewählt wurden Uwe Müller (122 Stimmen), Gertraud Döhle (97 Stimmen) und Gisela Nowitzki (87 Stimmen). Ersatzälteste sind somit Ragnhild Pescheck (59 Stimmen), Rita Grodotzky (59 Stimmen) sowie Heidi Schliepe (17 Stimmen). Sie nehmen an den Sitzungen des Gemeindekirchenrates beratend teil und vertreten abwesende Mitglieder mit Stimmrecht. Weiterhin gehören dem Gemeindekirchenrat Hildegard Dietrich, Hermann Linsel, Ruth Quicker und Sebastian Schütz sowie Pfarrer Andreas Kaehler an. 

Die neu gewählten Ältesten wurden am 18. November im Gottesdienst in ihr Amt eingeführt. Verabschiedet wurde zugleich Hannelore Scherze, die seit 18 Jahren im Gemeindekirchenrat war und sich als Kandidatin nicht wieder aufstellen ließ. Bereits am 4. November hat sich die GKR einen neuen Vorstand gewählt. Vorsitzender wurde Uwe Müller, stellvertretender Vorsitzender Pfarrer Andreas Kaehler. Für die Finanzen ist weiterhin Gisela Nowitzki zuständig. 

Einführung von Pfarrer Kaehler

Nachdem Andreas Kaehler bereits am 1. September seinen Dienst in Heinersdorf begann und schon wenige Wochen später mit seiner Frau und seinen vier Kindern in die Pfarrwohnung einzog, wurde er während eines Gottesdienstes am 28. Oktober offiziell in sein neues Amt eingeführt. Dem Gottesdienst, der durch Chor und ein Bläsertrio reichhaltig ausgeschmückt war, folgte ein Empfang im benachbarten Margaretensaal. Die vielen Redner und Vortragenden nutzen die Gelegenheit, dankbar zurückzuschauen und erwartungsfroh in die Zukunft zu blicken. Grußworte von Superintendent Telschow, von Herrn Holtermann aus Bad Oeynhausen und Amtsvorgänger Pfarrer Lück standen ebenso auf dem Programm wie Grüße aus Tempelhof und Blankenfelde, wo Pfarrer Kaehler seinen Entsendungsdienst versah. 

Worte des Dankes wurden auch an die vielen Menschen gerichtet, die in der Vakanzzeit das vielfältige Gemeindeleben unterstützt und ermöglicht haben - vor allem Pfarrer Quos und Superintendent Telschow, aber auch den vielen Pfarrerinnen und Pfarrern, die die Vertretungen für die Gottesdienste übernommen haben sowie den Mitgliedern des Gemeindekirchenrates.

Unserem neuen Pfarrer und seiner Familie an dieser Stelle nochmals ein herzliches Willkommen in unserer Gemeinde!

700 Jahre Heinersdorf

Als ich begann, mich in die Geschichte der Kirchengemeinde einzulesen, um eine Führung mit Mitarbeitern und Gemeindekirchenratsmitgliedern aus dem Kirchenkreis Wedding vorzubereiten, machte ich eine (für mich) überraschende Entdeckung. In dem bekannten Buch vangelische Kirchen in Berlin´, 2. Auflage 1986, von Günther Kühne und Elisabeth Stephani steht zwar: "Heinersdorf wird urkundlich 1319 zuerst genannt und hatte schon damals eine Kirche." Es stellt sich aber heraus, dass Heinersdorf schon im Jahr 1302 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. 1319 kam das ganze Dorf Heinersdorf in den Besitz des Heilig-Geist-Spitals. Die Heilig-Geist-Kapelle findet sich heute noch - wenn sie auch 1906 zweckentfremdet wurde - in Mitte, in der Spandauer Straße. Etwas von diesem Geist kann man in unserer Seitenkapelle mit ihrem gotischen Netzgewölbe erspüren. Die Ähnlichkeit zu dem Gewölbe, das 1476 in der Heilig-Geist-Kapelle errichtet wurde, ist deutlich. Das Netzgewölbe in der Heinersdorfer Seitenkapelle ist vermutlich zwischen 1490 und 1500 entstanden. 

Es war damals üblich, dass Spitäler und Pfarr- und Klosterkirchen von wohlhabenden Bürgern mit Erbschaften bedacht wurden. So erhielt das Heilig-Geist-Spital schon 1302 einige Parzellen von Heinersdorf als Stiftung. So erfolgte 1302 die erste urkundliche Erwähnung von Heinersdorf.

Dies bedeutet, dass wir im Jahr 2002 das 700jährige Jubiläum von Heinersdorf feiern können. Wenn Sie sich einmal das Kirchensiegel unserer Gemeinde - zum Beispiel auf Taufurkunden oder Trauscheinen - anschauen, dann erkennen Sie auch jene Jahreszahl der urkundlichen Ersterwähnung: 1302. 

Dieses Jubiläum wollen wir als Heiners-dorfer Kirchengemeinde feierlich begehen. Wir wollen eine kleine historische Ausstellung vorbereiten, die im Margaretensaal gezeigt werden soll und im Juni 2002 eröffnet wird. Es wäre schön, wenn sich alle, die mit ihrem ortsgeschichtlichen Wissen oder Ausstellungsstücken etwas dazu beitragen könnten, bei mir melden würden (Tel.: 4 72 40 35/ Fax: 47 00 53 46). Es ist nicht mehr viel Zeit. Aber wenn viele dabei mitmachen, kann es eine sehr interessante Ausstellung werden. Alles, was mit der Geschichte von Heinersdorf zu tun hat; von einzelnen Gebäuden, Ereignissen, Vereinen, der Feuerwehr, Schulen, dem Wasserturm usw. hat hier seinen Platz. Ich freue mich schon auf alles das, was wir zusammentragen.

Pfarrer Andreas Kaehler

Wandern mit Grodotzkys, 27. Oktober 2001, Glienicker und Babelsberger Schlossparks

Wer hat schon die Gelegenheit, teilzunehmen an einem perfekt bis zu Abfahrtszeiten der öffentlichen Verkehrsmittel und dem angenehmen Mittagstisch vorbereiteten Ausflug mit kulturgeschichtlichen Erklärungen aller Art! 14 zumeist echte Heinersdorfer fuhren mit S-Bahn und Bus bis zum Glienicker Park und gelangten dann wandernder Weise zum Böttcher-Berg. 

Hier gab es zunächst den ersten, aber auch letzten Stolperstein in Form eines Biergartens. Schließlich war man zeitig aufgestanden und angesichts eines in Funktion befindlichen Bratwurstgrills stellte sich der zweite Frühstückshunger ein. Man konnte dabei noch angenehm im Freien am Ufer der Lake sitzen. Es ging dann vorbei am Jagdschloss Glienicke den Berg hinauf zu der gerade neu aus einer Ruine wiedererstanden Loggia Alexandra. 

Herr Grodotzky wusste zu berichten, dass dieser spätklassizistische Teesalon (1869) von Prinz Carl von Preußen nach seiner Lieblingsschwester genannt wurde, die als Gattin des zukünftigen Zars Nikolaus I. ihren Namen Charlotte in Augusta Feodorowna gewechselt hatte. Der Ort auf der Kuppe des kleinen Berges mit Blick auf die Glienicker Seen war der guten Aussicht wegen bewusst gewählt und auch wir genossen den Blick bei wunderbarer Herbstfärbung hinüber zur Glienicker Brücke. Dieser und das Bewusstsein, auf Wegen zu gehen, die so lange versperrt waren und dankbar die Wiederbelebung der Gegend zu genießen, machte noch einen besonderen Reiz des Tages aus. 

Vorbei am lustig neugotischen Wasserwerk, am Matrosenhaus, das an die rege Schifffahrt auf den Seen erinnerte, gelangte man zum Flatowturm (genannt nach dem Gut Flatow des Prinzen Wilhelm), der in der Mitte des 19. Jahrhunderts für die Parkbewässerung architektonisch nach dem Vorbild eines Frankfurter (a.M.) Stadttors errichtet wurde und in dem jetzt Ausstellungen besichtigt werden können, z.B. über die Lennésche Gartenarchitektur. Dieser gemäß waren fächerartig Sichtschneisen angebracht, durch die sich der Blick auf bestimmte Bauwerke und Landschaftspunkte in der Ferne öffnete. 

Auch Fürst Pückler hatte sich später an der Gestaltung des Babelsberger Schlossparks beteiligt. Entsprechendes soll nun wohl wieder hergestellt werden. Besonderes Interesse fand auch die spätgotische Gerichtslaube des alten Berliner Rathauses, die, als dieses 1872 Platz machen musste für das neue Rote Rathaus, hier in den Schlosspark Babelsberg verlegt wurde. 

Nicht vergessen werden soll das "Kleine Schloss", früher als Damenhaus für die Hofdamen errichtet, heute auch den Herren zugängig, wo in einem Separé ein gedeckter Mittagstisch auf uns wartete und Gelegenheit war, bei einer guten Mahlzeit das Gesehene zu verarbeiten und zu vertiefen. 

Solchermaßen gestärkt, erreichten wir das von Schinkel, Persius und Strack für Kaiser Wilhelm I im neugotischen anglisierenden Stil erbaute Schloss Babelsberg, eingerüstet und noch am Anfang der Restauration. Trotzdem ist es begehbar und an die gerade laufende Ausstellung über Augusta Feodo-rowna verloren wir eine unserer Wanderfreundinnen. 

Die anderen hatten noch Gelegenheit, die ebenfalls wiedererstandene, im Grenzgebiet ehemals verfallene Klein-Glienicker Kapelle (Persius 1881) zu besichtigen. Sie strahlt wieder samt der Schuke-Orgel im alten Glanz dank vor allem auch privater Spenden (über 70% der Kosten). 

Schließlich gab es noch einen gemütlichen Kaffee im Glienicker Schloss, bevor die meisten zu einem weiteren Höhepunkt des Tages aufbrachen, Mozarts Requiem, aufgeführt durch die Heinersdorfer Kantorei mit Herrn Hensel.

Regine Witkowski

Heinersdorfer Gemeindetradition - Heinersdorfer Gemeindevision 

Der Gemeindetradition auf der Spur, zog es den Gemeindekirchenrat erstmals nach 5 Jahren zu einem gemeinsamen Wochenende nach Lobetal. Nach der Amtseinführung von Pfarrer Kaehler und der Wahl des Gemeindekirchenrates sollte das erste Novemberwochenende eine Zeit des Kennenlernens werden. Kennenlernen wollten wir natürlich unseren neuen Pfarrer, genauso wie Herr Kaehler uns und unsere Gemeinde kennenlernen wollte. 

So begannen wir am Sonnabend damit, über das Besondere der Heinersdorfer Gemeinde nachzudenken und dies in kleinen Drahtskulpturen darzustellen. So wurde unsere Kirche nachgebildet, eine Familie oder auch eine Blume, die neu zu wachsen beginnt. 

Im Vorfeld dieses Wochenendes hatte ich einige Gemeindeglieder über ihre Vorstellungen zur Gemeindetradition und zu ihren Wünschen für das Heinersdorfer Gemeindeleben befragt. An dieser Stelle einen herzlichen Dank für die zusammengetragenen Gedanken. Diese und die Ideen der Mitglieder des Gemeindekirchenrates gingen beim Sammeln der Visionen für die Gestaltung unserer Gemeinde ein. Auch konnte gleich die Umsetzung erster Ideen in Angriff genommen werden. So wird es in diesem Jahr wieder die traditionelle Adventsfeier im Margaretensaal geben.

Hier einige weitere Vorschläge: Gesprächsrunden mit sachkundigen Referenten, Gemeindeausflüge, Friedensgebete, Musikabende, Nutzung des Margaretensaals, Kirchenchronik, Besuchsdienste, Offene Kirche, und vieles mehr. Diese und andere Gedanken, die zusammengetragen wurden, kann man demnächst in der Kirche betrachten, wo die Möglichkeit bestehen wird, Ideen zu ergänzen.

Natürlich sind wir bei der Vielzahl an den sich uns bietenden Möglichkeiten auch immer wieder auf das Engagement der Gemeindeglieder angewiesen. Wer mitwirken möchte, wende sich an Pfarrer Kaehler oder die Mitglieder des Gemeindekirchenrates.

Unser Wochenende in Lobetal sollte neben den geistigen und geistlichen Anstrengungen auch Zeit für etwas Erholung bieten. So wanderten wir durch eine herrliche Herbstlandschaft und erweiterten bei abendlichen Spielen unser Wissen über unser Heimatdorf.

Am Sonntag erwartete uns der Besuch des Lobetaler Gottesdienstes. Anschließend waren noch diverse Beschlüsse zu fassen und es wurde der neue Vorsitz des Gemeindekirchenrates gewählt. Uwe Müller wird die nächsten drei Jahre das Amt des Vorsitzenden übernehmen.

Nachdem es die ersten Eiligen schon wieder in die Großstadt gezogen hatte, genossen die Verbleibenden noch hausgemachten Kuchen in der Lobetaler Schmiede. Vielleicht ist Lobetal ja bald wieder das Ziel eines Gemeindeausfluges? 

Auch das Zusammentreffen des Gemeindekirchenrates in dieser Art soll zur Tradition werden.

Sebastian Schütz